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Das letzte schwarze Schaf verschwindet

Nach 21 Jahren muss der Street-Wear-Laden Black Sheep in der Louisenstraße schließen. Die Konkurrenz war einfach zu groß.

© Sven Ellger

Von Sarah Grundmann

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Schluss, Aus, Ausverkauf – Michael Adam muss Abschied nehmen. 21 Jahre lang hat er sich als Besitzer des Street-Wear-Ladens Black Sheep einen Namen in der Skater- und Sprayerszene gemacht. Nun prangen in dem kleinen Geschäft auf der Louisenstraße überall die Rabatt-Schilder. Bereits Ende des Monats bleiben die Türen für immer verschlossen. Dabei hat der Besitzer noch in diesem Jahr umgebaut.

„Das Ende kam schleichend“, sagt Adam. Seit Januar seien die Kundenzahlen Stück für Stück zurückgegangen. „Aber der Monat läuft eh immer schlecht.“ Also hat sich der 43-Jährige keine Gedanken gemacht – zunächst. Doch auch in den darauffolgenden Monaten wurde die Lage nicht besser. „Irgendwann muss man sich dann entscheiden“, sagt Adam. Er hätte wohl noch eine Weile überleben können. Aber für einen Mitarbeiter reichte der Umsatz nicht mehr aus. „Ich habe drei Kinder, bin nicht mehr der Jüngste. Von Montag bis Sonnabend im Laden zu stehen und alles alleine zu machen, was sonst noch anfällt, kam da für mich nicht infrage.“ Der Abschied fällt ihm allerdings sehr schwer. Schließlich hat er viel Herzblut in sein „Baby“ gesteckt.

1995 eröffnete er das Black Sheep, damals noch mit einem Geschäftspartner und auf der Königsbrücker Straße. „Das waren noch ganz andere Zeiten“, erinnert sich der Besitzer. Damals waren die Street-Wear-Marken, die er in seinem Laden anbietet, etwas Neues und nur schwer zu bekommen. „Da standen die Kids noch mit strahlenden Augen in meinen Laden, weil sie einen Carhartt-Pulli bekommen haben.“ 1999 ging es alleine auf der Louisenstraße weiter.

Schnell konnte Adam deshalb expandieren, eröffnete 2005 eine weitere Filiale im Kugelhaus und vier Jahre später im Elbepark. Wegen interner Querelen blieb seit 2014 allerdings nur das Geschäft auf der Louisenstraße übrig – das letzte schwarze Schaf, das nun auch verschwindet.

„Heute gibt es die Marken, die damals etwas Besonderes waren, überall“, sagt Adam. Zudem bieten große Ketten wie Primark und H&M günstigere Waren in einem ähnlichen Stil an. Dieses Überangebot und die Konkurrenz durch den Online-Handel haben es dem Einzelhändler schwer gemacht. Er hat es selbst einmal mit einem Internet-Versand versucht, die Kosten waren ihm aber auf Dauer zu hoch. „Ein neuer Trend scheint zu sein, dass die Kunden sich online orientieren und die Ware aber sofort vor Ort abholen wollen. Deswegen eröffnen viele Online-Shops nun auch richtige Läden“, sagt Adam. „Als Einzelkämpfer kann man da nicht mithalten.“

Das mache sich zunehmend auch in der Neustadt bemerkbar. „Hier gibt es nicht eine solche Infrastruktur wie in der Innenstadt, wo die Touristen abgefangen werden“, sagt der Geschäftsmann. Kleinere Läden, deren Angebot es auch in großen Geschäften der Innenstadt gibt, würden daher zunehmend verschwinden.

Die Zahlen vom Amt für Wirtschaftsförderung können das allerdings nicht belegen: Gab es 2005 in der Äußeren Neustadt nur 181 Einzelhändler, waren es im vergangenen Jahr bereits 207. Allerdings gibt es durchaus Schwankungen. So waren es 2013 209 Einzelhandelsunternehmen, ein Jahr später nur noch 202.

„Subjektiv ist unser Eindruck, dass der Anteil des Einzelhandels am Branchenmix etwas abgenommen hat. Vor allem der Anteil an Textilhändlern hat sich verringert“, sagt Torsten Wiesener, Vorstand des Gewerbe- und Kulturvereins Dresden-Neustadt. „Bei dem riesigen Angebot an Einkaufs-Centern und dem gleichzeitig stark gestiegenen Angebot des Online-Handels ist das aber nicht besonders verwunderlich.“ Vor allem scheint es zur DNA der Neustadt zu gehören, dass die Läden vermehrt die Besitzer wechseln; dass Schließungen und Neueröffnungen sich häufen.

„Die Neustadt ist ein Viertel mit sehr hoher Laden- und Kneipendichte. Deshalb gibt es hier natürlich öfter Wechsel als anderswo“, sagt Wiesener. „Sie ist für viele Trends der Vorreiter in Dresden. Wenn viel probiert wird, kann auch mehr scheitern.“ Trotzdem gebe es gut drei Dutzend Geschäfte, die sich seit 20 Jahren in dem Viertel halten. „Unserer Erfahrung nach behaupten sich Läden, die mit einem freundlichen und kompetenten Service überzeugen“, sagt Wiesener. „Außerdem ist es von Vorteil, auch Dienstleistungen anzubieten. So hat zwar zum Beispiel die Anzahl der Textilhändler abgenommen, dafür sind etliche Maßschneidereien entstanden.“ Für das Black Sheep heißt es nach 21 Jahren hingegen: Schluss, Aus, Ausverkauf.

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