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Luxusuhren aus Weifa

In dem kleinen Ort im Bautzener Oberland produzieren Stefan und Ev Kudoke teure Uhren. Wieviel sie kosten und was sie so besonders macht.

Von Timotheus Eimert
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Die „Kudoke 2“ kostet je nach Sonderwünschen zwischen 10.670 und 20.299 Euro. Mit diesem Modell haben Stefan und Ev Kudoke den Petite-Aiguille-Preis gewonnen. Das ist so etwas wie der Oscar der Uhrenbranche.
Die „Kudoke 2“ kostet je nach Sonderwünschen zwischen 10.670 und 20.299 Euro. Mit diesem Modell haben Stefan und Ev Kudoke den Petite-Aiguille-Preis gewonnen. Das ist so etwas wie der Oscar der Uhrenbranche. © Steffen Unger

Steinigtwolmsdorf. Es ist ein schlichtes, unscheinbares Einfamilienhaus im Steinigtwolmsdorfer Ortsteil Weifa, in dem eine Firma mit weltweitem Renommee ihre Heimat gefunden hat. Stefan und Ev Kudoke produzieren hier mit zwei Mitarbeitern in einer kleinen Werkstatt im Erdgeschoss Luxusuhren, die zwischen 3.800 und 20.300 Euro kosten.

Im Vergleich zu anderen Luxusmarken wie Breitling, Omega oder Rolex setzt Kudoke dabei auf Handarbeit und Individualität. „Jede Uhr ist handgefertigt. Dabei können wir auch auf Sonderwünsche eingehen, bei den großen Uhrenmarken werden Sie dafür nur belächelt“, erklärt Stefan Kudoke, der als Uhrmachermeister für die Produktion zuständig ist.

Mit diesem Konzept hat das Ehepaar Erfolg: 2019 gewinnt es den Grand Prix d’Horlogerie de Genève. In der Uhrenbranche sei das so etwas wie der Oscar in der Filmindustrie. „Das hat uns schon überrascht, dass wir uns gegen große Marken durchsetzen konnten“, sagt Ehefrau Ev, die sich unter anderem um die Vermarktung und Öffentlichkeitsarbeit kümmert.

Im Erdgeschoss eines kleinen Einfamilienhauses in Weifa entwickeln und produzieren Ev und Stefan Kudoke Luxusuhren für Kunden in der ganzen Welt.
Im Erdgeschoss eines kleinen Einfamilienhauses in Weifa entwickeln und produzieren Ev und Stefan Kudoke Luxusuhren für Kunden in der ganzen Welt. © Steffen Unger

Spätestens seitdem ist der Name Kudoke in der Uhrenwelt bekannt. „Wir bekommen Anfragen aus der ganzen Welt. Vor allem in den USA, Japan, Hongkong, Singapur, Australien und dem Mittleren Osten werden unsere Uhren gekauft“, erläutert Stefan Kudoke.

Doch wie kommt die Produktion solch exklusiver Uhren ausgerechnet in einen Ort mit rund 700 Einwohnern? „Die Frage ist einfach zu beantworten“, sagt Ev Kudoke. „Ich bin hier aufgewachsen, meine Eltern wohnen hier. Und nachdem unsere Kinder geboren waren, haben wir geschaut, wie wir Arbeit und Familie miteinander verbinden können.“

Uhren schon aus der Studentenbude verkauft

Dass Stefan Kudoke überhaupt Uhrmacher geworden ist, verdankt er einem glücklichen Zufall. „Ich bin auf meinem Schulweg jeden Tag an einem Uhrengeschäft vorbeigelaufen. Irgendwann kam mir dann der Gedanke, Uhrmacher zu werden.“

