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Was ein Ofenbauer aus den Niederlanden in Burkau macht

Jurg van Deijk und seine Frau Ellie bauten vor 17 Jahren in Burkau eine Firma auf, die heute einen Millionenumsatz macht. Gelandet sind sie hier nur durch Zufall.

Von Timotheus Eimert
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Jurg van Deijk zog vor 17 Jahren aus den Niederlanden nach Elstra und baute in Burkau eine Firma auf.
Jurg van Deijk zog vor 17 Jahren aus den Niederlanden nach Elstra und baute in Burkau eine Firma auf. © Steffen Unger

Burkau. An den genauen Tag kann sich Jurg van Deijk nicht mehr erinnern. „Es muss Weihnachten 1999 gewesen sein. Wir waren bei Freunden in Gersdorf zu Besuch“, sagt der heute 64-Jährige. Er habe damals mit einem Freund eine kleine Erkundungstour durch den heutigen Haselbachtaler Ortsteil und die Umgebung unternommen. „Dabei sind wir auch an einem alten Fabrikgelände in Elstra vorbeigekommen“, erzählt der Niederländer, der sich vom ersten Moment an in das alte Gebäude verliebte.

Wie es der Zufall so will, steht das gesamte Gelände zum Verkauf. Van Deijk muss nicht länger darüber nachdenken: Bereits im Januar 2000 erwirbt er die Fabrik und das Grundstück von der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben - dem Nachfolger der Treuhandanstalt - und einem privaten Investor. „Man wollte mir es erst gar nicht verkaufen“, erinnert er sich. Dennoch kommt es in der Folge zum Vertragsabschluss. Eigentlich will der Unternehmer die Fabrik zu einem Wohnhaus umbauen und eine Ferienwohnung benutzen.

Doch vier Jahre später ziehen er und seine Frau Ellie selbst in das sanierte Gebäude. „Wir wollten eigentlich nicht weg aus den Niederlanden, aber wir hatten so viel Geld in das Haus gesteckt, sodass wir uns dann dazu entschieden, nach Elstra zu ziehen.“ Welche Summe genau er investiert hat, darüber spricht van Deijk nicht. „Geld ist nicht alles im Leben“, meint er.

Wahrscheinlich würde er die Fabrik heute nicht noch einmal kaufen. „Zum Glück lagen damals auf dem Gelände rund eineinhalb Meter Schnee, sodass ich nicht gesehen habe, wie zerfallen das Gebäude eigentlich war.“

Im Sauerland die Lehre als Ofenbauer gemacht

Das Ehepaar baut sich im nahegelegenen Burkau mit Subtiel Kontor auch noch eine eigene Firma auf. „Ich hatte davor bereits zwei Firmen in den Niederlanden“, sagt Jurg van Deijk. Zum einen entwickelte er Kachelöfen. Nach eigenen Angaben war er der einzige Kachelofenbauer in den Niederlanden. „Es gibt dort keine Ausbildung für diesen Beruf.“

Er habe seine Lehre in Kreuztal-Eichen bei Siegen in Nordrhein-Westfalen gemacht. „In Holland ist es so, wenn du etwas auf dem Kasten hast, dann gehst du in eine Firma und arbeitest dich dort nach oben. In Deutschland gibt es für alles eine Ausbildung und einen Abschluss.“

Eine sehr lehrreiche Zeit sei das für ihn gewesen. „Ich konnte damals zwar Bratwurst und einen Kaffee auf Deutsch bestellen, aber diese Fachsprache im Ofenbau habe ich nicht beherrscht, sondern erst nach und nach gelernt“, erzählt er. Den Kontakt zu seinem Meister hielt er auch nach der Ausbildung noch lange. „Ich habe ihm dann immer wieder junge Leute aus meiner Firma vermittelt. Es waren für ihn kostenlose Arbeitskräfte, weil ich sie bezahlt habe. Aber sie haben dort auch sehr viel gelernt. Es war eine Win-win-Situation.“

Holzheizkessel waren nicht mehr gefragt

Mit der zweiten Firma baute van Deijk große Holzheizkessel. Doch in Deutschlands Nachbarland wurden zu dieser Zeit die Umweltgesetze verschärft. „Holzheizkessel waren nicht mehr erwünscht. Es sollte auf Wunsch der Regierung mit Gas geheizt werden“, erläutert der Ofenbauer.

Dabei hätte es besonders für die große holzverarbeitende Industrie der Niederlande viele Vorteile gehabt, weil sie ihre Holzreste hätten verbrennen können, statt sie entsorgen lassen zu müssen. „Außerdem mussten sie für viel Geld dann auch noch das Gas einkaufen“, führt van Deijk aus.

Seit dem Neustart sind nun 17 Jahre vergangen. In Burkau entwickelt er heute Zubehör für den Ofenbau. „Das sind zum Beispiel Luftgitter für Kamine“, erklärt er. Produziert werden diese Teile in Polen und in Großenhain. Zum anderen habe sich die Firma in den letzten Jahren noch auf die Entwicklung von Gartenkaminen und Planchas - das sind besondere Grillplatten - spezialisiert und dafür unter dem Namen „Feuercampus 365“ eine eigene Marke entwickelt. „Besonders Planchas werden immer beliebter, da das Gegrillte wesentlich aromatischer schmeckt als von einem normalen Grill“, erläutert van Deijk. Mit seiner Firma macht er heute einen Millionenumsatz.

Auf Käse aus Holland können sie nicht verzichten

Richtig heimisch geworden sei er nach all den Jahren dennoch nicht. „Meine Frau ist deutlich besser integriert. Sie liest regelmäßig den Spiegel und befasst sich mit der deutschen Gesellschaft.“ Doch was hält ihn dann hier? „Ich habe hier zu viel Geld investiert. Einfach wieder abhauen und aufgeben, das wollte ich nicht.“

Außerdem habe Deutschland auch viele schöne Seiten. „Ich liebe den Platz, die Entwicklungsmöglichkeiten. In den Niederlanden ist alles zugebaut“, sagt Jurg van Deijk. Auch zum Wohnen sei die Gegend optimal. Besonders gern wandert er durch die Oberlausitz und fährt regelmäßig mit dem Fahrrad auf Arbeit.

Auch die alte Architektur in Sachsen habe ihn hierbleiben lassen. „Es gibt hier viele schöne alte Häuser und Fabriken, die schaue ich mir sehr gern an.“ Doch auf manche Sachen aus seiner alten Heimat kann er nicht verzichten. „Wir bestellen uns zum Beispiel Käse aus Holland.“