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Das Dorf trifft sich im Kindergarten

Seit 60 Jahren gibt es die Kita in Girbigsdorf. Hier treffen sich Jung und Alt, werden Kontakte geknüpft. Nun wird gefeiert.

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© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Anja Gail

Girbigsdorf. Da staunt Ingrid Hieronymus am Mittwochvormittag nicht schlecht, als aus Richtung Ebersbach plötzlich ein bunter Umzug naht. Mit Puppenwagen, Rollern und Bollerwagen ausgestattet, Luftballons in den Händen und in Begleitung der Feuerwehr treffen die Kinder und Erzieherinnen vom Girbigsdorfer Kindergarten am Gasthaus „Zur Sandschänke“ ein.

Da staunen die Jubilarin und die Kinder gemeinsam, als die vielen Luftballons zum Himmel aufsteigen und immer kleiner werden.
Da staunen die Jubilarin und die Kinder gemeinsam, als die vielen Luftballons zum Himmel aufsteigen und immer kleiner werden. © Pawel Sosnowski/80studio.net

Das Gasthaus in Girbigsdorf gehört ihren beiden Söhnen Thomas und Holger Hieronymus. Doch am Mittwoch steht Frau Hieronymus im Mittelpunkt. Denn die Seniorin feiert ihren 80. Geburtstag. Weil Kindertag ist und der Kindergarten in dieser Woche selbst ein Jubiläum feiert, war sich die ältere Dame erst nicht so sicher, ob es mit einem Ständchen auch wirklich klappen würde. Aber, als sie die Mädchen und Jungen kommen sieht, winkt sie ihnen schon von Weitem zu. Auch die ersten Geburtstagsgäste begrüßen die fröhliche Kinderschar. Weil der Umzug im Dorf gar nicht zu übersehen und zu überhören war, sind noch mehrere Passanten den Kindern bis zum Gasthaus gefolgt.

Die Geburtstagsständchen für die Senioren sind für den Kindergarten eine selbstverständliche Sache, sagt Kita-Leiterin Mireille Seibt. Genauso verhält sich das mit dem Oma-Opa-Tag in der Kita und verschiedenen Feiern oder Festen im Jahreslauf, zu denen die Familien immer gern gesehene Gäste sind. Für so einen kleinen Ort wie Girbigsdorf mit um die 850 Menschen ist so ein Kindergarten auch Dreh- und Angelpunkt für viele Kontakte. Es gibt zwar das Gasthaus und das Mühlenhotel, die Fleischerei und den Bäckerladen, wo man sich hin und wieder begegnen kann. Und auch die Feuerwehr und Vereine halten das Leben im Ort zusammen. Aber, wenn Eltern und Großeltern ihren Nachwuchs in die Kita bringen oder von dort abholen, ergibt sich schnell noch so manches Gespräch über die Kinder und die Neuigkeiten im Ort. Da bleiben Eltern auch mal gern noch etwas in der Garderobe sitzen, erzählt Frau Seibt, um sich zu unterhalten oder sie lassen sich vor dem Nachhauseweg Zeit und halten einen Plausch auf dem Spielplatz.

Das haben auch Hannelore und Hartmut Oertel schon oft so erlebt. Ihr Enkel Paul besucht die Girbigsdorfer Kita am Aueweg. Als Oertels vor über 20 Jahren nach Girbigsdorf gezogen sind, waren ihre Kinder schon im Schulalter. Durch die Enkel im Kindergarten hätten sie jetzt viele Leute im Dorf kennengelernt, erzählt Frau Oertel. Inzwischen singen die 50 Mädchen und Jungen, unterstützt von ihren sieben Erzieherinnen schon die ersten Lieder. Jubilarin Ingrid Hieronymus wippt mit dem Fuß und freut sich mit den Kindern, als diese die Luftballons gen Himmel steigen lassen. Auch Ingrid Pohl, die selbst viele Jahrzehnte im Kindergarten gearbeitet hat und sich in der Seniorenarbeit engagiert, huscht immer wieder ein Lächeln über das Gesicht. Ja, der Kindergarten sei schon ein kleiner Mittelpunkt im Dorf, bestätigt sie. Und für die älteren Menschen seien besonders diese kleinen Ständchen zu runden Geburtstagen überhaupt nicht wegzudenken.

Nun feiert die Kita in dieser Woche selbst schon ihren 60. Geburtstag. Die Strategie in der Gemeinde, auf keine Kindereinrichtung in einem Ortsteil zu verzichten, sieht Bürgermeister Bernd Kalkbrenner auch angesichts dieser langen Zeit als den richtigen Weg an. Der Gemeinderat habe sich bewusst dafür entschieden, auch wenn so manches Mal schon über eine einzige Kita für das gesamte Schöpstal debattiert wurde. Aber, was sei ein Ort ohne Kinder, sagt Bernd Kalkbrenner. Und das Individuelle gefalle auch den Eltern.

Am Sonnabend öffnet die Kita ihre Türen von 10 bis 14 Uhr. Die Einrichtung kann nach einem Eröffnungsprogramm besichtigt werden. Es gibt Kinderschminken, Hüpfburg, Glücksrad, Geschicklichkeitsspiele, Roller-Parcours der Verkehrswacht und eine Tombola. Der Erlös aus der Tombola ist für die Bibliothek gedacht. Die Feuerwehr bringt ihre Kübelspritzen mit. Mit einem Elternball ab 19 Uhr klingt das Jubiläum aus. (sey)