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Britische Streitkräfte ziehen schneller aus Deutschland ab

Mehr als 70 Jahre lang waren britische Truppen in Deutschland stationiert. Bis Ende 2019 sollen nun alle Soldaten abgezogen sein. Das sei auch eine Logik aus dem Ende des Kalten Krieges, sagt der Verteidigungsminister. Doch es gibt auch andere Gründe.

London. Die britischen Streitkräfte ziehen schneller aus Deutschland ab als geplant. 11 000 derzeit in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen stationierte Soldaten sollten bereits Ende 2015 wieder in der Heimat sein, teilte das Verteidigungsministerium am Dienstag in London mit. Das sind 70 Prozent des verbliebenen Kontingents von insgesamt noch knapp 16 000 Soldaten. Der Rest soll bis Ende 2019 auf die Insel zurückkehren.

In den 1980er Jahren waren bis zu 60 000 britische Soldaten in Kasernen auf deutschem Boden stationiert. Zuletzt war geplant gewesen, die Hälfte der verbliebenen Soldaten bis Ende 2015 zurückzuschicken; nun wird der Abzug weiter beschleunigt. Die restlichen 4500 Soldaten bleiben bis Ende 2019. Zusätzlich zu den knapp 16 000 Soldaten kehren auch 17 000 Familienangehörige und Zivilbedienstete zurück.

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«Das ist die logische Folge aus dem Ende des Kalten Krieges vor etwa 20 Jahren», sagte Verteidigungsminister Philip Hammond. Die deutschen Behörden seien über alle Schritte informiert, es gebe einen ständigen Austausch. Der Rückzug kostet seinen Angaben zufolge rund 1,8 Milliarden Pfund (2,1 Milliarden Euro), vor allem für den Neubau von Unterkünften in der Heimat. Insgesamt sollen 1900 Wohnungen für Familien und 7800 Unterkünfte für Single-Soldaten in Großbritannien neu entstehen. Pro Jahr will die Regierung rund 240 Millionen Pfund einsparen.

Hammond sieht die Ausgaben im krisengeplagten Großbritannien auch als Konjunkturpaket. «Das Investment im ganzen Land wird wichtige Jobs für die regionale Wirtschaft bringen und einen Schub für die Baubranche», sagte Hammond im britischen Unterhaus in London. Geld, das in Deutschland ausgegeben worden wäre, werde künftig in Großbritannien ausgegeben.

Darüber hinaus werde der Umzug für viele Soldaten und ihre Familien eine Verbesserung der Wohnverhältnisse und mehr Sicherheit für die Zukunftsplanung bedeuten. Auch die Kinder von Soldaten hätten mehr Kontinuität beim Schulbesuch.

Über die britische Beteiligung an einer Weiternutzung der Truppenübungsplätze Bergen-Hohne (Niedersachsen) und Sennelager ist noch nicht entschieden. «Wir überlegen, ein Angebot der deutschen Regierung anzunehmen, einen Truppenübungsplatz weiter zu nutzen, zum Beispiel gemeinsam mit der Bundeswehr», sagte Hammond. (dpa)