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Bücher-Palast mit Altstadt-Blick

© Visualisierung: Gmp-Architekten

2017 öffnet die Zentralbibliothek im Kulturpalast. Derzeit steht aber nicht nur der Umzug auf der Agenda.

Von Sarah Grundmann

Es ist die Mammut-Aufgabe der Städtischen Bibliotheken Dresden in diesem Jahr: der Umzug der Zentralbibliothek in den frisch sanierten Kulturpalast. Bislang hieß es nur, dass die Kisten im Frühjahr 2017 ausgepackt werden. Am Freitagvormittag zog Bibliotheken-Direktor Arend Flemming in einer Konferenz die Bilanz des Vorjahres und gab einen Ausblick auf 2016 – dabei konnte er auch Neues von der Baustelle verkünden.

Denn jetzt steht das genaue Datum der Eröffnung offiziell fest: Am 29. April kommenden Jahres werden die rund 6 000 Quadratmeter großen Räume in der ersten und zweiten Etage übergeben. „Damit liegen wir genau im Zeitplan“, sagt Flemming. Für Anfang Mai war die Eröffnung geplant. „Ein öffentliches Projekt, das pünktlich fertig wird, ist doch auch mal was Neues“, sagt der Direktor und schmunzelt. Neu und anders soll auch alles innerhalb des Kulturpalastes sein. So werden Haupt-, Musik-, Kinder- und Jugendbibliothek sowie die Medienetage erstmals an einem Ort vereint.

„Außerdem schaffen wir dort eine ganz andere Aufenthaltsqualität“, so Flemming. Den Besuchern werden am neuen Standort über 500 – statt bislang etwa 100 – Arbeitsplätze zur Verfügung stehen. Und die sind ganz unterschiedlich gestaltet: vom kleinen Glaskasten über Abteile, in denen in Gruppen gelesen werden kann, bis hin zu futuristischen, runden Liegemöbeln, ähnlich wie in der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek (Slub).

Doch die Gestaltung hat ihren Preis: 500 000 Euro kostet allein die Inneneinrichtung, insgesamt werden in den neuen Standort rund 1,7 Millionen Euro investiert. „Die Einrichtung kostet uns etwa 150 000 Euro mehr als geplant, ansonsten liegen wir aber im Finanzierungsplan“, so der Direktor. „Ich hoffe, dass der Stadtrat diese Mehrkosten in Kauf nimmt. Ansonsten müssen unsere Mitarbeiter wohl auf neue Büromöbel verzichten.“ Schließlich hat die „Bibliothek der Zukunft“, wie Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke) sie nennt, so ihren Preis. Was diese ausmacht? „Sie ist ein Ort der Begegnung, Bildung und Verständigung“, so Klepsch.

Gerade auf Letzteres haben sich die Städtischen Bibliotheken im vergangenen Jahr konzentriert. „Mich als gebürtigen Dresdner erfüllt es mit Schmerz, wenn ich sehe, was hier seit zwei Jahren montagabends passiert“, sagt Flemming. „Wir wollten zeigen, dass es auch anders geht – und Willkommenskultur zeigen.“ Dafür haben sich die Bibliotheken Verschiedenes ausgedacht: Ein Flyer mit den wichtigsten Regeln wurde in 20 Sprachen übersetzt. Außerdem gibt es eine Anmeldungsanleitung auf Deutsch, Englisch und Arabisch, sie ist zusätzlich mit Piktogrammen versehen. Zudem gab es verschiedene Veranstaltungen speziell für Flüchtlinge. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die Anmeldung für Flüchtlinge kostenlos ist. Das hat sich ausgezahlt: Über die Hälfte der Nutzer sind Flüchtlinge, sie sorgten für eine Zunahme der Anmeldungen.

Deswegen soll auch in diesem Jahr einiges für die Integration getan werden. Unter dem Namen „Kulturbrücke Bibliothek“ soll ein Netzwerk von ehrenamtlichen Neu-Dresdnern gegründet werden, die schon ein wenig Deutsch können. Diese sollen anderen Flüchtlingen in ihrer Muttersprache die wichtigsten Regeln erklären. Für das Projekt bekommen die Bibliotheken rund 45 000 Euro Förderung von einer Freiburger Stiftung. „Wir können das Geld ja nicht einfach von unseren anderen Projekten abzweigen – sonst gehen montags gleich wieder mehr Menschen auf die Straße“, sagt Flemming. Auch im Kinder- und Jugendbereich soll deshalb in diesem Jahr wieder viel gemacht werden. Für das Projekt „Lesestark“, bei dem fünf- bis achtjährige Kinder durch Lesepaten gefördert werden, gab es 2015 den dritten Platz beim Deutschen Lesepreis.

Generell war es für die Bibliotheken ein gutes Jahr: Die Zahl an Anmeldungen und Ausleihen nahm zu. Besonders beliebt war Jussi Adler Olsons Thriller „Verheißung“, unter den Filmen machte „Honig im Kopf„ von und mit Til Schweiger das Rennen und die Kinder lesen besonders gerne „Gregs Tagebuch“. Zehn Zweigstellen wurden auf das neue elektronische Ausleihsystem umgestellt, 2016 sollen die letzten folgen. Die Bibliothek in Gruna konnte zudem um den benachbarten Laden von 67 auf 376 Quadratmeter vergrößert werden. Unklar bleibt hingegen, was mit dem Standort in der Südvorstadt passiert. Weil die Räume zu klein sind, suchen Flemming und sein Team seit Langem nach einem neuen Standort rund ums Nürnberger Ei. Zuletzt sind sie auch fündig geworden. Doch der Vermieter sprang kurzfristig ab, die Suche geht weiter. „Vielleicht ist es erst 2017 so weit“, sagt der Direktor. Dann kann auch schon im Kulturpalast mit Blick auf die Altstadt geschmökert werden.