merken
PLUS Bischofswerda

Demitz-Thumitz: Das sagt die Bürgermeisterin zum Abschied

Gisela Pallas geht nach zwölf Jahren an der Spitze der Gemeinde in den Ruhestand. Im Interview spricht sie über ihren Nachfolger, die Chancen für den Ort und ihre Mutter.

Gisela Pallas geht nach zwölf Jahren als Bürgermeisterin von Demitz-Thumitz zum Monatsende in den Ruhestand.
Gisela Pallas geht nach zwölf Jahren als Bürgermeisterin von Demitz-Thumitz zum Monatsende in den Ruhestand. © SZ/Uwe Soeder

Demitz-Thumitz. Eigentlich hätte Gisela Pallas von der Wählervereinigung Demitz-Pohla-Rothnaußlitz noch rund eineinhalb Jahre Zeit. Sie wurde 2015 als Bürgermeisterin von Demitz-Thumitz wiedergewählt und wäre bis Sommer 2022 im Amt.

Im Mai dieses Jahres hatte sie aber Landrat Michael Harig (CDU) gebeten, zum 30. November in den Ruhestand gehen zu können. Im Interview mit Sächsische.de schaut die 66-Jährige auf zwölf Jahre als Bürgermeisterin zurück, sagt, warum sie ihren Nachfolger für geeignet hält und verrät, worum sie sich in Zukunft kümmern wird.

Anzeige
Unschlagbare Schnäppchen bei NORMA
Unschlagbare Schnäppchen bei NORMA

Weihnachten rückt immer näher - dafür hat NORMA günstige Angebote für Jeden. Klicken Sie hier und lassen Sie sich von den vielfältigen Angeboten überraschen.

Frau Pallas, wie sehen Ihre letzten beiden Wochen als Bürgermeisterin von Demitz-Thumitz aus?

Nach zwölf Jahren stecken die immer noch voller Termine. Das Einzige, was sich verändert hat, ist, dass mein Nachfolger schon mal da war und nochmal kommt, um bestimmte Dinge und Termine zu besprechen. Es ist für mich ein bisschen eine seltsame Zeit. Einerseits habe ich den Wunsch, jetzt aufzuhören, selber geäußert, aber wenn es dann so weit ist, fühlt es sich komisch an. Ich habe es ja gern gemacht, sonst hätte ich so ein Amt gar nicht ausführen können. Es ist anstrengender geworden, weil sich die Stimmung insgesamt unter der Bevölkerung etwas verschlechtert hat. Aus verschiedenen Gründen.

Wie merken Sie das?

Die Leute regen sich über Kleinigkeiten auf. Sie denken nur noch von ihrem Haus bis zum nächsten Schlagloch, aber was das große Ganze ausmacht, was Bürgermeister für Dinge bewältigen müssen, sehen sie nicht.

91-jährige Mutter braucht Unterstützung

Sie werden im Dezember 67 und hatten selbst darum gebeten, rund eineinhalb Jahre vorm Ende Ihrer Amtszeit auszuscheiden. Ist das immer noch die richtige Entscheidung?

Ja, es war die richtige Entscheidung. Ich war ja 2017 krank und habe das eigentlich wieder ganz gut hinbekommen, aber ich merke, dass mein Nervenkostüm nachlässt. Früher wäre ich ruhiger geblieben. Dann habe ich eine 91-jährige Mutter, die mich braucht. Und unsere Enkelkinder sind in Bayern. Da möchte ich wieder hinfahren, wenn Corona das zulässt. Wir sehen uns so selten, und ich hatte ja auch immer wichtige Termine. Und vom Alter passt es jetzt auch.

Ihr Nachfolger, Jens Glowienka (CDU), ist also ab und zu hier zur Einarbeitung. Was haben Sie ihm denn schon beigebracht oder mitgegeben?

Jeder muss seinen Stil finden. Mein Nachfolger muss wissen, welche Themen und Termine wichtig sind. Er ist ja im Gemeinderat und da ist nicht alles neu für ihn. Er muss sich mit dem Kohleausstiegsgesetz beschäftigen. Da sind Projektanträge möglich. Und er muss sehen, dass wir eine neue Kämmerin bekommen.

