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Crêpes von Felix

Ein 14-Jähriger aus Melaune verunglückt schwer. Zehn Wochen danach feiern er und seine Familie ein kleines Wunder.

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© C. Junghanß

Von Constanze Junghanß

Melaune. Dass Elke Gaida nach dem schweren Unfall ihres Jungen jetzt in der Oberschule Crêpes mit seinen Klassenkameraden gebacken hat, war vor wenigen Wochen nicht vorstellbar. Da hing das Leben von Felix am seidenen Faden. Der 14-Jährige war mit Freunden im Arnsdorfer Steinbruch unterwegs. Ein Ausflug mit schweren Folgen. Das Datum hat sich fest bei Elke Gaida ins Gedächtnis eingebrannt. Der 9. April – ein Sonnabend. Und auch, wie sie und ihr Mann Andreas den Tag erlebten. „Die Sirene ging, Feuerwehren rückten aus und man hörte Rettungswagen fahren“, erinnert sie sich. Dann ein Hubschrauber in der Luft, der irgendwo in der Nähe der Steinbrüche landete und nach einer Weile wieder aufstieg. „Wir hatten ein furchtbares Gefühl, versuchten sofort, Felix auf dem Handy anzurufen“, sagt sie.

Noch jetzt kommen der Melaunerin die Tränen. Eine Telefonverbindung kam nicht zustande. Als die Ortsfeuerwehr wieder zurückkam, sprach sie völlig aufgelöst einen der Feuerwehrleute an, hoffte noch auf beruhigende Worte. Die kamen nicht. Kurz darauf war die Polizei da und bestätigte das gedanklich kaum Fassbare. Felix hatte einen schrecklichen Unfall. Er war die 19 Meter hohe Steilwand heruntergestürzt. Die Verletzungen: Schädelfraktur, Schädel-Hirntrauma und Lungenprellung. Wie durch ein Wunder überlebte das Kind den Sturz in die Tiefe. Hilfe holten seine Freunde sofort. 68 Tage später sitzt Felix mit den Schülern der 7. Klasse wieder im Klassenzimmer. Langsam wachsen die Haare über die beiden großen Narben am Kopf. Im Raum duftet es wie beim Bäcker. Felix und seine Mutter machen Crêpes für die anderen Schüler. Als Dankeschön für die riesige Unterstützung, die die Klassenkameraden dem Jungen in der Zeit der Krankenhausaufenthalte in Görlitz mit zwei Operationen und während der Reha in Kreischa gaben. „Wir haben eine Whatsapp-Gruppe mit Klassenchat für Felix gegründet“, erzählt Florian.

Damit blieben die Jugendlichen mit den Eltern und später mit Felix selbst in Kontakt, schickten immer wieder aufmunternde Grüße und liebe Wünsche. Ein Buch für Felix schrieben sie, wo jeder sich eingetragen hat. Und Paul machte ein Klassenfoto. „Damit unser Freund immer an uns denkt“, erzählt der Siebentklässler. Ganz alleine stellten die Mädchen und Jungen diese emotionale Unterstützung auf die Beine. Felix ist dafür sehr dankbar. „Ich habe mich riesig gefreut über den Zuspruch. Das tat so gut“, sagt er.

Für ihn geht es nun nur noch bergauf: Für seine Jugendweihe kürzlich durfte er die Reha zwei Tage unterbrechen. Nun stehen die Ferien vor der Tür, die er mit der Familie verbringen wird. Im August beginnt für ihn ganz regulär die 8. Klasse. „Uns hat das alles noch mehr zusammengeschweißt“, sagt Elke Gaida. Die Unterstützung der 7a, der Freunde und Familie gaben ihnen viel Kraft. „Und von uns aus auch ein riesiger Dank an die Rettungskräfte, das Krankenhaus und die Reha-Klinik, die unser Kind so wunderbar versorgten.“