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Das nächste Level für Lovoo

Das Dresdner Datingportal ist für 58 Millionen Euro verkauft – und bekämpft mittlerweile Fake-Profile, die es früher selbst anlegte. Gründer Tobias Börner sieht eine rosige Zukunft für Lovoo.

© imago/xim.gs

Das Dresdner Flirtportal Lovoo hat seinen Traumpartner gefunden. Wie die SZ am Donnerstag berichtete, wird das Dresdner Unternehmen mit 97 Vollzeitkräften in Dresden und Berlin für rund 58 Millionen Euro vom US-Konzern The Meet Group gekauft. Die Amerikaner betreiben Portale wie MeetMe und Hi5.

Lovoo hatte im Juni 2016 für Aufsehen gesorgt, als die Staatsanwaltschaft Dresden die Geschäftsräume an der Prager Straße durchsuchen ließ. Zwei der drei Chefs kamen kurzzeitig in Untersuchungshaft. Der Vorwurf: Lovoo soll Profile von Frauen erfunden haben, um Männer in bezahlpflichtige Dienste zu locken. Die Ermittlungen wurden vor einem Jahr gegen Zahlung von insgesamt 1,2 Millionen Euro eingestellt.

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Mittlerweile gibt sich das Unternehmen geläutert, hat Fakes und Spams den Kampf angesagt. Der Deal von Lovoo und Meet Group ist einer der spektakulärsten im Online-Dating-Markt. Die SZ sprach mit Gründer und Marketingchef Tobias Börner.

Herr Börner, Sie und die anderen Lovoo-Gründer machen nach fünf Jahren Kasse. Was sagt die Belegschaft dazu?

Die Mitarbeiter wurden ausführlich informiert und haben den Verkauf sehr positiv aufgefasst. Es wird richtig spannend für alle. Wir sind plötzlich über 300 Leute und werden von einem neuen Austausch profitieren. Schon im Oktober fliegen die Ersten zu den neuen Kollegen in die USA.

Also keine Existenzangst, wie so oft bei Fusionen, die auf Synergien hoffen?

Im Gegenteil. Wir müssen sehen, wie wir Platz für neue Teams schaffen. The Meet Group hat sich bei uns alles angeschaut, und das Fazit fiel sehr positiv aus: Die Firma, ihre Mitarbeiter und unsere Unternehmenskultur haben überzeugt. Wir werden langfristig eher mehr Kollegen begrüßen – ob in Dresden oder Berlin, wird sich zeigen. Unser Firmensitz bleibt in Dresden.

Lovoo ist innerhalb der Meet-Gruppe die größte Nummer. Hätten dann umgekehrt nicht auch die Dresdner die Amerikaner schlucken können?

Man kann als nicht börsennotierte Firma schlecht ein dort gelistetes Unternehmen übernehmen. Umgekehrt passt das auch für kleinere Unternehmen. Und das ist auch die Story: Innovieren, Kaufen, Wissen austauschen, Plattformen zusammenbringen, gemeinsam wachsen. Da steckt ganz viel Musik drin. Für Lovoo ist das definitiv das nächste Level.

War der Deal eine Entscheidung von jetzt auf gleich oder ein langer Prozess?

Das war keine Spontanaktion. Wir haben uns 2015 auf einer Messe in Barcelona kennengelernt und sind seitdem in Kontakt.

Hätte es Alternativen zu Meet gegeben?

Natürlich gibt es mehrere Interessenten, wenn man ein gutes Produkt und viele loyale Nutzer hat. Aber die Meet Group ist für Lovoo der beste Partner – auch weil wir uns auf Augenhöhe begegnen. Wir konnten uns nicht vorstellen, in einen Konzern eingegliedert zu werden und ein kleines Licht unter vielen zu sein.

Kann Lovoo künftig noch autark arbeiten, und wie unterscheiden Sie sich von den anderen Marken der Gruppe?

Meet hat mehrere Standorte, so in New Hope bei New York und in San Francisco. Wir bleiben unabhängig. Das Schöne an der Gruppe: Wir können uns austauschen, voneinander lernen und machen keine Fehler zweimal. Wir sollen die starke Präsenz von Meet in Europa werden. Vielleicht kommt die eine oder andere Marke hinzu.

Haben die Standorte gleiche Geschäftsfelder? Oder sind die einen eher auf Anbahnung langlebiger Partnerschaften aus und andere, flapsig gesagt, auf die Vermittlung der „schnellen Nummer“?

Die anderen Plattformen sind US-lastig und unterscheiden sich bei den Zielgruppen. Da richtet sich etwa das Portal Tagged speziell an Afroamerikaner. Andere haben den Fokus auf Live-Streaming, wo man andere Menschen im Alltag begleiten kann. Das ist in China ein großer Trend. Lovoo zielt auf Kennenlernen, Flirten, Liebe und Heirat.

Ist das, was Lovoo zum Verhängnis wurde, für die Amerikaner von Belang?

Unsere Partner legen großen Wert auf Transparenz. Sie haben sich bei uns bis ins Detail angeschaut, was gelaufen ist – und gemerkt, dass die Vorfälle ein Wachrüttler waren. Wir haben viel umgesetzt, um das Vertrauen der Kunden und Partner zu stärken: auch eine offenere Kommunikation, Compliance-Regeln, Algorithmen, die Fake und Spam erkennen und ein quartalsweiser „Fake and Transparency Report“.

Vor einem Jahr wurde das Verfahren eingestellt. Haben Sie mit etwas Abstand eine andere Sicht auf die Dinge?

Es war eine wichtige Erfahrung. Sie gehört nun zu unserer Historie, das darf man nicht verleugnen. Wir hatten damals mit der Staatsanwaltschaft kooperiert. Daher waren wir vom massiven Polizeieinsatz bei der Durchsuchung schon überrascht.

Haben Ihnen Nutzer den Fehltritt übelgenommen und sich abgewandt?

Bei den Usern hat sich nichts geändert, das war nur medial zu spüren. Jeder, der offen ist für Dating-Apps, hat jemanden im Freundeskreis, der eine Geschichte erzählen kann über eine Liebe, eine Heirat, ein Kind, die auf Lovoo zurückzuführen sind.

Waren sich alle Gründer einig, dass nach fünf Jahren verkauft werden soll?

Wir waren uns einig, dass die Meet Group jetzt der beste Partner ist. Wir sehen ja, dass es eine Konsolidierung am Markt gibt.

Dresden hat jetzt ein paar Multi-Millionäre mehr. Quizmaster Günther Jauch fragt seine Kandidaten am Ende immer: „Was machen Sie mit dem Geld?“

Ich habe keine Pläne und konzentriere mich weiterhin ganz auf Lovoo.

Also sind Ihre Tage nicht gezählt, wie bei fünf der acht Firmengründer, die ausgeschieden sind oder es vorhaben?

Lovoo ist unser Baby. Ich hatte mit die Idee dazu. Es ist superspannend, jetzt so international zu sein. Und ich denke, alle, die an Bord sind, haben Bock auf diese Challenge.

Das Gespräch führte Michael Rothe.