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Da dreht sich was

Unter dem Carport von Klaus-Dieter Tillig in Niederhäslich steht eine selbstgebaute Pyramide. Ein Gemeinschaftswerk.

Von Annett Heyse
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Handwerksmeister Klaus-Dieter Tillig tischlert noch immer gerne und baute sich eine Pyramide. Sie dreht sich vor seinem Haus in Niederhäslich und lockt viele Zaungäste an.
Handwerksmeister Klaus-Dieter Tillig tischlert noch immer gerne und baute sich eine Pyramide. Sie dreht sich vor seinem Haus in Niederhäslich und lockt viele Zaungäste an. © Egbert Kamprath

Wer zur Adventszeit durch Freitals Wohnsiedlungen bummelt, kann gerade im Dunkeln allerhand entdecken: Es lichtelt überall. Ob am Sauberg, in der Neuen Heimat oder in Weißig – es scheint, als habe ein Weihnachts-Dekowettbewerb viele Hausbesitzer ergriffen. Da wollte auch ein Niederhäslicher Paar mithalten und hat die vielleicht größte und schönste Privatpyramide gebaut.

Sie dreht sich unterm Carport von Klaus-Dieter Tillig an der Clemens-Hanusch-Straße. Nur ein gutes Vierteljahr habe er von der Idee bis zur Vollendung gebraucht, erzählt der Pyramidenbauer. „Im Herbst 2017 kam mir der Gedanke, doch mal etwas für den Garten zu bauen. Zunächst habe ich mir Aufrisse angefertigt und dann losgelegt.“ Was nach einem großen Projekt klingt, war für Klaus-Dieter Tillig kein Problem.

Als Modellbau-Meister hat er jahrzehntelang mit verschiedenen Werkstoffen, vor allem aber Holz, gearbeitet. Der heute 75-Jährige legte 1968 seine Meisterprüfung ab und stieg in die Firma des Vaters ein. Die befand sich damals an der Ecke Poisentalstraße/An der Weißeritz. 1978 übernahm Tillig, der in seiner Freizeit aktiver Turner bei der BSG Stahl Freital war, den Betrieb. Er baute Formen für große Unternehmen, beispielsweise die Stahlindustrie. Im Schnitt beschäftigte Klaus-Dieter Tillig fünf Mitarbeiter. Auch in seiner Freizeit tüftelte er gerne, drechselte Räuchermänner und andere Weihnachtsfiguren, die es zu DDR-Zeiten im Handel kaum zu kaufen gab.

Beruflich änderte sich 2001 für Klaus-Dieter Tillig einiges. Er zog mit seiner Werkstatt ins Privatgrundstück nach Niederhäslich um und stellte seine Maschinen in der Garage unter. Es muss kurz nach der Flut 2002 gewesen sein, als er für die gute Stube eine neue Pyramide kaufte. Zwei Etagen hoch und eigentlich nichts Besonderes, regte sie den Handwerker Tillig dennoch zu neuen Ideen an: Er baute die Pyramide etwas größer und nun mit drei Etagen nach. „Für mich ist das Hobby. Die Maschinen habe ich in der Werkstatt stehen.“ Und weil sie da standen und Klaus-Dieter Tillig als Rentner eine neue Herausforderung suchte, kam nun die Pyramide für außen hinzu.

Er besorgte sich Fichtenholz und legte los. Seine Pyramide wurde 2,60 Meter hoch und hat drei Etagen. Auf dem obersten Teller dreht sich eine Gruppe Kurrendesänger. Die kommen aus der Werkstatt eines anderen rüstigen Rentners, des ehemaligen Possendorfer Bürgermeisters Christian Zeibig. „Wir kennen uns durch den Sport, sind uns bei Turn-Wettkämpfen immer wieder begegnet und heute gut miteinander bekannt“, berichtet Handwerksmeister Tillig. Auf der mittleren Ebene hat der Bastler große Räuchermännchen und Bäume aus der eigenen Werkstatt untergebracht. Auf dem untersten Teller stehen Jäger, Kiepenfrau, Förster und Bäume. Die habe ihm ein Freund, der mit der Kettensäge Figuren schnitzt, gespendet. Den Elektromotor kaufte sich Klaus-Dieter Tillig bei einem Hersteller in Ehrenfriedersdorf, der auf Pyramidenantriebe spezialisiert ist.

Natürlich gehört zu einer ordentlichen Pyramide ein Anschub, dachten sich die Tilligs dieses Jahr und luden zum Ersten Advent ein. 36 Nachbarn, gute Bekannte und Sportfreunde kamen am 2. Dezember. Sie bestaunten die Pyramide und leerten 21 Flaschen Glühwein. Nun dreht sich das Schmuckstück. Wer es übertreffen möchte, muss sich etwas einfallen lassen.