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Damit’s auf dem Markt besser läuft

Ab 2017 sollen die Stände donnerstags auf den Kornmarkt umziehen. Manchen Händlern reicht das aber nicht.

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© Robert Michalk

Madeleine Arndt

Bautzen. Ein Murmeln liegt am Dienstag über dem Hauptmarkt. Nirgendwo kann man sich trefflicher über die Qualität des Essens unterhalten als hier. An den Ständen verkaufen teils die Erzeuger selbst ihre Produkte und wissen bestens über deren Herstellung Bescheid. Alte und Junge schlendern über den Platz, schauen, prüfen, kaufen. Es geht geruhsam zu, für viele Händler zu geruhsam. Sie wollen deshalb ihre Stände an anderer Stelle aufbauen.Seit Jahren steht Klara Wätzlich auf dem Markt, bietet Wurst und Fleisch aus eigener Schlachtung von der Fleischerei Wätzlich in Rammenau an. Ein Mann kauft bei ihr eine Kamenzer Bockwurst. „Die ist mit Majoran“, erklärt die Händlerin. „Ja, die Nachfrage hat abgenommen hier auf dem Hauptmarkt“, sagt die herzliche Frau der SZ. Am liebsten würde sie deshalb dienstags und donnerstags auf den Kornmarkt ziehen. „Dort ist auf alle Fälle mehr Publikum und es ist für die alten Leute besser.“ Das sieht Marina Palme von der gleichnamigen Gärtnerei aus Hochkirch genauso. Der Wochenmarkt müsse auf den ebenen Kornmarkt. Am Platz vor dem Gewandhaus kämen die Alten mit ihren Rollatoren schlecht über das Pflaster. Marina Palme hat eine kurze Pause eingelegt und kauft ein Brot bei ihren Kollegen, der Neukircher Himmelsbäckerei. Dort zieht gerade Carsten Schlick ein paar frische Brote aus dem Holzbackofen. Seit 15 Jahren seien er und seine Frau mit dem Bäckerstand auf Märkten unterwegs. Dreimal in der Woche stehen sie in Bautzen. Carsten Schlick gefällt seine Arbeit unter freiem Himmel und auch seine Kundschaft. „Hier lernt man die Leute anders kennen.“ Sehr gefragt ist zur Zeit das Kastenbrot der Himmelsbäckerei. Es enthält Champagnerroggen, eine uralten Getreidesorte, die wieder in der Region angebaut wird. Essen sei etwas Fundamentales, findet der Marktbäcker.

Händler sagen ihre Meinung

Klara Wätzlich vom Fleisch- und Wurststand rechnet auf dem Kornmarkt mit mehr Laufkundschaft.
Klara Wätzlich vom Fleisch- und Wurststand rechnet auf dem Kornmarkt mit mehr Laufkundschaft.
Gärtner Roberto Freitag findet den Hauptmarkt als Standort gut, aber auf dem Fleischmarkt läuft es nicht.
Gärtner Roberto Freitag findet den Hauptmarkt als Standort gut, aber auf dem Fleischmarkt läuft es nicht.
Auf dem Kornmarkt können die älteren Kunden besser laufen, findet Marmeladenfrau Marion Frenzel.
Auf dem Kornmarkt können die älteren Kunden besser laufen, findet Marmeladenfrau Marion Frenzel.

Knackpunkt Donnerstag

Viele Besucher des Wochenmarktes würden ihm da beipflichten. Sie legen Wert auf regionale und umweltfreundliche Produkte. Rita Scholze zum Beispiel, die Kundin, steht bei Andreas Kammler und lässt sich ein Dutzend Eier einpacken. Sie entscheidet sich für Eier aus der Freilandhaltung in Burkau. Eier aus der Legebatterie kommen bei ihr nicht ins Haus. „Ich kenne die Geflügelhöfe. In Burkau können die Hühner jederzeit aus dem Stall raus und haben einen sehr großen Auslauf“, erklärt der Eierverkäufer Andreas Kammler.

Einmal in der Woche steht Marion Frenzel aus Radibor auf dem Markt und verkauft selbst gemachte Marmeladen. Die 57-Jährige würde ihren Stand lieber auf dem Kornmarkt aufbauen. Weil dort mehr Begängnis ist, findet sie. „Außerdem ist es für die Leute hier sehr schwierig zu laufen“, sagt sie und blickt auf die tiefen Ritzen zwischen dem Kopfsteinpflaster.

Auf keinen Fall komplett umziehen, wehrt Gemüsehändler Michael Ubl heftig ab. Ging es nach ihm, würde er nur den Donnerstagsmarkt verlegen. Denn während dienstags und sonnabends der Grünmarkt auf dem Hauptmarkt ist, befindet sich an Donnerstagen der Mischwarenmarkt mit Kleidung und Haushaltsutensilien dort und die Lebensmittelhändler stehen auf dem Fleischmarkt. „Wenn wir oben am Dom sind, kommen ganz wenig Leute“, klagt Ubl. Auf dem Hauptmarkt bietet Michael Ubl dienstags und sonnabends Obst und Gemüse aus dem Spreewald an. Das würde er gern beibehalten. Gärtner Roberto Freitag sieht ebenfalls nur den Donnerstag kritisch. Wer dann vom Hauptmarkt am Rathaus vorbeischaue, sehe die Stände auf dem Fleischmarkt nicht, bemängelt er. So habe der Händler am Dom kaum Kundschaft. „Wir müssen aber davon leben können“, betont er.

Oberbürgermeister Alexander Ahrens (parteilos) kennt die Probleme. Er weiß, dass sich einige ältere Bürger nicht mehr auf den Hauptmarkt trauen, weil dort das Pflaster so schlecht ist. Deshalb soll im Rahmen einer Satzungsänderung zunächst der Donnerstagsmarkt ab 2017 auf dem Kornmarkt stattfinden. „Ich möchte das eine Saison lang probieren“, so Ahrens. Der OB will auch in einer anderen Sache den Händlern entgegenkommen: „Wir haben vor, die Standgebühren abzusenken, um den Markt für Händler wieder attraktiver zu machen.“