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Blinder Passagier in Görlitzer Bioladen

Ein Görlitzer entdeckt eine handtellergroße Spinne in einer Bananenkiste. Ist der blinde Passagier aus Ecuador gefährlich?

© T. Lübcke

Einen unerwarteten Gast brachte die jüngste Lieferung Bananen nach Görlitz in den Naturkost-Arche-Bioladen von Ralph Marscholek in der Bautzener Straße: In die Lieferung aus Ecuador hatte sich eine handtellergroße Spinne verirrt. Dem häufigen Reflex, den Achtbeiner zu erschlagen, widerstand man im Bioladen, stattdessen wurde das Tier in einem Einmachglas gefangen und anschließend dem Biologen Thomas Lübcke, Leiter des Lebendtierbereichs im Senckenberg-Museum für Naturkunde Görlitz überreicht.

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„Solche Ereignisse sind in meinem Beruf das Salz in der Suppe“, so der Experte zu dem unerwarteten Fund. Denn das gefangene Tier ist eine sogenannte Riesenkrabbenspinne, die hauptsächlich in den Tropen zu finden und in Mitteleuropa nur durch die Grasgrüne Huschspinne vertreten ist. Wie das Senckenberg-Museum mitteilt, verdankt die Spinne ihren Namen der abgewinkelten Stellung ihrer Beine und der Gewohnheit, seitwärts zu laufen. Einige Arten dieser Familie haben mit die größte Beinspannweite unter den Spinnen.

Im Gegensatz zur harmlosen Riesenkrabbenspinne, die ab sofort im Vivarium des Museums am Marienplatz zu sehen ist, können sich aber durchaus auch tödliche Gefahren in Lieferungen aus Übersee befinden. So etwa die Kammspinne, eine der giftigsten Arten, die auch für den Menschen gefährlich werden kann. Auch Vogelspinnen haben es bereits auf dem Frachtweg in deutsche Supermärkte geschafft. „Dass eine Spinne vor Ort die Behandlung der Früchte mit Pestiziden übersteht, den Transport im Kühlraum und die Lagerung, ist schon recht unwahrscheinlich. Aber in seltenen Fällen überlebt doch mal ein Tier“, erklärt Lübcke.

In seiner Dienstzeit wurden dem Experten schon so manche Tiere gebracht, die eine unfreiwillige Reise angetreten hatten: Skorpione im Urlaubskoffer aus Kroatien, sogar ein Rotkehlanolis aus den USA. Die Echse hatte sich in einem Pinienzapfen versteckt, den eine Urlauberin als Souvenir eingesammelt hatte. (SZ)