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Darf der das?

Wenn der Sprinter einer Riesaer Autowerkstatt unterwegs ist, treten andere auf die Bremse. Kein Wunder.

© Sebastian Schultz

Von Britta Veltzke

Riesa. Erst am Montag hat es Falk Lipp wieder beobachtet: Er taucht mit seinem Tecline-Sprinter in der Nähe eines Lkws auf – schon lässt der Fahrer mehr oder weniger unauffällig sein Handy fallen. Dabei sieht der Chef der Autowerkstatt in der Gutenbergstraße mit seinen zum Zopf gebundenen Dreadlocks nicht gerade aus wie ein Polizist. Sein Transporter allerdings trägt den Look eines Polizeifahrzeugs: dunkelblaue Folien, abgesetzt mit einer silbergrau gestrichelten Linie. Nur Wappen und Polizei-Schriftzug fehlen. Und statt einer Blaulicht-Anlage sind orangefarbene Rundumleuchten auf dem Dach angebracht.

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Zum Verwechseln ähnlich: die Einsatzfahrzeuge von Polizei (Foto) und der Riesaer Autowerkstatt Tecline.
Zum Verwechseln ähnlich: die Einsatzfahrzeuge von Polizei (Foto) und der Riesaer Autowerkstatt Tecline. © Sebastian Kahnert/dpa
Geschäftsführer Falk Lipp von der Riesaer Autowerkstatt Tecline wollte damit vor allem eins erreichen: Aufmerksamkeit.
Geschäftsführer Falk Lipp von der Riesaer Autowerkstatt Tecline wollte damit vor allem eins erreichen: Aufmerksamkeit. © Sebastian Schultz

Aber die farbliche Gestaltung allein reicht offenbar dafür aus, dass es zu Verwechselungen mit den Ordnungshütern kommt, sagt der 29-jährige Kfz-Meister. „Ich merke das schon, dass die Leute versuchen, sich an das Tempolimit zu halten, sobald sie den Sprinter sehen. Die meisten schauen ja schon gar nicht richtig hin und aus dem Augenwinkel denkt man eben sofort an die Polizei.“ Sobald den Fahrern aber aufgefallen ist, dass da kein Polizist hinterm Steuer sitzt, schauen sie ganz genau hin. Und genau das ist natürlich, was Falk Lipp mit der ungewöhnlichen Optik beabsichtigt hatte. „Klar, die Leute reden drüber. Fragen sich, ob es denn erlaubt ist, die Gestaltung der Polizei zu übernehmen. Das ist die beste Werbung, die man sich wünschen kann.“

Und, darf man mit einem Auto im Polizei-Look herumfahren? Reinhard Gärtner, Sprecher der Deutschen Polizeigewerkschaft Sachsen, meint: ja! „So lang das Fahrzeug kein Blaulicht auf dem Dach hat, ist das in Ordnung.“ Wer zum Beispiel ein historisches Einsatzfahrzeug besitze, müsse das Blaulicht abdecken. Ausnahmeregelungen gelten bei Festumzügen, auf denen klar ersichtlich ist, dass man nicht im Einsatz ist. Reinhard Gärtner kann dem Riesaer Beispiel sogar etwas Positives abgewinnen. „Wenn das dazu führt, dass Raser langsamer fahren, sobald das Fahrzeug auftaucht, haben doch alle gewonnen.“

Für Aufsehen sorgen Autos, die Einsatzfahrzeugen ähneln, immer wieder. In Duisburg sollte 2014 etwa ein junger Mann Bußgeld zahlen, weil er mit einem ausgemusterten Polizeiauto unterwegs war. Die Crux: Es trug noch das Blaulicht auf dem Dach. Der Tüv hatte die Anlage sogar abgenommen, weil sie nicht mehr funktionstüchtig war. So berichtete es das Nachrichtenportal „Der Westen“.

Auf die Idee für die neue Gestaltung seines Firmen-Sprinters war Tecline-Chef Falk Lipp im Frühjahr gekommen. „Ich stand auf dem Hof, als die Polizei Fußballfans über die Brückenstraße eskortierte. Ich hatte auch ein wenig Angst um die Kundenfahrzeuge.“ Bei dieser Gelegenheit beobachtete Falk Lipp die Polizei-Sprinter ganz genau. „Es war exakt das gleiche Modell wie mein neuer Sprinter. Mir gefiel einfach die Gestaltung – auch weil das Blau gut zu uns passt.“ Wenige Tage später sollte das neue Tecline-Fahrzeug ohnehin mit Werbung beklebt werden. „Ich habe den Auftrag bei Ideal-Werbung dann sofort gestoppt und gefragt, ob sie die Folien so hinbekommen wie bei einem Polizeifahrzeug“, so Lipp.

Anfangs sei er auf Skepsis gestoßen, fand dann aber heraus, dass die Optik nicht geschützt ist. So kam der Tecline-Sprinter zu seinem Äußeren. Und wenn das Fahrzeug einmal Ziel von Vandalismus werden sollte – gerade weil es wie ein Polizeiauto aussieht? „Da habe ich keine Bedenken, ich bin damit ja nicht auf Demos unterwegs.“