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Cottaer wollen ihr Volkshaus zurück

© Steffen Füssel

Es mangelt an Kulturangeboten im Viertel. Das Gebäude an der Hebbelstraße wäre ideal.

Lars Kühl

Auf in die „Rote Hütte“, hieß es früher in tiefsten DDR-Zeiten regelmäßig für Dieter Fraunlob und seine Mannschaftskumpels. Das Urgestein des Post SV, heute noch als Platzwart auf dem Sportplatz an der Hebbelstraße aktiv, erinnert sich gern an die Abende nach den Heimspielen. „Dort gab es sogar einen Tanzsaal“, erzählt er. Oft habe der Verein das Gebäude an der Hebbelstraße 35b, direkt hinter dem Freibad Cotta, für Feiern gemietet. Doch heute verfällt es immer mehr: das alte Volkshaus, das als Kultur- oder Richard-Gärtner-Haus schon viele Namen trug. Inzwischen gibt es erste Pläne, das Objekt als Veranstaltungsort in Cotta und Treff für Anwohner sowie Vereine wiederzubeleben.

Beim Spätsommerfest des SPD-Ortsvereins Dresden-West im September gab es unter den Besuchern im Leutewitzer Park eine Umfrage, teilt Steve Kazalla, Mitarbeiter im Bürgerbüro, mit. „Dabei wollten wir auch erfahren, welche Projekte die Menschen im Dresdner Westen als unbedingt nötig ansehen. Und gerade von den Teilnehmern aus Cotta wurde durchweg die Sanierung und Wiedereröffnung des Kulturhauses angemahnt.“ Es gebe derzeit zu wenige Kulturangebote in der unmittelbaren Umgebung.

Seine Chefin, Eva-Maria Stange, die kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im sächsischen Landtag und Abgeordnete für den Dresdner Westen, will sich jetzt dafür stark machen. „Leider haben wir hier im Moment große Lücken“, sagt die Sozialdemokratin. „In Cotta gibt es kein Kino und auch keine Einrichtungen für die Jugendkultur.“ Dabei sei das Objekt zusammen mit dem großen Saal und dem Außengelände ideal, um als Kulturhaus Gäste anzulocken, meint Stange. Sie hat ein Wunschziel: Zum 90-jährigen Jubiläum in drei Jahren soll Wiedereröffnung gefeiert werden.

Denn 1926 wurde das Volkshaus Cotta nach Plänen des Architekten Kurt Bärbig erbaut – als Versammlungsort und kultureller Treff für die Arbeiter des Dresdner Westens. Finanziert mit reichlich Spendengeldern und durch freiwillige Leistungen der Cottaer. Die SPD-Mitglieder waren dabei federführend.

Es ist naheliegend, dass sich ihre Nachfolger heute für die Wiederbelebung einsetzen. Zumal das Objekt seit 1964 als Stadtbezirkskulturhaus West den Namen „Richard Gärtner“ trug – ein SPD-Mann, der maßgeblich am Aufbau beteiligt war. Eine Rückübertragung an die Sozialdemokraten nach der Wende erfolgte nicht.

Im Gegensatz zu früher, als hier regelmäßig auf Betriebsabenden gefetet wurde und Bockwurst sowie Pils reißenden Absatz fanden, ruht das alte Volkshaus seitdem im Dornröschenschlaf. Das Theater der Jungen Generation (TjG) hat zwar eine Probebühne sowie Werkstätten im Gebäude. Und Gerd Weber, Inhaber der Feiermanufaktur Dresden, bietet die ehemalige Gaststätte „Hebbel’s“ zum Mieten für private Feiern an.

Das Gebäude sei nutzbar, sagt Weber, allerdings gebe es Ecken, wo eine Sanierung nötig wäre. Doch der Unternehmer, der auch die Waldbadgaststätte in Weixdorf betreibt, schätzt den altehrwürdigen Charme des Volkshauses. Die Pläne der SPD begrüßt er: „Ich bin dabei und würde liebend gern daran mitarbeiten.“ Es habe sogar schon erste, lockere Gespräche gegeben. Aber solange er keine Planungssicherheit habe, will er sich auf sein Weixdorfer Objekt konzentrieren.

Diese Sicherheit kann die Stadt bis jetzt nicht bieten. Ihr gehört zwar das Grundstück, konkrete Pläne hat sie damit aber momentan nicht, erklärt Sprecher Karl Schuricht. Auch eine Sanierung sei auf absehbare Zeit nicht vorgesehen. Nach dem Umzug des Puppentheaters in die neuen Spielstätten am Kraftwerk Mitte „erscheint ein Verkauf des Objektes sinnvoll“. Für das TjG jedenfalls ist dann „eine Weiternutzung der Räumlichkeiten in Cotta für den Betrieb des Theaters nicht mehr notwendig“, sagt Sprecher Norbert Seidel.

Die CDU hält im Übrigen nichts von einer Wiederbelebung des Kulturhauses Cotta. Lars Rohwer, der Landtagsabgeordnete für den Dresdner Westen, und die Christdemokraten wollen sich zukünftig auf die Nachnutzung des eigentlichen TjG-Geländes an der Meißner Landstraße mit dem alten Ballhaus des Westens konzentrieren. Das liegt zwar schon in Briesnitz, „aber zwei Kulturhäuser in dem Gebiet halten wir für unrealistisch“.