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Cannabis-Züchter muss warten

Die Ausschreibung für medizinisches Cannabis verzögert sich. Der alte Schlachthof soll trotzdem verkauft werden.

© Klaus-Dieter Brühl/Archiv

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Naunhof. „Dass 2019 das erste legale Cannabis in Deutschland geerntet werden kann, daran glaubt inzwischen niemand mehr.“ Dieses Fazit aus einem Bericht der „Zeit“ löst auch in Naunhof Fragen aus. In der Gemeinde Ebersbach ging man davon aus, dass vielleicht bald im ehemaligen Löblein-Schlachthof medizinisches Cannabis von der kanadischen Firma maricann produziert wird. Bislang haben etwa 20 000 Patienten Anspruch auf dieses apothekenpflichtige Medikament, das derzeit importiert und für 24 Euro pro Gramm vertrieben wird. Doch seit der Zulassung wächst die Zahl der Patienten schnell. Aktuell soll sie inzwischen bei 36 000 liegen.

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Allerdings sollte schon im April feststehen, wer die Ausschreibung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) für den deutschen Anbau und die Verarbeitung von Cannabis gewonnen hat. Auch maricann hatte sich um die Lizenz beworben und traf Vorbereitungen, um ab kommendem Jahr anzubauen. Nun hat jedoch das Oberlandesgericht Düsseldorf das Vergabeverfahren gestoppt. Laut „Zeit“ waren die Bewerbungsfristen zu kurz angesetzt worden . Nun muss die Ausschreibung neu starten. Die Entscheidung darüber, wer anbauen darf, dürfte erst in einigen Monaten fallen.

Wie viele Bewerber? Keine Auskunft

Maricann misst sich in dem Verfahren mit Investoren aus aller Welt, die auf dem deutschen Markt versuchen, Fuß zu fassen. Wie viele es genau sind, ist öffentlich nicht bekannt. Neben weiteren kanadischen Firmen, wo die medizinische Produktion erlaubt ist, ist auch ein Däne mit dabei: Mads Pederson, der dänische Tomatenkönig. Er will nach eigenen Angaben in Odense Europas größte Cannabisplantage errichten. Auch Pederson ist allerdings mit einem kanadischen Aktienunternehmen verbandelt, mit Aurora Cannabis. In der Lausitz hat die Abcann Medicinals Inc. aus dem kanadischen Ontario eine deutsche Tochterfirma gegründet. Nuuvera aus Toronto ist ein weiterer Bewerber. In dem Vergabeverfahren der BfArM hat nur eine Chance, wer schon Erfahrungen in der Cannabisherstellung vorweisen kann. Allerdings ist genau das von einem Mitbewerber jetzt gerichtlich in Düsseldorf angefochten worden.

Insider schätzen, dass der ganze Prozess nun ein bis anderthalb Jahre Zeitverzug bekommen hat. Es geht um nicht weniger bzw. mehr als die Herstellung von 2000 Kilo medizinisches Cannabis jährlich. Die Lizenzen werden für 200-Kilo-Tranchen erteilt, was immer noch wirtschaftlich für die Hersteller ist. Zudem hatte maricann angekündigt, auch den Import von kanadischen Cannabis-Produkten anzukurbeln.

Deshalb, so weiß Ebersbachs Bürgermeister Falk Hentschel, wird maricann einen Teil des alten Naunhofer Schlachthofes definitiv kaufen. Noch sei das aber nicht erfolgt. Nach SZ-Informationen steht bei maricann allerdings schon ein Tresor, der für die Lagerung von Produkten genutzt werden soll. Von weiteren technischen Voraussetzungen war bisher nicht die Rede. Maximal einen kanadischen Dollar soll die Produktion eines Gramms getrockneter Blüten laut „Zeit“ kosten. Teurer wird auch maricann nicht produzieren wollen.

Hohe Standards sind Voraussetzung, um von den Behörden für medizinisches Cannabis zugelassen zu werden. „Die Pflanzen wachsen einzeln in speziell angemischtem Substrat, über einen Schlauch gelangen Wasser und Nährstoffe in die Töpfe ... Direkt nebenan werden die geernteten Knospen per Hand weiterverarbeitet. Männer und Frauen sitzen an Fließbändern, zupfen die Blüten von den Stängeln. Dann werden sie in einer rotierenden Edelstahltrommel von den restlichen Blättern befreit und per Hand auf Tabletts zum Trocknen ausgebreitet. Alle Türen sind mehrfach elektronisch gesichert, die Mitarbeiter tragen Schutzkleidung, jeder Verarbeitungsschritt ist kontrolliert“, schreibt die „Zeit“.