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Die Frau mit den 300 Katzen

Seit fünf Jahren kümmert sich Irina Wenzel in Großharthau um Streuner. An Tierbesitzer hat sie eine klare Forderung.

Das Herz von Irina Wenzel schlägt für herrenlose Katzen. Sie fängt die Streuner ein, lässt sie beim Tierarzt kastrieren, bezahlt die medizinische Versorgung von Spenden oder aus der eigenen Tasche.
Das Herz von Irina Wenzel schlägt für herrenlose Katzen. Sie fängt die Streuner ein, lässt sie beim Tierarzt kastrieren, bezahlt die medizinische Versorgung von Spenden oder aus der eigenen Tasche. © SZ/Uwe Soeder

Großharthau. Irina Wenzel liebt Katzen. Kein Wunder also, dass sie ihr Büro auf dem Großharthauer Bauernhof mit drei neugierigen, verspielten,  zehn Wochen alten Kätzchen teilt. Neben Schreibtisch, Regalen und Ordnern gibt es auch Katzenklo, Futternapf, Körbchen und sogar eine selbst gezimmerte Schlafhöhle. Dabei sind die  Katzenkinder nicht mal ihre eigenen. Es sind herrenlose Tiere, die Irina Wenzel vor Kurzem in Frankenthal eingefangen hat. Insgesamt 17 waren es, erzählt die Tierfreundin. 14 davon brachte sie zum Kastrieren. „Drei Kater waren noch zu jung dafür.“ 

Die drei Katzenkinder in ihrem Büro sind die letzten aus besagtem Fang. Noch kümmert sich die Tierschützerin liebevoll um das aufgeweckte Trio. Doch schon bald bekommen sie ein neues Zuhause. „Sie sind alle drei schon vermittelt.“ Für kleine Katzen bis zu etwa zwölf Wochen sei das meist recht leicht. „In diesem Alter lassen sich die Tiere noch auf den Menschen prägen“, weiß die Katzenfreundin. Ältere Tiere hingegen seien nur noch schwer zähmbar und deshalb auch im Tierheim kaum zu vermitteln. Deshalb organisiert sie für diese Tiere dann Futter- und Pflegestellen.

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Im Einsatz, um Katzenleid zu verhindern

Seit etwa fünf Jahren kümmert sich Irina Wenzel um Streuner. Damals fiel ihr in einer Gartenanlage ein Dutzend schwarzer Katzen auf. „Ich bin zu den Leuten hin und habe sie gefragt, ob sie vielleicht Hilfe brauchen“, erinnert sie sich. Die Angesprochenen wussten gar nicht, warum sie fragte, erinnert sie sich. Sie waren nämlich der Meinung, dass sie nur drei, vier Katzen fütterten. Da alle Tiere schwarz waren, hatten die Kleingärtner überhaupt nicht im Blick, um wie viele es sich tatsächlich handelte, erzählt die Tierschützerin.  

Aus diesem Erlebnis erwuchs ein Engagement, das bis heute anhält. Seitdem ist sie unermüdlich im Einsatz für Streuner. In Gartenanlagen, Garagenkomplexen, LPG-Brachen, Scheunen. In einem Gebiet, dass von Gaußig über Porschendorf, Dürröhrsdorf-Dittersbach, Stolpen und Bischofswerda bis nach Bühlau, Großharthau, Frankenthal reicht.  

Irina Wenzel versteht sich jedoch nicht als romantisch verklärte Katzenliebhaberin, sondern als pragmatische Tierschützerin. Sie hat schon schlimmes Katzenleid gesehen. Das zu lindern, ist für sie Motivation und Ziel. Sie weiß, dass verwilderte Hauskatzen domestizierte Tiere sind. Sie können ohne menschliche Fürsorge kaum überleben. Sie würden leiden, weil sich niemand um sie kümmert, sie füttert, versorgt und pflegt und gingen meist elendig ein. Das widerstrebt ihr.

Tierfreundin organisiert Spenden für Behandlung

In menschlicher Obhut können Katzen sehr alt werden. Wildlinge würden hingegen meist nach ein, zwei Jahren sterben. Weil sie kein Futter finden, überfahren werden oder Krankheiten bekommen. Trotzdem nehme die Anzahl herrenloser Katzen kaum ab. Denn Katzen vermehren sich rasant. Aufgrund der inzwischen meist sehr mild verlaufenden Winter könne eine Katze bis zu dreimal im Jahr Junge bekommen. Oft würden sie dann eigene Populationen bilden, in denen Krankheiten und inzuchtbedingte Schäden vererbt werden.

Irina Wenzel opfert Zeit, Geld und Kraft für die Tiere und setzt sich dafür ein, dass dieser Teufelskreis beendet wird. Allerdings, dessen ist sie sich durchaus bewusst, kann sie das allein kaum schaffen. Obwohl sie Unterstützung bekommt. Zum Beispiel vom Bischofswerdaer Tierschutzverein oder auch von Mitstreiterin Christiane Kubeja aus Frankental. Die aus Baden-Württemberg stammende Tierfreundin organisierte über ihren Verein Spenden für die medizinische Versorgung der Streuner. Denn sehr oft hätten die Wildlinge Tumore, schlechte Zähne und seien voller Parasiten. 

Doch von der Öffentlichkeit werde das Problem häufig nicht wahrgenommen. Es brauche dringend mehr Bewusstsein der Menschen für ihre Verantwortung den Tieren gegenüber, so die Katzenliebhaberin. Denn Streunerkatzen seien nichts anderes als verwilderte Hauskatzen oder stammen zumindest von ihnen ab. „Es ist also immer ein Mensch an ihrem Schicksal beteiligt.“

Orte sollen Kastrationspflicht einführen

Die Tierschützerin werde immer dann angerufen, „wenn irgendwo große Katzenpopulationen gesehen werden und die Leute nicht mehr wissen, wie sie es handhaben sollen.“ Denn Irina Wenzel hat im Laufe der Jahre ein gutes Handling fürs Einfangen entwickelt. In der Regel laufe das so ab, dass über einen gewissen Zeitraum eine Lebendfalle mit Futter aufgestellt werde. Dann braucht es viel Geduld. Die Falle, die sie übrigens immer per Hand auslöse, zuschnappen zu lassen, wenn eine Meute andere Tiere daneben stehe, sei kontraproduktiv. Mitunter arbeite sie auch mit Katzenstimmen, die sie als Audio-Datei auf dem Handy gespeichert hat, erzählt die Tierschützerin. Die gefangenen Streuner fährt sie dann zum Tierarzt, der sie untersucht und kastriert. Danach kommen sie in ihr angestammtes Revier zurück, nachdem Irina Wenzel dort eine Futterstelle organisiert hat.

Grundsätzlich sollte jeder Katzenhalter sicherstellen, dass sein Tier nicht zu einer Katzenflut beiträgt, indem es sich unkontrolliert vermehrt, appelliert Irina Wenzel. Sie wünscht sich eine Kastrationspflicht für Katzen, so wie es sie beispielsweise in Radeberg bereits seit Jahren gibt. Oder auch Kastrationsaktionen für die Tiere von sozial Schwachen. Denn die Kosten dafür sind enorm. 120 Euro werden für eine Katze fällig, 50 für einen Kater. Doch die meisten Kommunen sehen keinen Handlungsbedarf. Und auch mancher Katzenbesitzer nicht, weiß Irina Wenzel, die so langsam müde sei "von der Endlosschleife". An die 300 Tiere hat sie in den letzten fünf Jahren eingefangen, zum Kastrieren gebracht, auf ihren Handtüchern liegen, in ihren Boxen gehabt. 

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