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Reitzentrum in Bühlau wird versteigert

Für die bekannte Anlage bei Großharthau wird ein neuer Eigentümer gesucht. Was das für die Pferdefreunde der Region bedeutet.

Das Reitzentrum Hexenburg Bühlau bietet gute Bedingungen für Tier und Mensch. Hier handelt es sich jedoch um ein Symbolbild. Ein Foto auf der Reitanlage werde "derzeit nicht gewünscht", ließ der Pächter über seine Rechtsanwältin erklären.
Das Reitzentrum Hexenburg Bühlau bietet gute Bedingungen für Tier und Mensch. Hier handelt es sich jedoch um ein Symbolbild. Ein Foto auf der Reitanlage werde "derzeit nicht gewünscht", ließ der Pächter über seine Rechtsanwältin erklären. © dpa

Großharthau. Das Reitzentrum Hexenburg in Bühlau wird am 1. Oktober am Amtsgericht Bautzen zur Versteigerung aufgerufen.  Versteigert wird das Erbbaurecht an dem reichlich dreieinhalb Hektar großen Areal. Neben ausgedehnten Freiflächen gehören dazu eine Reithalle, Stall-, Wohn- und Sozialgebäude sowie Paddocks, die eingezäunten Ausläufe für Pferde. Der Verkehrswert beträgt laut amtlicher Mitteilung 750.000 Euro. 

Versteigert wird das Erbbaurecht

Nach SZ-Informationen ist eine Unternehmerin Eigentümerin des Grundstückes. Sie schloss im Jahr 2003 einen Erbbaupachtvertrag mit dem Reit- und Tennisclub Hexenburg Bühlau, dessen Vorstand sie damals angehörte. Der Vertrag läuft noch bis zum Jahresende 2039.  

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Durch das Erbbaurecht besteht die Möglichkeit, das Eigentum an einem Grundstück vom Eigentum an den darauf stehenden Gebäuden zu trennen. Der Eigentümer eines Grundstücks räumt dafür als sogenannter Erbbaurecht-Geber dem Erbbaurecht-Nehmer die Nutzung seines Grundstücks zur Bebauung ein, was im Grundbuch eingetragen wird. Der Erbbaurechts-Nehmer, in diesem Fall der Verein, wird in der Folge alleiniger Eigentümer der Gebäude.

Geschäftsbetrieb läuft ohne Einschränkungen weiter

Blick von außen auf die Reitanlage.
Blick von außen auf die Reitanlage. © SZ/Uwe Soeder

Der Reit- und Tennisclub betrieb die Anlage bis zum Jahr 2013. Dann zog er sich "aus dem täglichen Geschäft" zurück, wie es damals hieß. Lars Löwe übernahm die Anlage und gründete das Reitzentrum Hexenburg. Er ist Pächter und hat mit dem Erbbaurechtsvertrag selbst nichts zu tun. 

Mit der SZ möchte er nicht sprechen. Stattdessen lässt er die ihm zugesandten Fragen von seiner Rechtsanwältin beantworten. "Die Versteigerung hat weder auf Herrn Löwe persönlich noch auf die Zukunft des Reitzentrums Auswirkungen", erklärte Susanne Melchior von der Kanzlei Retzlaff, Sommer und Horn in Bautzen. 

Der Geschäftsbetrieb des Reitzentrums unter anderem mit Pferdepension und Reitschule läuft ohne Einschränkungen weiter. Die Reiterferien im Sommer seien ein Anziehungspunkt für Kinder gewesen, berichten Dorfbewohner. Laut seiner Internetseite beherbergt das Reitzentrum rund 80 Pferde, davon zwölf Schulpferde. Pferdehalter, die ihr Tier in Bühlau einstellen, kommen aus den Kreisen Bautzen und Sächsische Schweiz, vor allem aber auch aus Dresden. 

Drei Insolvenzanträge seit dem Jahr 2015

Die Versteigerung am 1. Oktober stehe "in keinem Zusammenhang mit Herrn Löwe", betont seine Anwältin. Diesen Angaben zufolge sieht ihr Mandant seine Zukunft weiterhin in Bühlau. 

Trotzdem kämpft das Reitzentrum mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Dreimal musste Lars Löwe als Inhaber  der Firmen "Reitzentrum Hexenburg" bzw.  "Pferdepension Löwe"  Insolvenz anmelden - in den Jahren 2015, 2018 und 2019. In allen drei Fällen habe der Insolvenzverwalter den Geschäftsbetrieb freigegeben,  so dass weiter gearbeitet werden kann, sagte Rechtsanwalt Peter Scholl, der im jüngsten Verfahren zum Insolvenzverwalter bestellt worden ist. 

Befragt zu den Gründen für die Probleme, erklärte Susanne Melchior: "Wir bitten um Verständnis, dass hierzu keine Angaben gemacht werden können." 

Ferienwohnungen in der Hexenburg geplant

Die benachbarte Hexenburg, ein rundum geschlossener Vierseithof,  gehört nicht zum Grundstück, dessen Erbbaurecht versteigert werden soll. An dem denkmalgeschützten Gebäudekomplex laufen seit Jahren Arbeiten zur Sicherung und Sanierung. 

Eigentümer Frank Milbrath plant bis zum Ende dieses Jahres, drei Ferienwohnungen fertigzustellen. Die Leader-Region Westlausitz bewilligte dafür Fördergelder. 

Die historische Hexenburg - Baustelle seit über 25 Jahren.
Die historische Hexenburg - Baustelle seit über 25 Jahren. © SZ/Uwe Soeder

Dies sei, so Frank Milbrath, ein ersten Schritt. "In den anderen Flügeln soll ein Mehrgenerationenhaus für selbstbestimmtes Wohnen und Arbeiten für Mensch und Tier einschließlich einer kleinen ökologischen Landwirtschaft entstehen", sagte er. 

Gemeinde mahnt fehlenden Bebauungsplan an

Die Hexenburg hat wirtschaftliches und touristisches Potenzial. Der um 1855 errichtete Vierseithof war einst ein Dorf für sich. Er beherbergte landwirtschaftliche Anlagen, war Bäckerei, Fleischerei, Brauerei und Brennerei in einem. Baulich sei  das Gebäude ein Unikat für die Oberlausitz,  heißt es im Landesamt für Denkmalspflege.

Dieses Potenzial zu erschließen, liegt auch im Interesse der Gemeinde Großharthau. Sie vermisst jedoch eine qualifizierte Planung der Eigentümer. Notwendig sei ein Bebauungsplan, der festlegt, was aus dem Objekt einmal werden soll, sagt Bürgermeister Jens Krauße (SPD). Er könne aktuell keine einheitliche Entwicklung dieses Gebietes erkennen. 

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