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Neukirch: Ärger über Baustopp an der Schule

Die Fassade der Oberschule sollte bis zum Start des neuen Schuljahres erneuert sein. Doch wegen nistender Vögel darf nicht gearbeitet werden. Das sorgt für Probleme.

Der Neukircher Bürgermeister Jens Zeiler (l.) und der Leiter der Oberschule, Michael Hubrich, haben kein Verständnis dafür, dass sich Bauarbeiten am Gebäude aus Naturschutzgründen lange verzögern.
Der Neukircher Bürgermeister Jens Zeiler (l.) und der Leiter der Oberschule, Michael Hubrich, haben kein Verständnis dafür, dass sich Bauarbeiten am Gebäude aus Naturschutzgründen lange verzögern. © SZ/Uwe Soeder

Neukirch/Lausitz. Acht Monate hängen die Arbeiten zur Sanierung der Neukircher Oberschule hinterher. Doch liegt das nicht etwa an fehlerhafter Planung oder säumigen Baufirmen, sondern an einem von der Unteren Naturschutzbehörde ausgesprochenen Bauverbot. Das gilt so lange, wie Vögel an der Vorderseite des Schulgebäudes gesichtet werden.

Der Baubeginn sei erst zulässig, wenn Brut und Aufzucht beendet sind, sagt Mandy Noack von der Pressestelle des Bautzener Landratsamtes. Das betrifft etwa ein Dutzend Vögel. "Im Rahmen der letzten artenschutzfachlichen Fassadenkontrolle durch das beauftragte Fachbüro Mitte August 2021 wurden an der Nordfassade noch vier aktive Fortpflanzungsstätten mit Brutgeschehen des Mauerseglers sowie eine Ruhestätte mehrerer Haussperlinge festgestellt", sagt sie.

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Dass das der Grund dafür ist, dass die Bauarbeiten still stehen, findet Bürgermeister Jens Zeiler (CDU) vollkommen unangemessen. "Wir wären, wenn das Ganze nicht gewesen wäre, schon längst fertig", sagt er und fordert: "Man sollte hier maßvoll vorgehen, aber das ist es meiner Meinung nach hier nicht mehr".

Bürgermeister: Vögel haben Rückzugsorte in der Nähe

Denn man habe bereits im Februar, lange vor der Brutzeit des Mauerseglers, Maßnahmen angeboten, um die Tiere umzusiedeln. "Diese Vorschläge wurden vom Landratsamt komplett ignoriert", sagt Zeiler. Er ist der Meinung, man hätte das Gerüst einfach mit einer Plane abhängen können, und die Vögel hätten sich andere Brutstätten gesucht.

Doch das Gerüst durfte an der Nordfassade nicht erst aufgestellt werden. "Bereits ein Gerüst wirkt artabhängig als unüberwindbare Barriere und kann so zur Verletzung und Tötung von an- und abfliegenden Tieren oder der Aufgabe von Brut und Jungtieren im Nest führen", sagt Noack.

"Wir haben genügend Rückzugsmöglichkeiten in der Nähe der Schule", entgegnet Zeiler und will dabei etwas betonen: "Wir wollen die Vögel natürlich nicht umbringen, das haben wir auf keinen Fall vor." Doch bleibt ihm nun nichts anderes als zu warten, bis die Tiere mit ihrem Nachwuchs aus den Spalten unter den Fensterbänken ausfliegen.

Die Fassade an der Rückseite der Oberschule in Neukirch ist bereits fertig saniert. An der Vorderseite können die Arbeiten erst beginnen, wenn Mauersegler nicht mehr brüten.
Die Fassade an der Rückseite der Oberschule in Neukirch ist bereits fertig saniert. An der Vorderseite können die Arbeiten erst beginnen, wenn Mauersegler nicht mehr brüten. © SZ/Uwe Soeder

"Entsprechend aktuellem Sachstand sind weitere Gebäudekontrollen durch das von der Gemeinde beauftragte Fachbüro durchzuführen", betont Mandy Noack. Und das kommt der Gemeinde Neukirch teuer zu stehen. 74 Euro pro Stunde plus Kosten für die An- und Abreise sind für einen Vogelbeobachter zu zahlen. Und der war nicht erst einmal da. "Letztendlich wird ein ganz großer Teil aus Steuermitteln finanziert", sagt Zeiler.

Außerdem sitzt der Gemeinde mittlerweile die Sächsische Aufbaubank im Nacken, die Fördergelder für den Umbau der Schule bewilligt hat. "Die sagen, dass wir abrechnen müssen. Können wir aber nicht", so der Bürgermeister.

Jetzt droht Baulärm während des Unterrichts

Unverständnis für den unverhofften Stillstand zeigt auch der Schulleiter der Oberschule, ein studierter Biologielehrer. "Es geht sicherlich um schützenswerte Vögel, aber das Verhältnis passt überhaupt nicht", sagt Michael Hubrich und bedauert, dass die Möglichkeiten einer Umsiedlung im Winter nicht genutzt wurden.

Er selbst habe bereits lange vor Baubeginn aus Interesse die Vögel beobachtet, besonders gut sei das aus dem Lehrerzimmer gegangen. "Es ist tatsächlich so, dass man fast immer Vögel sehen kann. Ich behaupte aber, dass es zu Hochzeiten nicht mehr als 16 oder 20 Vögel sind", sagt er.

Dass aufgrund der Verzögerungen durch den Baustopp Arbeiten verschoben werden mussten und es jetzt während des Unterrichts zu Lärmbelästigung kommen wird, ärgert ihn. "Wir haben durch Corona gelernt, dass wir von Woche zu Woche denken müssen, aber es ist dahingehend schade", sagt Hubrich. Denn mit ein wenig mehr Wohlwollen hätte man solche Arbeiten dann erledigen können, wenn das Gebäude ohnehin fast völlig leersteht.

So war es von der Gemeinde auch gedacht. "Der ursprüngliche Plan war es, im März das Gerüst zu stellen, sodass im späten Frühling die Fassade hätte saniert werden können", sagt Zeiler. Und in den Sommerferien hätten die letzten lauten Arbeiten abgeschlossen werden können.

50 Nistkästen müssen angebracht werden

Sollte es in einigen Tagen, Wochen oder Monaten an der Nordfassade losgehen können, wartet dort die Fortführung einer weitere Maßnahme für den Naturschutz, die Zeiler und Hubrich unverhältnismäßig finden.

Denn für die Vögel müssen an der neuen Gebäudefassade insgesamt rund 50 Nistkästen angebracht werden, damit sie weiterhin Brutstätten zur Verfügung haben. "Das ist eine ganze Menge, steht in keinem Verhältnis und kostet auch eine Menge Geld", sagt der Bürgermeister.

Außerdem muss man durch die Wartezeiten zusätzlich darauf hoffen, dass - wenn es losgehen darf - auch Bauarbeiter vor Ort sein werden. "Dieser Bauverzug hat natürlich auch auf die bauausführenden Firmen einen ganz großen Einfluss", sagt Zeiler. Denn diese könnten nicht warten und hätten an anderen Stelle ebenfalls Aufträge zu erledigen.

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Deshalb bedankt er sich für die Unterstützung, die einige Unternehmen bereits zugesichert haben. "Für die Firmen ist das ein richtiger Spagat", betont Zeiler. Doch eines sei klar: "Die Oberschule wird schön, aber mit deutlicher Verzögerung und einer Menge Mehrkosten." Wie viel mehr Geld es am Ende insgesamt sein wird, sei allerdings noch nicht klar.

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