merken

Bunte Einblicke in die polnische Kultur

Das Geschäft „Folkstar“ in Zgorzelec bietet Volkskunst aus vielen Teilen des Landes. Aber nicht nur das.

© Nikolai Schmidt/nikolaischmidt.de

Von Katarzyna Wilk-Sosnowska und Katrin Schröder

Zgorzelec. Scherenschnittbilder und Trachtenpuppen statt Alkohol und Zigaretten: Auf der polnischen Seite der Altstadtbrücke hat ein neues Geschäft eröffnet, das Kunden die traditionelle Kultur Polens nahebringen soll. „Folkstar“ heißt das Geschäft in Zgorzelec, das nach einer Rundumsanierung in die früheren Räume des Restaurants in der Dreiradenmühle eingezogen ist.

Die gesunde Drittelstunde
Die gesunde Drittelstunde

Impfen lassen? Neue Therapien? Was zahlen Kassen? Fragen rund um das Thema Gesundheit: hier gibt es Antworten. Redakteur Jens Fritzsche im Gespräch mit Experten.

Im Inneren geht es bunt zu. Die Tapeten zeigen Motive polnischer Volkskunst, das Sortiment in den Regalen präsentiert sich ebenfalls in leuchtenden Farben. Geschirr, Dekoartikel, Kissen, Überwürfe und handgemachte Schokolade: Das traditionelle Kunsthandwerk, das Verkäuferinnen im „Folkstar“ in dunklen Kleidern und roten Perlenketten anbieten, stammt aus verschiedenen Teilen des östlichen Nachbarlandes. „Wir wollen zeigen, dass die polnische Kultur wunderschön ist“, erklärt Kamila Lech-Gajda, Chefin von „Folkstar“ und Tochter von Elzbieta Lech-Gotthardt, der Wirtin der Dreiradenmühle.

Nach jahrelangem Rechtsstreit hat die Zgorzelecerin die Rechte an dem Lokal direkt an der Altstadtbrücke zugesprochen bekommen, ihr Restaurant hat sie jedoch bereits nach nebenan verlegt. Ein Jahr lang suchten Mutter und Tochter nach Mietern für die leer stehenden Räume. „Es haben sich jedoch nur Interessenten gemeldet, die eine Wechselstube oder einen Laden für Zigaretten und Alkohol eröffnen wollten“, so Kamila Lech-Gajda. Das missfiel den beiden Frauen, die den Besuchern ein anderes Bild ihres Landes zeigen wollen. „Die Gäste sollen wissen, dass Polen mehr ist als billige Zigaretten und Wodka. Wir wollen gegen überkommene Stereotypen kämpfen“, sagt Elzbieta Lech-Gotthardt und meint ironisch: „Was hier noch fehlt, sind die Korbsessel und die Gartenzwerge.“

Die polnische Volkskunst, die stattdessen an der Neiße verkauft wird, ist mit unterschiedlichen Stilen und Regionen verbunden. Weltbekannt sind zum Beispiel die Lowiczer Scherenschnitte, die aus Lowicz, einer Kleinstadt rund 80 Kilometer westlich von Warschau, und ihrer ländlichen Umgebung stammen. Die farbenfrohen Bilder zeigen traditionelle Trachten und Szenen aus dem bäuerlichen Leben, ein typisches Motiv ist zum Beispiel der Hahn. „Das Besondere ist, dass die Scherenschnitte bis heute von Hand und nach hergebrachtem Vorbild mit Scheren, die eigentlich der Schafschur dienen, ausgeführt werden“, sagt Kamila Lech-Gajda. Scherenschnitte werden auch in Kaschubien hergestellt, in der Volkskunst der Region in Pommern, südwestlich von Danzig und Gdingen gelegen, dominieren jedoch filigrane Blumenornamente. Die Volksgruppe der Kurpie, beheimatet in einer dünn besiedelten Region im Nordosten Polens zwischen Warschau und den Masurischen Seen, fertigt auch Scherenschnitte im charakteristischen Stil, oft in Schwarz-Weiß gehalten.

Wie die Trachten der polnischen Regionen aussehen, zeigen die Puppen, die in der regionalen Puppenwerkstatt in Bochnia östlich von Krakau hergestellt werden. „Folkstar“ bietet zudem Bunzlauer Keramik sowie typische Erzeugnisse des Kunsthandwerks wie Schatullen, Ketten, Tücher und handgenähte Taschen. Die günstigsten Andenken wie Untersetzer mit Volkskunstmotiven kosten sechs Zloty (1,50 Euro), ein Lowiczer Scherenschnitt 90 Zloty (22,50 Euro). Für von Hand verzierte Kissen werden 170 Zloty (rund 41 Euro) fällig.

Geöffnet ist täglich von 10 bis 18 Uhr.