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Bin ich vergesslich oder schon dement?

Treten unbedeutende Vergesslichkeiten gehäuft auf, wächst mit dem Alter die Angst, an Demenz zu leiden.

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Professor Dr. Jörg Schulz ist Chefarzt der Klinik für Innere Medizin III / Geriatrie und Geriatrische Tagesklinik am Elblandklinikum Riesa.
Professor Dr. Jörg Schulz ist Chefarzt der Klinik für Innere Medizin III / Geriatrie und Geriatrische Tagesklinik am Elblandklinikum Riesa. © Klinik

Riesa. Ist der Herd ausgestellt? Das Bügeleisen und die Kaffeemaschine abgeschaltet? Wo liegt mein Autoschlüssel?

Diese Fragen stellt sich wohl jeder immer mal wieder. Laut Deutscher Alzheimergesellschaft e.V. werden jedes Jahr mehr als 300 000 Neuerkrankungen an Demenz diagnostiziert.

Professor Dr. Jörg Schulz ist Chefarzt der Klinik für Innere Medizin III / Geriatrie und Geriatrische Tagesklinik am Elblandklinikum Riesa. Er referiert beim SZ-Gesundheitsforum zum Thema „Demenz – Bin ich vergesslich oder schon dement?“ am 6. Februar in Riesa.

Dort können Interessierte von ihm Informationen über neueste Diagnostik- und Behandlungsmethoden auf dem Gebiet der Geriatrie erhalten und ihre Fragen stellen.

Herr Professor Dr. Schulz, wo hört Vergesslichkeit auf und fängt Demenz an? Lässt sich dies klar diagnostizieren?

Das lässt sich gut an den folgenden zwei Beispielen erklären: Verlegt jemand einen Gegenstand, z. B. seinen Schlüssel, ist das gesunde Gehirn in der Lage ihn zu finden, indem es Schritt für Schritt zurückdenkt. Menschen mit Alzheimer/Demenz erinnern sich nicht an das letzte Mal, als sie ihre Schlüssel in der Hand hielten.

 Ein anderes Beispiel: Jeder vergisst mal eine Telefonnummer. Aber er kann sie nachschauen. Ein fortgeschritten Betroffener weiß nicht mehr, was diese Nummern bedeuten und was er mit Ihnen machen kann. Die Fähigkeit zur Erarbeitung von Lösungsmöglichkeiten und -strategien geht zunehmend verloren.

Welche diagnostischen Verfahren nutzen Sie zur Klärung?

Echte diagnostische Verfahren zur Vergesslichkeit gibt es nicht. Man nutzt dafür Unterscheidungskriterien, welche eine Altersvergesslichkeit von der Demenz abgrenzen. Ein Beginn der Symptome im Alter von über 60 Jahren spricht zum Beispiel eher für eine gutartige Altersvergesslichkeit. Würden die Symptome im Alter von unter 60 Jahren beginnen, könnte dies eher für eine Demenz sprechen.

Bei einer Altersvergesslichkeit tritt die Vergesslichkeit lediglich vorübergehend auf. Dem Betroffenen fällt durch intensives Nachdenken das Vergessene meist wieder ein, zumindest weiß er sich zu helfen, indem er Merkhilfen benutzt. Bei Demenz dauert die Vergesslichkeit an und wird im Verlauf von Monaten sogar stetig schlimmer. Der Betroffene vergisst irgendwann ganze Gedächtnisinhalte und kann sich trotz intensiven Nachdenkens auch später nicht daran erinnern. Selbst Notizzettel oder Merkhilfen nützen dann nichts mehr.

Wie können Sie Betroffene und ihren Angehörigen unterstützen?

Es gibt verschiedene Therapiemethoden, die durchgeführt werden können, um Betroffene aber auch Angehörige zu unterstützen. Betroffene können z. B. Hirnfunktionstraining, bestehend aus Gedächtnistraining, Realitäts- und Orientierungstraining sowie Wahrnehmungstraining, absolvieren.

Darüber hinaus können soziale Hilfen vermittelt werden, aber auch psychotherapeutische Maßnahmen ergriffen werden, wie z. B. Gesprächstherapie, Familientherapie, Beschäftigungstherapie u.v.m.

Die Fragen stellte Kristin Koschnick.

Das SZ-Gesundheitsforum „Demenz – Bin ich vergesslich oder schon dement?“ findet am 6. Februar 2019, 18 Uhr im Elblandklinikum Riesa, Weinbergstraße 8, 01589 Riesa, Konferenzraum Ebene 5, statt. Der Eintritt ist frei. Um Anmeldung wird gebeten unter Telefon 03521 41045520 oder 1 0351 837475670.