Aufgewachsen ist Kudoke in Frankfurt/Oder, mit 16 Jahren beginnt er seine Ausbildung zum Uhrmacher. Zur Berufsschule muss er regelmäßig nach Glashütte reisen. Bereut hat er seine Entscheidung nie. „Das Uhrmacherhandwerk ist zur Leidenschaft geworden. Es fühlt sich seit Jahren nicht nach Arbeit an. Ich sitze manchmal bis 23 Uhr in der Werkstatt und merke dann, dass ich an dem Tag noch nicht einmal draußen war.“

Beim Modell „ Kudoktopus“ räkeln sich zum Beispiel die Tentakel meisterlich um Räderwerk und Assortiment. Diese Uhr kostet 8.640 Euro.
Beim Modell „ Kudoktopus“ räkeln sich zum Beispiel die Tentakel meisterlich um Räderwerk und Assortiment. Diese Uhr kostet 8.640 Euro. © Steffen Unger

Mit 19 schließt Stefan Kudoke die Ausbildung als Brandenburger Landessieger und 3. Bundessieger ab, macht dann seinen Zivildienst, ehe er mit 21 Jahren anfängt, für die renommierte Glashütter Uhrenmanufaktur Glashütte Original zu arbeiten. Wenig später besucht er in Hildesheim die Meisterschule. „Ich war danach wahrscheinlich der jüngste Uhrmachermeister in Deutschland.“

Anschließend sammelt er Erfahrungen im Ausland, geht für drei Monate in die USA, arbeitet für Uhrenmarken wie Breguet, Blancpain und Omega. „Ich habe aber gemerkt, dass das nichts für mich ist. Als Angestellter muss man sich oft unterordnen, darf nicht mitentscheiden“, sagt er.

Graveur für kunstvoll verzierte Uhren gesucht

Sein Weg führt ihn wieder zurück nach Deutschland. Kudoke fängt in Senftenberg ein Studium der Betriebswirtschaftslehre an. Dort lernt er seine jetzige Frau Ev kennen. Noch im Studentenwohnheim beginnen beide, Uhren zu entwickeln und zu verkaufen. „Wir haben eine sehr überschaubare Stückzahl produziert und dann über Foren im Internet angeboten“, sagt der Uhrmacher.

Nach dem Studium widmet sich Kudoke 2008 vollständig dem jungen Unternehmen. „Am Anfang lief das Geschäft sehr zäh, wir hatten oft schlaflose Nächte“, gesteht Stefan Kudoke. Doch mittlerweile habe sich das Unternehmen einen weltweiten Ruf erarbeitet. Anders als viele seiner Kollegen nimmt Kudoke keine Reparaturen an, sondern konzentriert sich ausschießlich auf die Herstellung seiner Armbanduhren. Dabei besteht das Sortiment nur aus zwei Kollektionen: der Handwerk- sowie der Kunstwerk-Reihe. Bei der Handwerks-Kollektion steht das uhrmacherische Können im Vordergrund, beim Kunstwerk liegt der Fokus auf aufwendigen Gravuren und Skelettierungen der mechanischen Uhrwerke.

Besonders für diese kunstvoll verzierten Uhren suchen Kudokes derzeit noch nach einem Graveur, aber das sei nicht so einfach. „Denn leider werden die nicht speziell ausgebildet. Die Ausbildung zum Uhrmacher beruht vor allem auf technischen Grundlagen“, erklärt Stefan Kudoke. „Wir suchen also jemanden, der bereit ist, mehr als nur einen Arbeitsschritt zu machen und kreativ zu sein. Das kann auch gern ein Autodidakt sein, der keine formelle Ausbildung als Graveur absolviert hat“, erklärt der 43-Jährige.

Verstärkung werde gebraucht, um die Vielzahl an Aufträgen zu erledigen. Die Wartezeit auf eine Uhr aus Weifa betrage derzeit ein Jahr. „Wenn wir eine passende Verstärkung für unser familiäres Team finden, dann hat mein Mann auch wieder mehr Zeit, neue Uhrenmodelle zu entwickeln“, hofft Ev Kudoke. Weitere Luxusuhren aus dem kleinen, unscheinbaren Einfamilienhaus in Weifa.