Wie geht’s aus Ihrer Sicht mit Demitz-Thumitz weiter?

Die Landkreise Görlitz und Bautzen sind in diesem Gesetz drin. Wir haben die Möglichkeit, Projektanträge zu stellen. Damit das Gewicht hat, haben die Bürgermeister rund um Bischofswerda eine Absichtserklärung unterzeichnet und wollen ein Regionalentwicklungskonzept erarbeiten. Das ist Voraussetzung, um bestimmte Projekte machen zu können. Wir haben ja immer diese „einfachen Probleme“, wo wir Lösungen suchen: Sanierungen in den Kitas, in der Grundschule oder im Sport- und Freizeitzentrum.

Demitz-Thumitz bekannter gemacht

Ein Thema im Wahlkampf waren die Einwohnerzahlen. Im Vergleich zu 2011 hat die Gemeinde rund 200 Einwohner verloren. Wie lässt sich das aufhalten?

Chancen gibt es nur, wenn junge Menschen hier Arbeit finden und wenn die Infrastruktur stimmt. Bei uns stimmt sie. Wir haben Tagesmütter, Kindertagesstätten, eine Grundschule, Feuerwehr, Arzt, Zahnarzt, Apotheke, zwei Physiotherapien, Lebensmittelgeschäfte, eine Post und eine Sparkasse. Nur die Baugebiete sind bei uns knapp. Wir haben kein großes Bauland. Deshalb sind wir daran interessiert, dass sich Einwohner, die ihre Häuser verkaufen wollen, bei uns melden, damit wir diese anbieten dürfen.

Ist das alles bei Ihrem Nachfolger in den richtigen Händen?

Ich traue ihm das zu. Er wird sich manchmal wundern, aber ich denke, er ist ehrgeizig genug und wird sich einarbeiten.

Was waren für Sie als Bürgermeisterin größte Herausforderung und größter Erfolg?

Eine Herausforderung war die Umsetzung des Abwasserbeseitigungskonzeptes, in den Ortsteilen vorwiegend mit den biologischen Kleinkläranlagen. Vorher mussten Einwohnerversammlungen durchgeführt werden, um das zu erläutern. Die einen waren verärgert, weil sie ins zentrale Gebiet kamen, und die anderen, weil sie außen vor blieben. Wir hatten dann Firmen ins Sport- und Freizeitzentrum eingeladen, die ihre Kläranlagen vorstellen konnten. Die Bürger wiederum konnten Fragen stellen und vergleichen, und das hat dann auch geklappt.

Und ein großer Erfolg?

Ich habe Demitz-Thumitz mit einem Dorfentwicklungskonzept bekannter gemacht und damit auch unsere Sächsische Steinmetzschule. Ich habe so viel nette Briefe bekommen. Diese Anerkennung von Menschen mit mehr Hintergrundwissen ist ein Erfolg.

Und was machen Sie ab dem 1. Dezember?

Weiterführende Artikel

Wo das Geheimnis des Granits enthüllt wird

Wo das Geheimnis des Granits enthüllt wird

Wer spannende Geschichten liebt, ist in Demitz-Thumitz richtig. In einer geht es sogar um den Henker von London. Ein Tipp aus der Serie "Abenteuer vor der Haustür".

Granitdorf im Aufwind

Granitdorf im Aufwind

Demitz-Thumitz profiliert sich seit 2009 als Anziehungspunkt für Touristen. Nun kommt ein weiterer Baustein dazu.

Ich habe die erste Zeit im Dezember noch ein paar Dinge zu erledigen, habe Hobbys und Ehrenämter. Also insofern werde ich da auch noch was tun, und wie ich schon sagte, will ich auch meiner Mutter die Hilfe zukommen lassen, die sie braucht.

Mit dem kostenlosen Newsletter „Bautzen kompakt“ starten Sie immer gut informiert in den Tag. Hier können Sie sich anmelden.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Bischofswerda