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Bombardier im Wandel

Mit einer Millioneninvestition stärkt der Konzern den Standort in Bautzen. Doch dafür muss sich das Werk völlig neu aufstellen.

© Uwe Soeder

Von Marleen Hollenbach

Bautzen. Egal, in welche Richtung Standortleiter Olaf Schmiedel schaut, er sieht eine Baustelle. Überall auf dem Werksgelände von Bombardier in Bautzen stehen Kräne und Bagger. Kurz spricht der Chef über die Belastung für die Mitarbeiter, die die lange Bauzeit jetzt mit sich bringt. Doch dann wechselt er schnell das Thema. Olaf Schmiedel will nicht klagen. Schließlich stehen die Baustellen für die Zukunft. Sie sind ein Zeichen dafür, dass der Konzern an den Standort in Bautzen glaubt, ihn sogar noch ausbauen will.

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In Zahlen ausgedrückt, klingt das so: Eine Investition von 20 Millionen Euro hatte der Zughersteller bereits im Sommer für den Standort angekündigt. Zählt Olaf Schmiedel alles zusammen, kommt er inzwischen sogar auf 30 Millionen. Gerade entsteht auf dem Gelände eine Produktionshalle für acht Millionen Euro. Etwa 15 Millionen Euro sind nötig, um ein neues Testcenter für die Bahnen zu bauen. Vier Millionen lässt es sich der Konzern kosten, dass die Züge bald in einer Fließbandfertigung produziert werden können. Die restlichen drei Millionen sind für kleinere Investitionen eingeplant. Dazu gehören zum Beispiel neue Softwareanwendungen.

Kompetenzzentrum entsteht

Für was das Geld verwendet wird, kann Olaf Schmiedel schnell erklären. Bislang, so meint er, konnte das Werk in Bautzen alles allein. Von der Teilefertigung über den Rohbau der Bahn bis zur Endabnahme – jeder Arbeitsschritt fand an der Fabrikstraße statt. Das soll sich ändern. Um das Werk fit für die Zukunft zu machen, wird in den nächsten Monaten und Jahren eine Spezialisierung erfolgen. Von einem weltweiten Kompetenzzentrum für die Serienfertigung von Regional- und Fernverkehrszügen sowie S- und U-Bahnen ist die Rede. Übersetzt heißt das, die Wagenkästen kommen fertig am Standort in Bautzen an. Die Mitarbeiter kümmern sich dann noch um den Innenausbau, die Inbetriebnahme und die Übergabe der Bahnen an den Kunden.

Das bedeutet aber auch, dass Bautzen den Bereich Rohbau abgeben muss. Das wiederum hat Auswirkungen auf die Mitarbeiter. Etwa ein Drittel der 1 000 Angestellten in Bautzen, so schätzt Betriebsratschef Gerd Kaczmarek, arbeiten momentan in diesem Bereich. Für sie gilt es Lösungen zu finden. Kaczmarek erzählt, dass es bereits Verhandlungen gibt. Sein Ziel ist es, dass die Mitarbeiter eine Umschulung erhalten und so in Bautzen bleiben können. Einen Personalaustausch mit dem Bombardier-Standort in Görlitz sieht er hingegen kritisch. Schon allein deshalb, weil immer noch unsicher ist, wie es genau mit dem Görlitzer Werk weitergeht.

Sorgen bereitet dem Betriebsratschef auch das Engineering. Kaczmarek befürchtet, dass es diesen Bereich nach der Umstrukturierung in Bautzen nicht mehr gibt, der Standort hoch qualifizierte Mitarbeiter verliert. Doch er betont auch: „Insgesamt ist die Investition für uns eine positive Sache.“ Für den Standortleiter ist die Veränderung nur eine von vielen. Das Bautzener Werk war im Laufe der Geschichte ständig im Wandel. Das dürfe man nicht vergessen, meint Olaf Schmiedel und deutet auf einen Zeitstrahl, der im Foyer des Verwaltungsgebäudes hängt. Auf Luftbildern ist zu sehen, wie sich das Werksgelände verändert hat.

Enger Zeitplan

Lange in der Vergangenheit schwelgen, will er aber nicht. Lieber informiert sich der Chef über das Baugeschehen. Schnell wirft er einen Blick in die neue, etwa 8 500 Quadratmeter große Halle. Zufrieden nickend schaut er sich um. Schief gehen darf hier nichts mehr. Der Zeitplan ist eng. Schon Mitte April sollen die ersten Wagenkästen in Bautzen ankommen. Dann muss zumindest ein Teil der neuen Halle produktionsbereit sein. Der Chef erklärt, wie der Ausbau bisher funktionierte. Angewendet wurde die sogenannte Standfertigung. Das heißt, der Waggonkasten bleibt so lange an einer Stelle stehen, bis das Interieur fertig ist. Anders ist das bei der Fließbandfertigung. Baukastenartig wird an jeder Station ein bestimmter Teil der Arbeit ausgeführt. Dann rückt das Fahrzeug weiter.

Von der neuen Halle sind es nur ein paar Gehminuten bis zum Testcenter. Zu erkennen ist das noch nicht. „Wir sind schon aus dem Dreck raus. Ab jetzt wird nach oben gebaut“, sagt Schmiedel. Bis November soll an dieser Stelle eine langgestreckte Halle stehen, in der die Bahnen geprüft und in Betrieb genommen werden. Öffnen sich die Türen in der vorgegebenen Zeit? Ist die Bahn auch wasserdicht? All diese Fragen werden geklärt, bevor das Fahrzeug an den Kunden übergeben wird. Sogar das Anfahren und Abbremsen wird geprobt. Dabei ermöglicht es die neue Teststrecke, dass die Bahnen bis auf Tempo 20 beschleunigen können.

Der Standortleiter läuft einen kleinen Umweg und kommt am hinteren Werkseingang vorbei. Dieser Weg wird momentan nur vom Personal benutzt. Doch das soll sich mit der Spezialisierung des Werkes ändern. So wird bald die Anlieferung der Materialien für den Innenausbau über die sich dort befindliche Brücke erfolgen. Doch damit die schweren Lastwagen die Brücke vor dem Eingang passieren können, muss die alte Überquerung durch eine neue ersetzt werden. Die Stadt Bautzen hat bereits in Aussicht gestellt, dieses Vorhaben in den nächsten Jahren umzusetzen.

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