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Wolfsangriff in Großdrebnitz

Ein Schafhalter hat fünf Tiere eingebüßt. Fachleute bestätigen, dass der Wolf dafür verantwortlich ist. Doch Entschädigung bekommt der Mann nicht.

In Großdrebnitz wurden jetzt fünf Schafe vom Wolf angegriffen.
In Großdrebnitz wurden jetzt fünf Schafe vom Wolf angegriffen. © Symbolfoto: dpa

Großdrebnitz. Es war ein trauriger Anblick, der Manfred Michel empfing, als er an jenem Morgen zu seinen Schafen kam. Drei lagen tot auf der Weide; zwei standen völlig verstört da und waren so verletzt, dass der Großdebnitzer sie notschlachten musste. Sofort vermutete er: Das war der Wolf.

Seit gut einem Jahr hatte Manfred Michel die Tiere der Rasse Barbados. Sie standen auf einer Wiese im Bischofswerdaer Ortsteil Großdrebnitz. "Mitten im Dorf; ringsum sind Häuser", sagt der Senior und fügt an: "Deshalb war der Zaun auch nicht so hoch, wie es zum Schutz vor Wölfen empfohlen wird. Ich hätte ja nie damit gerechnet, dass sich einer hierher traut."

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Eventuell war eine Mutter mit ihren Jungen auf Jagd

Ein Rissbegutachter der Fachstelle Wolf, die dem sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie zugeordnet ist, fuhr noch am selben Vormittag nach Großdrebnitz. "Alle vorgefundenen Merkmale, wie der für einen Wolf typische Kehlbiss, lassen darauf schließen, dass der Wolf als Verursacher hinreichend sicher ist", nennt Pressesprecherin Karin Bernhardt dessen Erkenntnisse.   

Gegenüber dem Tierhalter habe der Fachmann die Meinung geäußert, dass es wohl mindestens zwei oder drei Wölfe waren, berichtet der Großdrebnitzer. "Einer der Wölfe hat die Schafe ins Hinterteil gebissen und so festgehalten; ein anderer hat dann den Kehlbiss ausgeführt. Eventuell war es eine Mutter mit ihren Jungen", sagt Manfred Michel. Gefressen hätten der oder die Angreifer aber kaum etwas. "Unser Hund hat angeschlagen; das hat die Wölfe vielleicht verscheucht", erzählt der Schafhalter, der in jener Nacht nichts auf das Gebell gab. 

Diese beiden Schafe und ein weiteres fand der Großdrebnitzer Tierhalten am Morgen tot auf seinem Grundstück. Außerdem waren zwei so verletzt, dass er sie notschlachten musste.
Diese beiden Schafe und ein weiteres fand der Großdrebnitzer Tierhalten am Morgen tot auf seinem Grundstück. Außerdem waren zwei so verletzt, dass er sie notschlachten musste. © privat/Jens Michel

Auf eine Entschädigung für die Tiere, die er durch den Wolfsgangriff verloren hat, kann Michel nicht hoffen. Denn "der geforderte Mindestschutz war nicht erfüllt",  erklärt Karin Bernhardt. Der Großdrebnitzer sieht das ein und wird "den Zaun erhöhen und mehr Strom drauf geben", wie er sagt. Denn er will sich auf jeden Fall neue Schafe anschaffen. "Ich bin Rentner, ich will was zu tun haben. Die Tiere sind ein guter Ausgleich, und sie  dienen auch als ,Rasenmäher' auf unserem Grundstück", erklärt Manfred Michel. 

Bisher 81 Wolfsangriffe auf Nutztiere in diesem Jahr

Doch der Vorfall, der sich in der Nacht zum vergangenen Freitag ereignete, hat ihn nachdenklich gestimmt. "Wo soll das mit den Wölfen noch hinführen?", fragt er sich.  

Der Wolfsschaden auf seinem Grundstück ist in der aktuellen Statistik der Fachstelle Wolf noch nicht enthalten; sie endet genau an jenem Tag. Demnach gab es in diesem Jahr in Sachsen bis zu diesem Datum 81 Schadensfälle an Nutztieren, bei denen der Wolf "hinreichende sicher" als Verursacher festgestellt wurde. Dabei wurden 206 Tiere getötet und 27 verletzt. 21 gelten als vermisst. Zum Beispiel rissen Wölfe am 19. Oktober drei Schafe in Burkau und am 21. Oktober ein Schaf in Königswartha.  

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