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Ärger um Schuttberge in Bischofswerda

Am Drebnitzer Weg ist seit Jahren ein Einkaufszentrum geplant. Doch nicht mal der Bauschutt wird noch weggeräumt. Wann geht's dort endlich weiter?

Martin Philipp wohnt nahe dem Areal am Drebnitzer Weg in Bischofswerda, auf dem ein Einkaufszentrum entstehen soll. Er fragt sich seit Monaten, warum die Schuttberge hier nicht verschwinden.
Martin Philipp wohnt nahe dem Areal am Drebnitzer Weg in Bischofswerda, auf dem ein Einkaufszentrum entstehen soll. Er fragt sich seit Monaten, warum die Schuttberge hier nicht verschwinden. © Steffen Unger

Bischofswerda. Für Martin Philipp und andere Anwohner ist es ein Schandfleck der Stadt. Sie empfinden den Anblick des Areals zwischen Neustädter Straße, Drebnitzer Weg und Süßmilchstraße in Bischofswerda als Zumutung und Belastung. „Soll man sich an diesen Missstand gewöhnen? Diese Gefahr sehe ich“, sagt der Rentner.

Auf der Fläche gibt es Halden aus Erde, Dreck, Steinen und Holzstücken. Aus dem Boden sprießen Essigbäume und kleine Birken, dazu Sträucher, Büsche und andere Pflanzen. Reste einer braunen Noppenmatte, Bauschaum, Gummireste, Kabel, eine zerknickte Pall-Mall-Schachtel und eine leere 0,1-Liter-Flasche Weizenkorn liegen herum. Durch den Zaun am Gehweg der Süßmilchstraße wuchert und wächst es ungebremst. Auch so eine Sache, die Anwohner Martin Philipp nicht mehr sehen kann.

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Schutthaufen bleiben vorerst liegen

Neben diesem Anblick stört ihn auch, dass es keine Informationen zum aktuellen Stand gibt. Seit Monaten passiert hier nichts mehr. Vorher wurde abgerissen und Bauschutt weggefahren. Eine regionale Firma habe das erledigt, erzählt Martin Philipp. „Das ging ziemlich reibungslos, aber irgendwann haben die aufgehört.“

Andreas Barth bestätigt, dass zumindest der Abriss abgeschlossen ist. Barth ist Projektentwickler für das Areal, das seinem Arbeitgeber, der Saller Bau GmbH aus Weimar, gehört. „Wir kümmern uns im normalen Rahmen um das Grundstück, aber in die Beseitigung der Schutthaufen werden wir kein weiteres Geld stecken.“ Zumindest nicht, solange es keine Einigung zwischen Saller und der Stadt Bischofswerda gibt.

Die Immobilienfirma aus Weimar will hier eigentlich ein Einkaufszentrum mit dem Lebensmitteldiscounter Netto und einem DM-Drogeriemarkt als Ankermieter bauen. Zudem soll es Flächen für einen Textil- und einen Schuhdiscounter sowie einen Sonderpostenmarkt geben. Diese Pläne existieren seit 2014 und anfangs sei die Saller GmbH noch sehr überzeugt von dem Standort gewesen, erklärt Andreas Barth.

Aber die Informationen aus dem Schiebocker Rathaus seien immer spärlicher geworden. „Wir finden kein Gehör mehr bei der Verwaltung.“ Die anfängliche Begeisterung für das Projekt, auch bei Oberbürgermeister Holm Große (parteilos), scheine gewichen zu sein. Nach einem Jahr habe die Stadt von dem ursprünglichen Einvernehmen nichts mehr wissen wollen. Und auch der Landkreis Bautzen sei keine große Hilfe. „Wir haben das Schrottgrundstück mit Altlasten vom Landkreis gekauft, aber bei der Baugenehmigung Schwierigkeiten bekommen“, klagt Barth.

Stadt kündigt neues Einzelhandelskonzept an

Nach Gesprächen mit allen Stadtratsfraktionen habe er jetzt aber den Eindruck, dass die Räte außer der CDU hinter den Plänen der Saller GmbH stehen. Zudem soll eine neue Beschlussvorlage in den Stadtrat eingebracht werden. Im Frühjahr 2019 hatte der Stadtrat für große Teile des Stadtgebietes beschlossen, dass für mindestens zwei Jahre keine neuen Märkte gebaut oder bestehende erweitert werden dürfen: außer Aldi an der Bautzener Straße und Netto am Drebnitzer Weg.

Doch nur mit dem Netto-Markt rechne sich dieser Standort nicht, argumentiert Andreas Barth. Einziger aktueller Mieter auf dem Gelände ist das Bildungswerk der Sächsischen Wirtschaft, das hier die Berufsschule für Hauswirtschaft betreibt.

An diesem Stadtratsbeschluss könnte sich allerdings bald etwas ändern. Wie Stadtsprecher Sascha Hache mitteilt, würden aktuell keine Gespräche mit der Firma Saller stattfinden. „Mit der voraussichtlich im Dezember erfolgenden Auslegung des Entwurfs des neuen Einzelhandels- und Zentrenkonzeptes kann sich die Firma aber in das Beteiligungsverfahren einbringen.“ Derzeit werde das Konzept noch intern geprüft, anschließend solle es unter den Stadträten beraten werden. Details zum Konzept verriet Sascha Hache nicht.

Einer schiebt Verantwortung auf den anderen

Dafür teilte er aber mit, dass der derzeitige Anblick des Areals auch der Stadtverwaltung nicht gefalle. „Das Gelände befindet sich aber in privater Hand. Solange von dort keine Gefahr für den öffentlichen Raum ausgeht, besteht keine Möglichkeit zum Eingreifen.“ Wegen der „Sträucher und Bäume, die in den Gehwegbereich hineinreichen, wurden aber bereits Maßnahmen gegen den Eigentümer eingeleitet“.

Ob das auf Verständnis stoßen wird, ist fraglich. Den Ärger der Anwohner könne er zwar verstehen, sagt Andreas Barth, aber „sie sollen sich beim Rathaus beschweren“. Bei Anwohner Martin Philipp bleibt so oder so das Gefühl zurück, dass hier Verantwortung nicht mehr wahrgenommen werde und es zu viele Versäumnisse gebe. „Es entsteht der Eindruck, dass die Stadt durch die Bahnlinie geteilt ist und alles auf dieser Seite hier  stiefmütterlich behandelt wird.“

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