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Das Geschäft mit dem Weihnachtsbaum

Der Forsthof in Pretzschendorf übernimmt eine weitere Plantage. Dort sollen besondere Exemplare fürs Fest wachsen.

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© Frank Baldauf

Von Anja Ehrhartsmann

Pretzschendorf. Hinter dem Vierseitenhof von Familie Mette in Pretzschendorf wachsen auf zwei Hektar Fläche Bio-Weihnachtsbäume. Verschiedene Tannen- und Fichtenarten gedeihen hier, von der Nordmanntanne bis zur Serbischen Fichte. Zusätzlich bewirtschaftet der Forsthof noch acht Hektar Anbaufläche bei Bad Gottleuba, natürlich ebenfalls Bio. Nun will sich der Betrieb erneut vergrößern. „Mein Herz schlägt für den Weihnachtsbaumanbau“, sagt Ingo Mette, der auch noch als selbstständiger Förster im Privatwald arbeitet. Als Bernd Hänel, der seine Baumplantage seit 25 Jahren in der Nachbarschaft betreibt, mit dem Vorschlag an ihn herantrat, seine Flächen zu übernehmen, habe er sich sehr gefreut und nicht lange gezögert, erklärt der 41-Jährige. Bernd Hänel, der dieses Jahr 70 wurde, will altersbedingt aufhören und war auf der Suche nach einem Nachfolger. Ingo Mette das Angebot zu unterbreiten, war nur naheliegend, so Hänel. Schließlich kennen sich die beiden Pretzschendorfer schon seit Jahren. Bereits Ende 2016 haben die beiden Männer alles in die Wege geleitet. Neue Verträge mussten gemacht werden, da Bernd Hänel seine drei Hektar von der Gemeinde und Privatleuten gepachtet hat. „Ich hätte einen größeren Aufwand gehabt, wenn ich die Flächen hätte wieder zurückbauen müssen“, sagt der 70-Jährige. Diese Saison will er noch Bäume verkaufen, dann soll Schluss sein.

Hänels Baumplantage, auf der konventionell angebaut wird, übernimmt der Forstbetrieb nun stückchenweise. Sobald in einem Bereich alle Bäume geerntet wurden, wird diese Fläche an den Forsthof übergeben. Bis Ingo Mette die Bäume als Bio verkaufen kann, dauert es drei Jahre. Diese Umstellungsfrist ist gesetzlich festgelegt. Bis dahin sind noch einige Schritte notwendig, wie der 41-Jährige erklärt. Mit einem Mulchgerät müssen zunächst die Wurzelstöcke zerhäckselt werden. Dann wird eine Zwischenfrucht wie etwa Senf gepflanzt, damit sich der Boden erholen kann. Erst danach kommen die jungen Bäumchen in die Erde. „Wir wollen überwiegend Blaufichten anbauen.“ Vorteil dieser Baumart sei, dass sie nicht umzäunt werden muss, da die Nadeln sehr stachelig sind und das Wild deshalb kaum rangeht.

Spätestens dann kommt auch Ingo Mettes Geheimwaffe zum Einsatz, denn seine Anbauflächen werden von Shopshire-Schafen gepflegt. Diese fressen das Gras zwischen den Bäumen und sorgen nebenbei auf natürliche Weise dafür, dass die Fläche gedüngt wird. Durch diese Form des Anbaus wird der Boden geschont, zusätzlich verzichtet der Forsthof auf synthetische Pflanzenschutzmittel und mineralischen Kunstdünger. „Das ist das, was das Bio ausmacht“, sagt Ingo Mette. „Ich kann den Baum zwar nicht essen, aber er kann keine Restschadstoffe abgeben, weil er nie welche gesehen hat, dafür garantieren wir.“ Der 41-Jährige und seine Frau sind überzeugt von dieser Form des Anbaus. 2015 haben sie den Betrieb umgestellt. „Bio ist im Kommen. Nicht nur unsere Anbaufläche wächst, sondern insgesamt der ganze Bio-Markt“, so Mettes Eindruck.

Bio oder nicht, derzeit überlegen die beiden Männer noch, ob und wie sie ihre Kräfte bereits im Weihnachtsgeschäft bündeln können. Denn auf beiden Plantagen können sich die Leute im Advent ihren Baum aussuchen und dann selbst zur Säge greifen. Nicht nur bei Familien mit Kindern kommt das gut an, auch Firmen schenken ihren Kunden einen selbstgeschlagenen Baum. „Es kann sein, dass wir das im Zuge des Zusammenwachsens gemeinsam machen.“

Infos und Termine unter www.der-forsthof.de