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Bunte Muster auf dem Neumarkt

Das ehemalige Gewandhaus wird mit Bäumen stilisiert. Der Boden erinnert an die Zeiten des Tuchhandels.

© René Meinig

Von Kay Haufe

Venezianische Spitze, Herringbone Tweed, Anatolischer Kelim und Lausitzer Leinen, all diese feinen Tuche wurden einst im Dresdner Gewandhaus gehandelt, das auf dem Neumarkt stand. Jetzt kehren die wunderschönen Muster zurück, allerdings in Stein. Arbeiter pflastern gerade vier sogenannte Tuchbahnen in der Nähe des Verkehrsmuseums. Zum Einsatz kommen neun mal neun Zentimeter große Steine aus Granit, Sandstein und Basalt, die laut Projektleiterin vom Straßen- und Tiefbauamt Kathrin Hoffmann aus Indien, Schweden und China stammen. Aus den roten, schwarzen, rosa, grauen und beigefarbenen Steinen werden die verschiedenen Muster zusammengefügt.

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Die neuen Pflasterflächen für das Grüne Gewandhaus sind Stoffmustern nachempfunden.
Die neuen Pflasterflächen für das Grüne Gewandhaus sind Stoffmustern nachempfunden. © René Meinig
Straßenbauamtsleiter Reinhard Koettnitz zeigt einen der Natursteine, die verlegt werden.
Straßenbauamtsleiter Reinhard Koettnitz zeigt einen der Natursteine, die verlegt werden. © René Meinig

Zwischendrin stören derzeit Flächen aus Betonsteinen das Bild. Sie sind allerdings nur zeitweise verlegt, damit die Muster Halt bekommen. Genau in diesen Bereichen werden im Oktober 28 große Platanen gepflanzt, deren Kronen bis zu elf Meter hoch sind. Mit den Bäumen werden die Umrisse des einstigen Gewandhauses stilisiert. Zudem spenden sie Schatten, geradezu ein Luxus auf dem steinernen Neumarkt. Unter den Platanen laden vier Bänke mit Lehnen und drei Hockerbänke künftig zum Verweilen ein. Auch ein Trinkbrunnen aus Naturstein, von dem das Wasser über eine Bronzeplatte mit Ablaufkante läuft, wird eingebaut. Er soll den Verlauf der ersten Stadtmauer nachzeichnen, die über die Fläche verlief. Alles zusammen bildet das Grüne Gewandhaus. Ursprünglich war an seiner Stelle noch bis 2010 ein Neubau geplant, dessen Entwurf jedoch heftig umstritten war.

„Der Wunsch nach schattenspendenden Bäumen und Sitzmöglichkeiten abseits der Restaurants auf dem Neumarkt kam aus der Dresdner Bürgerschaft im Rahmen der ersten Dresdner Debatte“, sagt Doris Oser, die Referentin von Baubürgermeister Raul Schmidt-Lamontain (Grüne). Doch es blieb nicht beim Wunsch, sondern die Bürger halfen auch finanziell, ihn umzusetzen. Alle Bäume und auch einige der Bänke wurden gespendet. Vor allem der Freundeskreis Dresden Trust aus Weybridge Surrey in England ist dabei zu nennen. Von ihm allein kamen 30 000 Euro.

Im November soll das Grüne Gewandhaus fertig sein. Da in dieser Jahreszeit die Bäume kaum noch Blätter tragen und der Platz so kaum seine volle Wirkung entfalten kann, hat die Stadt die offizielle Eröffnung auf den 12. April 2019 verlegt. An diesem Tag wird auch der Herzog von Kent nach Dresden kommen, der königliche Schirmherr des Dresden Trusts. Rund 1,1 Millionen Euro kostet die Neugestaltung der Neumarkt-Fläche.

Das alte Gewandhaus auf dem Neumarkt wurde 1593 gebaut. Im Erdgeschoss befanden sich die Fleischbänke sowie Verkaufsstände für Schuhmacher. Das Obergeschoss beherbergte Räume für den Tuchhandel und einen großen Saal, in dem auch festliche Veranstaltungen und Versammlungen stattfanden. 1791 wurde es abgerissen, weil es im Siebenjährigen Krieg stark zerstört worden war.