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Bischof Joachim Reinelt geht in den Ruhestand

Nach genau 24 Jahren im Amt geht einer der dienstältesten Bischöfe Deutschlands in den Ruhestand. Der Papst hat Joachim Reinelt erst mit Verspätung aus der Verantwortung entlassen. Mit seinem Ausscheiden geht eine Ära für das Bistum Dresden-Meissen zu Ende.

Von Simona Block

Dresden. Bescheiden, unkompliziert, volksnah: Der beliebte Bischof von Dresden-Meißen, Joachim Reinelt, darf in den Ruhestand gehen. Auf den Tag genau nach 24 Jahren hat Papst Benedikt XVI. den 48. Hirten auf dem Bischofsstuhl des 968 gegründeten Bistums und damit einen der dienstältesten deutschen Bischöfe aus der Verantwortung gelassen. Der Papst habe das altersbedingte Rücktrittsgesuch des 75-Jährigen mit Wirkung zum Montag offiziell angenommen, teilte das Bischöfliche Ordinariat des Bistums in Dresden mit. Mit Reinelts Ausscheiden endet eine Ära, die sich auf päpstlichen Wunsch um vier Monate verlängert hatte.

Reinelt hatte gemäß der kirchenrechtlichen Bestimmungen schon Monate vor dem Jubiläum den Amtsverzicht aus Altersgründen angeboten. Der Papst aber bat ihn, über Oktober 2011 hinaus im Amt zu bleiben. Damals waren mit dem Erzbistum Berlin und dem Bistum Görlitz gerade zwei Bischofsstühle der östlichsten deutschen Kirchenprovinz unbesetzt und der Papstbesuch stand bevor. Nun wurde Reinelt die Last der Verantwortung für knapp 140 000 Katholiken in Sachsen und Ostthüringen von den Schultern genommen.

Innerhalb von acht Tagen muss das Domkapitel nun einen Geistlichen bestimmen, der das Bistum als Diözesanadministrator bis zur Wahl eines neuen Bischofs leitet. Er habe die Befugnisse eines Bischofs, dürfe aber keine den neuen Bischof bindenden Grundsatzentscheidungen treffen, erklärte Bistumssprecher Michael Baudisch. Bei der Wahl eines Nachfolgers hat das Domkapitel ein Vorschlagsrecht und auch Reinelt habe dem Vatikan geeignete Kandidatenlisten gesandt. Daraus erstellt der Heilige Stuhl eine Auswahl mit drei Vorschlägen, aus denen das Domkapitel dann in freier und geheimer Wahl den 49. Bischof von Dresden-Meißen bestimmt.

Der aus Niederschlesien stammende Reinelt war nach Stationen als Priester in Sachsen und Thüringen mit dem Wahlspruch „Jesus in medio“ am 20. Februar 1988 zum Bischof geweiht worden. Das geistliche Oberhaupt der drittkleinsten Diözese unter den 27 deutschen Bistümern sah sich dabei auch als Ansprechpartner der etwa fünf Millionen Menschen, die in der zum Bistum gehörenden Region zwischen Kahla (Thüringen) im Westen und Zittau (Sachsen) leben. Zudem wirkte Reinelt jahrelang aktiv in der Deutschen Bischofskonferenz.

Im Rückblick zählte Reinelt das Ende der DDR zu den bedeutendsten Herausforderungen seines bischöflichen Tuns. Da sei die Kirche plötzlich sehr stark von gesellschaftlichen Ereignissen gefordert gewesen und er sich wie ein Politiker vorgekommen. Danach konnte das Bistum verwirklichen, was im Sozialismus verwehrt blieb: Schulen eröffnen, Kindergärten bauen, Religionsunterricht entwickeln und Kirchen sanieren. „Für die Bilanz meiner Bischofszeit bisher gibt es nur ein Wort: Öffnung.“

Für Offenheit plädierte er auch bei der Aufarbeitung des kirchlichen Missbrauchsskandals, um die Opfer von ihren seelischen Bedrängnissen zu befreien und um Verzeihung zu bitten. Einer der letzten Höhepunkte seiner Bischofszeit war die Seligsprechung des sorbischen Kaplans Alojs Andritzki. Künftig kann sich der rüstige Altbischof nun ganz seinen Hobbys widmen: Reisen, Wandern, Radfahren, Kunst, Kultur und gute Bücher. Daneben will er weiter als Seelsorger für die Menschen da sein. Auf eines freute er sich indes schon vor Monaten: „Die Schönheit der Schöpfung zu genießen.“ (dpa)