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Blumen frisch aus Holland

Kleine Gärtnereien wagen mit ihrer individuellen Note den Wettbewerb mit den großen Märkten.

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© Klaus-Dieter Brühl

Von Catharina Karlshaus

Schönfeld/Lampertswalde. Anke Hübner hat noch Hoffnung. Darauf, dass das Wetter bald ein Einsehen hat und sich vor allem kooperativer zeigt, als im Frühling vor drei Jahren. Traubenhyazinthen, Hornveilchen und Narzissen bogen sich Mitte März 2013 unter der schweren Last des Schnees. „Das war wirklich schlimm für uns. Denn all die selbst herangezogenen Pflanzen konnten nicht ins Freie gebracht werden“, erinnert sich Anke Hübner. Die 35-Jährige, die von ihrem Vater den gärtnerischen Betrieb nebst Geschäft in Schönfeld übernahm, hat auch jetzt schon wieder kritisch den Kalender im Blick. Im Gewächshaus warten Tausendschönchen, Stiefmütterchen und Primeln darauf, dass sie verkauft werden. Kisten mit Zöglingen für den Sommer stehen schon bereit und benötigen den Platz. In der nächsten Woche sollen zudem die Geranien in die Erde gebracht werden. „Das ist für uns wirklich alles ein Rechenexempel. Wie auch die Landwirte sind wir mit unseren Produkten wetterabhängig. Und da wir das leider nicht beeinflussen können, bleibt nur abzuwarten“, weiß Hübner.

Zwei junge Frauen führen die elterlichen Gärtnereibetriebe weiter: Während in Schönfeld Anke Hübner auf eigenen Anbau setzt, will Jana Rennert-Vetter in Lampertswalde mit neuen Kreationen punkten. Was beide verbindet: die Bestellung von Schnittblumen über
Zwei junge Frauen führen die elterlichen Gärtnereibetriebe weiter: Während in Schönfeld Anke Hübner auf eigenen Anbau setzt, will Jana Rennert-Vetter in Lampertswalde mit neuen Kreationen punkten. Was beide verbindet: die Bestellung von Schnittblumen über © Klaus-Dieter Brühl

Kunden fragen nach Einheimischem

Allerdings: Untätig ist die junge Gärtnerin mit ihrem dreiköpfigen Team keineswegs. Dürfe sie auch nicht sein, denn schließlich gebe es ja genug Konkurrenz. Große Discounter, die zurzeit Primeln oder Tulpen zu Dumpingpreisen an die Kunden bringen. Für die Schönfelderin jedoch nach eigenem Bekunden kein Grund, irgendetwas an ihrer Geschäftsstrategie zu ändern. „Wir spüren ganz deutlich, dass unsere Kunden wieder gezielt nach einheimischen Produkten fragen. Sie kaufen gern unseren angebauten Salat und bestellen auch rechtzeitig selbst gezogene Geranien für den Sommer.“ Auch wenn die eigene Hände Arbeit eigentlich nicht zu bezahlen sei – Anke Hübner setzt nach wie vor darauf und will so wenig wie möglich zukaufen. Einzige Ausnahme: ausgewählte Schnittblumen wie Gerberas, Rosen oder Nelken. Mittlerweile kaufe sie diese nämlich nicht mehr vom Großmarkt, sondern ordere sie im Internet bequem aus Holland. Dass die Preise angesichts des bevorstehenden Frauentages dabei in die Höhe schnellen, sei auf diese Weise natürlich auch noch deutlicher zu bemerken als beim Erwerb der Blumen in hiesigen Großmärkten. „Über den Anbieter greifen ja Händler in verschiedenen Ländern zu. Da beispielsweise in Russland der Frauentag intensiv begangen wird und dort viele Blumen geordert werden, sind sie zurzeit extrem teuer“, erklärt Hübler. Darüber hinaus müssten sich aber auch die Kunden vor Ort umstellen. Von heute auf morgen seien umfangreiche Bestellungen nicht mehr möglich. Ein Nachteil der modernen Technik.

Möglichkeiten der Akquise, die Jana Rennert-Vetter wiederum sehr zu schätzen gelernt hat. Nach dem Tod ihres Vaters und der Pflegebedürftigkeit der Mutter entschied sich die 39-Jährige ebenfalls dafür, die Gärtnerei der Familie fortzuführen. Gegründet von den Urgroßeltern im Jahre 1911 hatte das Areal alles geboten, was zum Anbau von Gemüse und Blumen notwendig gewesen ist. Genutzt werden die Gewächshäuser jedoch nur noch teilweise. Zu aufwendig sei die Aufzucht, zu viel Kosten verursachte die Pflege. Lediglich Petunien und Geranien würden sich noch rechnen. „Die Aufzucht von Frühlingsware ist wie russisches Roulette. Sie ist so schwierig und deshalb haben wir das gelassen.“

Bestellungen aus Dresden

Die zweifache Mutter und ihre vier fest angestellten Mitarbeiter setzen lieber auf neue Trends. Das Geschäft, welches mit dem Slogan „Blumen für die Seele“ wirbt, ist voll von farbintensiven Accessoires, Dekorationsartikeln und natürlich Blumen. Diese bezieht Jana Rennert-Vetter eben wie ihre Schönfelder Kollegin aus Holland. „Der Trend in diesem Jahr geht zu knalligen frischen Farben. Und die Holländer haben ein gutes Gespür dafür, entsprechende Blumenkreationen anzubieten“, so die aufgeschlossene Geschäftsfrau. Mindestens zehnmal im Jahr besuche sie internationale Floristik-Fachmessen, darunter auch einige in Italien und Holland.

Neue Wege, die ihre Kunden gern mitgehen würden. Selbst aus Dresden und Umgebung würden mittlerweile Bestellungen eingehen. Auch über das Internet. „Wir bieten unter anderem aufwendige Trauerfloristik mit computergefertigten Schleifen an. Nur durch diese Individualität und Qualität können wir auf dem hart umkämpften Markt bestehen.“ Offenbar mit Erfolg.