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So geht's den Wirten nach dem Lockdown

Gäste dürfen im Kreis Bautzen wieder in den Lokalen Platz nehmen, mittlerweile auch ohne Testpflicht. Wie das bisher angenommen wird.

Martin Wunde vom Jägerhof Putzkau fehlen noch die Gäste. Andere Wirte können sich dagegen kaum über mangelnden Zuspruch beschweren.
Martin Wunde vom Jägerhof Putzkau fehlen noch die Gäste. Andere Wirte können sich dagegen kaum über mangelnden Zuspruch beschweren. © SZ/Uwe Soeder

Schmölln-Putzkau. Wenn sich Koch Martin Wunde an die Zeiten vor der Corona-Pandemie erinnert, hat er vor allem Eines im Kopf: Familienfeiern im Jägerhof an der B 98 in Putzkau. Hauptsächlich davon lebt das Familienunternehmen, obwohl es natürlich auch ein à la carte Geschäft anbietet. Doch obwohl das Restaurant seit wenigen Wochen wieder geöffnet hat, bleiben die Gäste aus.

"Es kommen die jungen Leute und Stammgäste, die wissen, dass sie kommen dürfen. Aber die Mehrheit der Leute weiß noch gar nicht, dass die Gastronomie überhaupt wieder offen hat und dass man ohne Test kommen kann", sagt Martin Wunde im Gespräch mit Sächsische.de. "Spontan kommt niemand, sondern nur mit Reservierung", fügt sein Vater Andreas an. Ihnen fehlen klare Aussagen vonseiten der Politik, sagen die Beiden.

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"Man muss den Leuten sagen, dass sie wieder rausgehen können – Essen, Baden, Übernachten und wieder ein normales Leben führen", betont Martin Wunde. Denn mittlerweile sei es ja wieder möglich, ohne großen Aufwand einfach so ins Freibad und auch ins Restaurant zu gehen oder in einer Pension zu übernachten. "Die Leute wissen gar nicht, was wirklich wo möglich ist. Doch das ist die Frage aller Fragen, die ihnen beantwortet werden muss", findet Andreas Wunde.

Der Jägerhof liege nun mal weder an einem Badeteich, noch auf dem Gipfel eines Berges, sondern an der Bundesstraße 98 in Putzkau. Somit würde niemand sowieso vorbeilaufen und sich dann spontan entscheiden, etwas zu essen. "Gerade auf dem Land, wo kein touristisches Ausflugsziel ist, lebt man von den Feiern und dem bisschen Drumherum", sagt Wunde.

So sieht's bei anderen Wirten aus

Der Gasthof Guttau, nordöstlich von Bautzen, hingegen profitiert von der Nähe des Olbasees. "Bei uns haben keine Gäste gefehlt, denn bis Mitte Juni war unser Haus immer sehr gut gefüllt", berichtet Wirtin Ina Pietke. Seitdem haben Pietkes Urlaub, bevor es an diesem Wochenende nun wieder losgeht. "Es gab kaum einen Tag, an dem wenig zu tun war", berichtet Ina Pietke. Denn durch die Lage habe man viele Urlauber und Dauercamper, die den Weg in das Restaurant gefunden haben. "Aber auch die anderen Leute wollen raus und kommen zu uns", freut sich Pietke.

Ina und Hartmut Pietke vom Radlerhof Guttau.
Ina und Hartmut Pietke vom Radlerhof Guttau. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Das Geschäft mit Touristen läuft gewöhnlich auch am Bischofswerdaer Butterberg sehr gut. "Die Außengastronomie ist gerade bei schönem Wetter eine Anlaufstelle für viele Gäste", sagt Karl-Heinz John, der den Berggasthof Butterberg gemeinsam mit seiner Frau betreibt. Den aktuellen Zuspruch bezeichnet er als gut. "Wir sind optimistisch, dass es auch so weitergeht", sagt er. Auch erste kleinere Feiern würden im Innenbereich stattfinden oder zumindest reserviert werden. Der ebenfalls auf dem Gelände befindliche Touristische Treff - eine separate Außenanlage, die angemietet werden kann - werde außerdem gut durch Schulklassen für Abschlussfeiern genutzt.

Auch nicht schlecht läuft es beim Schützenhaus in Pulsnitz. "Wir sind erstmal nicht unzufrieden, denn es geht voran", sagt Gaststätten-Inhaber Dirk Busch. Besonders froh ist er über den Wegfall einer Sache, die anfänglich das Geschäft getrübt habe. "Seitdem die Testerei weggefallen ist, sind die Leute wieder viel freier und gehen raus, auch in die Gastronomie", sagt Busch. Das sei wie ein Startschuss gewesen. "Seitdem kann ich mich nicht beklagen."

Ähnlich wie dem Jägerhof geht es dagegen der Gaststätte Zur Eisenbahn in Wiesa bei Kamenz. Denn auch sie liegt nicht direkt an einem Tourismus-Hotspot. "Die meisten Leute rufen heute an, um für morgen zu reservieren oder am kommenden Wochenende eine Feier nachzuholen", sagt Cornelia Klawitter. Spontan würden eher weniger Leute kommen, was per se auch nicht schlimm sei. "Zu 80 Prozent kommen Gäste, die vorher reserviert haben, aber das ist von uns auch so gewünscht, um besser planen zu können", sagt sie.

Cornelia Klawitter von der Gaststätte Zur Eisenbahn in Wiesa.
Cornelia Klawitter von der Gaststätte Zur Eisenbahn in Wiesa. © Archivfoto: Matthias Schumann

Um wieder mehr Gäste in den Putzkauer Jägerhof zu locken, bietet das Team jetzt etwas Besonderes an. "Zum zwölften Mal gibt es bei uns die spanischen Wochen, womit wir letzte Woche angefangen haben und was natürlich Stammgäste in die Gaststätte zieht", erklärt Andreas Wunde. "Wir haben aktuell klassisches spanisches Essen im Programm, zum Beispiel kleine Tapas. Das wird alles original zubereitet", fügt Martin Wunde an. Dazu gebe es spanisches Bier und spanische Weine. "Abends kommen gerade deshalb einige Gäste in den Biergarten und sitzen dann gerne bei uns", freut er sich.

Großer Verlust durch Absage vieler Feiern

Doch könne das reine À-la-carte-Geschäft nur die Kosten decken. Sorgen um ausbleibende Feiern, die dem Jägerhof Gewinn bringen würden, beschwichtige das nicht. "Gestern habe ich wieder eine Hochzeitsabsage gehabt, denn sie dürften zwar mit 50 Leuten bei uns feiern, aber ins Standesamt dürfen nur 20 rein", sagt Andreas Wunde.

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"Man kann pauschal sagen, dass 90 Prozent der Feiern, die wegen Corona ausgefallen sind, nicht nachgeholt werden. Das bedeutet umgerechnet für uns einen Ausfall von 50 Feiern und mehreren zehntausenden Euro", fügt Martin Wunde an.

Das gilt derzeit für den Restaurant-Besuch im Landkreis Bautzen*:

  • Innen- und Außengastronomie geöffnet
  • Keine Testpflicht, nur Kontaktverfolgung
  • Feiern mit maximal 50 Personen möglich

*bei einer Inzidenz unter 35

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