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Neukirch: Alte Weberei wird abgerissen

Das Vorhaben ist im Ort umstritten, aber jetzt steht fest: Die Industriebrache wird bald verschwinden und Platz für Neues machen.

Wie lange die alte Weberei in Neukirch noch steht, ist unklar. Mit dem jüngsten Beschluss im Gemeinderat ist der Abriss aber nur noch eine Frage der Zeit. Bürgermeister Jens Zeiler plant das schon länger.
Wie lange die alte Weberei in Neukirch noch steht, ist unklar. Mit dem jüngsten Beschluss im Gemeinderat ist der Abriss aber nur noch eine Frage der Zeit. Bürgermeister Jens Zeiler plant das schon länger. © Archivfoto: Steffen Unger

Neukirch/Lausitz. Die Industriebrache an der Leibingerstraße 30 in Neukirch wird abgerissen. Das hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen. Die ehemalige Weberei soll weichen, um die gewerbliche Entwicklung rund um das Trumpf-Werk voranzutreiben. Wie Bauamtsleiterin Cornelia Würz-Lehmann in der Sitzung betonte, wolle die Gemeinde den Abriss bereits seit geraumer Zeit umsetzen.

Die Gemeinderäte und Bürgermeister Jens Zeiler folgten der Beschlussvorlage mehrheitlich, bei einer Enthaltung und einer Gegenstimme. Laut diesem Beschluss sind „die Planungen für Rückbau und Entsorgung als auch Erschließung der Brachfläche“ abgeschlossen. Somit könnten jetzt Fördermittel beantragt werden.

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Diese könnten für die Beräumung der Industriebrache ausgezahlt werden, allerdings nur, wenn anschließend ein erschlossenes Grundstück entsteht, das mindestens zwei Gewerbetreibenden zur Verfügung gestellt werden könne.

Kosten in Höhe von 2,3 Millionen Euro

Die Gemeinde geht davon aus, dass der Zuwendungsbescheid noch in diesem Jahr erteilt wird. Gegenüber vorheriger Planungen hätten sich aber die Kosten für Rückbau, Entsorgung und Erschließung von 1,9 auf 2,3 Millionen Euro erhöht. Man rechne mit einem Fördersatz von 90 Prozent. Zudem müsse die Gemeinde 5.000 Euro für den Kauf von Grundstücken einplanen. Die Erschließungskosten von rund 450.000 Euro beinhalten unter anderem den Bau einer neuen Straße entlang des Areals inklusive eines Wendepunktes.

Mit dem Abriss der Industriebrache würde beginnen, was die Gemeinde seit 2016 plant und mit der Ersteigerung der alten Weberei 2017 begonnen hat umzusetzen: in der Nachbarschaft des Werkzeugmaschinenproduzenten Trumpf neue Gewerbeflächen zu erschließen und die Voraussetzungen zu schaffen, um den Hochwasserschutz für die Bürger zu verbessern.

Das sorgt allerdings auch für Ärger in der Gemeinde und gefällt nicht allen. Denn die Wesenitzaue zwischen der Firma Trumpf und der Wilthener Straße zeichnet vor allem aus, dass sie bislang weitestgehend unbebaut ist und verschiedenen Tieren und Pflanzen als wertvoller Lebensraum dient. Manche Anwohner befürchten zudem, dass neue Straßen oder Werkhallen zu dicht an ihren Häusern gebaut werden und ihre Grundstücke an Wert verlieren könnten. 

Neue Gewerbeflächen, Straße und Rückhaltebecken

Der Bebauungsplan Wesenitzaue sieht nicht nur eine neue Straße, sondern auch Gewerbeflächen entlang der Bahnlinie vor. Firmen, die sich dort ansiedeln möchten, gebe es laut Bürgermeister Jens Zeiler (CDU) bereits. 

Die Flächen in der Mitte, wo die Wesenitz fließt, sollen unbebaut und grün bleiben. Die Landestalsperrenverwaltung (LTV) plant dort den Bau eines "temporären Regenrückhaltebeckens", um den Hochwasserschutz zu verbessern.

Bei dem Becken handelt es sich um eine begrünte Fläche mit einem vier bis fünf Meter hohen Damm, der bei Starkregen oder schneller Schneeschmelze die Wassermassen zurückhält und dosiert abgibt, erläuterte der Bautzener LTV-Betriebsleiter Sebastian Fritze. Bis zu 90.000 Kubikmeter sollen gespeichert werden können. Nur bei Hochwasser wird das Becken gefüllt sein.

Bestehende Biotope, darunter Feuchtwiesen, sollen laut des Bautzener Planungsbüros Ernst Panse „bis auf drei kleinere Flächen" erhalten bleiben. Für Eingriffe in die Natur werde es Ersatzmaßnahmen geben, heißt es. Dazu gehören zum Beispiel Nisthilfen, und es soll eine Streuobstwiese angelegt werden. Zudem werde eine „Bauabstandszone" festgelegt, die weder bebaut noch als Lagerplatz während der Bauarbeiten genutzt werden darf.

Wann der Abriss der Industriebrache beginnt und wie lange die Arbeiten dauern, ist noch unklar. Im Haushalt der Gemeinde Neukirch sind die „erforderlichen Baukosten in die zukünftige Finanzplanung bis 2023 eingeordnet“. (mit SZ/ir)

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