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Bischofswerda: Geheimnisvolle Spuren in der Stadt

Am Sonntagabend haben zwei Menschen auf dem Altmarkt und vor dem ehemaligen Kino getanzt. Sie wollten nicht gesehen, aber später doch bemerkt werden.

Sie tanzt, er sprüht. Jana Schmück und Patrick von Bardeleben haben am Sonntagabend die Aktion "Invisible Dances" auf dem Altmarkt in Bischofswerda und vor dem ehemaligen Kino umgesetzt.
Sie tanzt, er sprüht. Jana Schmück und Patrick von Bardeleben haben am Sonntagabend die Aktion "Invisible Dances" auf dem Altmarkt in Bischofswerda und vor dem ehemaligen Kino umgesetzt. © Toni Neumann

Bischofswerda. Was hat es mit den rosa Linien mitten auf dem Altmarkt und vor dem ehemaligen Kino in der Karl-Liebknecht-Straße auf sich? Wer an diesem Montag in der Bischofswerdaer Innenstadt unterwegs war, wird vielleicht erst auf den zweiten Blick bemerkt haben, dass sich in der vorangegangenen Nacht etwas verändert hat.

Auf Schildern in A4-Größe gibt es die Erklärung zu den „Invisible Dances“, den unsichtbaren Tänzen: „Während Sie schliefen, während Sie woanders waren, während alles stiller war, kamen die Tänzer*innen“, wird darauf mitgeteilt.

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Die Spuren der Tänzer waren am Montagvormittag noch gut auf dem Altmarkt zu sehen. Wie viel Aufsehen sie erregen, wird sich zeigen.
Die Spuren der Tänzer waren am Montagvormittag noch gut auf dem Altmarkt zu sehen. Wie viel Aufsehen sie erregen, wird sich zeigen. © Steffen Unger

Tänzer bewegen sich an öffentlichen Orten der Stadt, und ihre Schritte werden mit Kreidespray nachgezogen, so die Idee. Wer diese Spuren entdeckt, könne das nachtanzen oder einfach seine Fantasie spielen lassen. Noch bis Jahresende soll das Projekt in Städten weltweit von lokalen Künstlern organisiert und umgesetzt werden.

Linien verstören und werfen Fragen auf

Jana Schmück hat gemeinsam mit Patrick von Bardeleben am Sonntagabend in Bischofswerda getanzt. Dass sie dabei möglichst unbeobachtet bleiben sollten, sei Teil des Konzepts, sagt die künstlerische Leiterin bei TanzArt, dem Zentrum für Tanz, Bewegung und Kunst in Kirschau. „Die Leute können es auf sich wirken lassen und die Hinweise lesen. Die Linien sind vielleicht verstörend, werfen aber sicher Fragern auf“, erklärt die Tanzpädagogin, Choreografin und Betriebswirtin.

Am Abend habe das Duo gegen 21 Uhr begonnen und seine Aktion fast unbemerkt durchführen können. Nur am Altmarkt seien die beiden von einem jungen Fahrradfahrer gefragt worden, was sie hier tun. „Wir machen Kunst“, habe Jana Schmück geantwortet.

Als Tänzer seien sie und ihre Kollegen extrem von vergangenen und jetzt wieder aktuellen Corona-Beschränkungen betroffen. Um trotzdem ein Publikum zu finden, seien die „Invisible Dances“ eine gute Möglichkeit. Die Idee stammt von der Choreografin Elisabeth Schilling. Sie habe das im Lockdown entwickelt, "um Menschen, die sich in gegenseitiger Einsamkeit befanden, zu inspirieren und zu verbinden“, also auch Künstler und Publikum, ohne dass beide sich treffen müssen.

Als Jana Schmück davon hörte, dachte sie sofort an Bischofswerda und hat sich für das Projekt beworben, denn es sollte in Deutschland im ländlichen Raum, etwa in Städten mit weniger als 20.000 Einwohnern, umgesetzt werden. „Und wir arbeiten relativ oft mit der Stadt zusammen und gern im öffentlichen Raum.“ Hier erreiche man auch Publikum, dass nicht ins Theater gehe. 

Stadt und Verein unterstützen die Aktion

Die Stadt Bischofswerda stand der Anfrage offen gegenüber, auch weil sichergestellt wurde, dass die Corona-Bestimmungen eingehalten werden können, erklärt Manuel Saring aus dem Büro des Oberbürgermeisters. „Jetzt, wo Veranstaltungen untersagt sind, können solche Aktionen ein positives Zeichen setzen. Es ist gut, dass sich die Künstler zeigen.“

Die Stadt werde versuchen, alles zu tun, um Veranstaltungen stattfinden zu lassen. Und falls Einwohner Bedenken wegen der Farbe haben sollten, kann Manuel Saring sie beruhigen: „Die verschwindet wieder von allein.“

Bevor das Duo auf dem Altmarkt unterwegs war, hat es seine rosa Spuren in der Karl-Liebknecht-Straße vor dem ehemaligen Kino hinterlassen.
Bevor das Duo auf dem Altmarkt unterwegs war, hat es seine rosa Spuren in der Karl-Liebknecht-Straße vor dem ehemaligen Kino hinterlassen. © Riccarda Svarovsky

Dass Jana Schmück neben dem Altmarkt auch am ehemaligen Kino ihre Spuren hinterlassen hat, ist für Heiko Düring nur logisch. Die neue Fassade des Gebäudes ist seit ein paar Wochen fertig, und es sei gut, wenn es hier weiter bunt zugehe.

Da dem Verein KulturOrt das Haus gehört, habe er auch die Anfrage für die Tanzaktion bekommen, sagt Mitglied Heiko Düring. „Jana Schmück und ich kennen uns schon lange aus der Kunst- und Kulturszene. Als sie mir das Projekt vorgestellt hat, war ich begeistert. Es gibt Darstellungsformen, auch in diesen Zeiten.“ Düring ruft dazu auf, solche Ideen zeitgemäß umzusetzen. Wer dafür Unterstützung brauche, könne sich gern beim Verein KulturOrt melden.

Ob und wann Jana Schmück wieder solche oder ähnliche Projekte umsetzen kann, ist fraglich. Die „Invisible Dances“ seien jetzt abgeschlossen. Der zeitliche Ablauf war ursprünglich anders geplant, hätte aber mit dem erneuten Beginn massiver Corona-Beschränkungen nicht besser passen können, sagt die Tänzerin. „Noch vor 14 Tagen war das sehr irrelevant. Aber die Normalität ist jetzt wieder weg.“ Sie und ihr Team von TanzArt in Kirschau „sind dabei, Projekte in neuer Form zu denken“. Der öffentliche Raum spiele dabei eine wesentliche Rolle.

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