Merken

Brandstifter beichtet Tat am Telefon

Handy-Ortung, abgehörte Gespräche und immer neue Befragungen: Ermittler schildern, was sie bei der Großdubrauer Brandserie entscheidend voran brachte.

Teilen
Folgen
NEU!

Von Christoph Scharf

Der Prozess um die Brandserie von Großdubrau gab gestern einen tiefen Einblick in die Gefühlswelt des Angeklagten: Ein Kripobeamter stellte Mitschnitte von abgehörten Telefongesprächen vor, die Marcel H. nach seiner Festnahme mit seiner Freundin geführt hatte. Darin gestand der 26-Jährige der ahnungslosen Partnerin zwei Taten – was diese in Tränen ausbrechen ließ. Völlig geknickt gab der damalige Mitarbeiter der Leitstelle Hoyerswerda zu, den Großbrand bei P &M und einen Laubenbrand am Merkaer Weg gelegt zu haben.

Auf die Frage nach dem „Warum?“ konnte der Feuerwehrmann seiner geschockten Freundin keine Antwort geben: „Ich kann’s nicht erklären. Ich hatte Stress.“ Auch habe er es nicht auf die Löscheinsätze angelegt – obwohl er stets engagiert beteiligt war. „Es gab Streit, es hat mich alles so geärgert.“

Bei den abgehörten Gesprächen hatte der Großdubrauer eine lange Vernehmung hinter sich, in der die Ermittler ihn mit ihren Ergebnissen konfrontiert hatten. Feuerwehrleute hatte die Polizei von Anfang an als Brandstifter in Betracht gezogen. Denn bei den Waldbränden, die sich ab 2006 im Raum Großdubrau häuften, fiel eines auf: Sie waren alle so gelegt, dass Feuerwehrleute gut dran fahren konnten – ohne erst lange Schläuche legen zu müssen. Darauf gerieten mehrere Kameraden ins Visier der Kripo. „Damals bin ich das erste Mal auf den Namen H. gestoßen“, sagte ein Oberkommissar vor Gericht. „Aber als ich den Beruf ‚Rettungsassistent‘ las, habe ich die Sache wieder weit von mir geschoben.“ Zunächst wurde ein anderer als Beschuldigter vernommen – was sich als falsche Spur heraus stellte. Zumal die Brandserie nicht abriss.

Eines fiel dabei allerdings auf: Anfangs häuften sich die Großdubrauer Brandstiftungen eher Richtung Sdier, ab Sommer 2010 allerdings links der Straße nach Crosta. Aus ihren Erfahrungen wussten die Ermittler, dass Brandstifter meist in einem Bereich 800 Meter um ihre Wohnung herum zündeln. Über das Einwohnermeldeamt klärte die Kripo darauf ab, welche Männer in dem Zeitraum vom einen Teil Großdubraus in den anderen umgezogen war. Drei Namen kamen raus – der von H. war darunter. Als nächstes prüften die Ermittler die Dienstpläne des Verdächtigen ab, der zu der Zeit in der Leitstelle Einsätze von Rettungsfahrzeugen koordinierte. Dabei kam raus: Brannte es nachts in Großdubrau, hatte Marcel H. Tagschicht, brannte es tagsüber, hatte er Nachtschicht – oder dienstfrei. „So füllte sich das Puzzle“, sagte der Beamte.

Merkwürdig war zudem, dass nur Feuer gelegt wurde, wenn die Freundin von H. unterwegs war, er also allein zu Hause blieb. Und zwar nicht nur bei den fünf angeklagten Bränden, sondern bei deutlich mehr. In der Vernehmung hatte er allerdings gerade zwei Fälle gestanden, bevor er mit seinem Anwalt telefonierte – der ihm riet, ab sofort gar nichts mehr zu sagen. Deswegen müssen nun noch Zeugen aussagen. Außerdem soll eine Psychologin die Schuldfähigkeit des Angeklagten beurteilen. Das Urteil könnte in zwei Wochen fallen.