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Das Herzstück bekommt Farbe

© Robert Michael

Im Dresdner Schloss wartet die große Loggia auf Vollendung. Die Restauratoren wagen eine Neuinszenierung, die aussehen soll wie eine Rekonstruktion.

Von Birgit Grimm

In knapp drei Jahren werden die Besucher im Großen Schlosshof des Dresdner Schlosses sich immer wieder um ihre eigene Achse drehen, um das gewaltige Bildprogramm auf sich wirken zu lassen. Kurfürst Moritz hatte das Schloss Mitte des 16. Jahrhunderts umbauen lassen und auch die Gestaltung des Schlosshofs veranlasst, um sich als starker Feldherr und überzeugter Lutheraner in Szene zu setzen.

Die einzige Lücke in diesem wiedererstandenen Bildprogramm ist der Altan, jene viergeschossige Loggia an der Innenseite des Hausmannsturms. Der Altan mit seinen einst vom Bildhauer Hans Walther geformten Sandsteinreliefs an den Brüstungen und den farbigen Fresken an den Hauswänden dahinter war der gestalterische Höhepunkt des Schlosshofs. Er war dessen Glanz- und Herzstück, und das soll er bis Ende 2019 auch wieder werden.

Der Freistaat investierte in den 2010 fertiggestellten Rohbau der Loggia 2,8 Millionen Euro. Für die Freskenmalerei stehen nun weitere 2,8 Millionen bereit. Das gab Finanzminister Georg Unland am Mittwoch bekannt. Er schwärmte: „Die Fresken des Altans mit der Darstellung biblischer Szenen gehören zu den größten farbigen Renaissancefresken nördlich der Alpen.“

Die Brüder Benedict und Gabriel de Tola aus dem italienischen Brescia gelten als Maler des Freskos. Zwischen 1548 und 1554 arbeiteten sie im Dresdner Schloss. Außerdem musizierten sie – wie auch ihr Bruder Quirino – in der kurfürstlichen Kapelle. Was von ihrer Arbeit blieb, sind Entwurfszeichnungen im Kupferstich-Kabinett. Es gibt in Italien kein Fresko der Brüder. Die Restauratoren und Künstler, die jetzt die Dresdner Wandmalereien neu erschaffen sollen, wollen dem Original nahekommen und haben in Brescia Arbeiten von Künstlern der Zeit und des Lehrers der Gebrüder Tola studiert. Das ist zu wenig für eine originalgetreue Rekonstruktion, aber genug, um eine Neuinszenierung im Stile der Tola-Brüder zu wagen. Hauptsache, das Gesamtbild stimmt.

Sehr gut vorangekommen sind die Arbeiten im Renaissanceflügel des Schlosses. Dort werden im April zwei neue Dauerausstellungen eröffnet. Im ersten Geschoss des Ostflügels wird der Weg von Moritz zur Kurfürstenmacht dargestellt. Das 2013 aus der Flut gerettete steinerne Moritzmonument bildet Höhepunkt und Abschluss der Schau im Gardesaal.

Im direkten Anschluss bietet der Nordflügel Einblicke in die Kurfürstliche Garderobe und Ausblicke in den Schlosshof, hinüber zum Verbindungsgang zur Hofkirche sowie in die Schlosskapelle, in die im Februar die Restauratoren einziehen. Konzerte oder Vorträge können deshalb in den nächsten Monaten dort nicht stattfinden. Die Architekten und Ausstellungsgestalter des Büros von Peter Kulka haben im Ost- und Nordflügel für die Originale in den Hightech-Vitrinen überzeugende Präsentationsideen entwickelt und für die Räume moderne Gestaltungslösungen gefunden, die auch jüngste Geschichte sichtbar werden lassen. Hier geht es nicht um fadengenaue Rekonstruktion, sondern darum, sächsische Geschichte anhand von Originalen so zu erzählen, dass die Besucher fasziniert werden.

Die Baukosten für diese Räume betragen 8,9 Millionen Euro. Insgesamt investierte der Freistaat Sachsen in den Wiederaufbau des Schlosses 316 Millionen Euro. Die Gesamtbaukosten werden auf 380 Millionen Euro geschätzt. Auf einen Fertigstellungstermin für das Schloss wollte der Finanzminister sich nicht festlegen. Es sei ein identitätstiftendes Bauwerk und der Wiederaufbau eine Herzensangelegenheit für die Staatsregierung. Qualität sei der Maßstab, aber Zeitdruck dem Projekt nicht förderlich, sagte Unland.