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Das neue „Marina Garden“

Dresden hat die Pläne der Architektin Regine Töberich ersetzt. Nun braucht die Stadt die Investorin aber.

Von Sandro Rahrisch

Geschwungene Häuserwände, terrassenförmige Grünflächen zur Elbe hin und Tennisplätze mit Blick auf die Altstadt: Die Stadt hat ihren Entwurf für die geplante Wohnanlage an der Leipziger Straße vorgelegt, wo Architektin Regine Töberich ihr Projekt „Marina Garden“ verwirklichen wollte. Die neuen Pläne unterscheiden sich erheblich von denen der Investorin.

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Das soll an der Leipziger Straße entstehen: Freizeit-Grünfläche; Räume für Kreativwirtschaft; Wohnhäuser; Schornstein, war als Industriedenkmal geplant, ist aber bereits abgerissen; Villa Grumbt; Malteser Hilfsdienst. Visualisierung: Barcode Architecture/
Das soll an der Leipziger Straße entstehen: Freizeit-Grünfläche; Räume für Kreativwirtschaft; Wohnhäuser; Schornstein, war als Industriedenkmal geplant, ist aber bereits abgerissen; Villa Grumbt; Malteser Hilfsdienst. Visualisierung: Barcode Architecture/

Um welches Gebiet geht es, und was will die Stadt dort bauen lassen?

Das Gebiet, um das es geht, ist fast dreimal so groß wie der Altmarkt. Begrenzt wird es von der Elbe, der Leipziger Straße, der verlängerten Erfurter Straße und den Malteser-Gebäuden. Neben dem Hilfsdienst schließt es die Grumbt’sche Villa und das Grundstück von Regine Töberich ein. Überschrieben ist das Projekt mit dem Namen „Elbviertel Dresden“. Zwischen dem Elberadweg und den geplanten Gebäuden ist eine etwa 80 Meter breite, terrassenförmige Freizeit-Grünfläche geplant, zum Beispiel für Tennisplätze. Das Gebiet dient im Falle eines Hochwassers als Überschwemmungsfläche. An diese schließt sich ein Bereich an, der für Hochwasserschutzanlagen freigehalten wird. Der dafür zuständige Freistaat hat diesbezüglich aber noch keine Pläne. Dahinter wird das Areal aufgeteilt. Auf einem schmalen Streifen zur Leipziger Straße hin sollen Räume für die Kreativwirtschaft entstehen. Daneben sind vier Wohnhäuser mit geschwungenen Fassaden vorgesehen. Die niederländischen Architekten, für die sich der Bauausschuss entschieden hatte, schlagen zwischen 52 Wohnungen mit je 130 Quadratmetern und 136 Wohnungen auf je 65 bis 85 Quadratmetern vor. Unter den Häusern entstehen Tiefgaragen. Der alte Industrieschornstein sollte ursprünglich als Denkmal erhalten bleiben, ist aber bereits zurückgebaut worden. Die Grumbt’sche Villa und das Malteser-Gebäude werden Teil des neuen „Elbviertels“.

Wie unterscheiden sich die neuen Pläne vom Projekt „Marina Garden“?

Marina-Garden-Investorin Regine Töberich stellte sich Häuser mit rechteckigem Grundriss, Balkonen und einem abgestuften Obergeschoss mit vorgelagerter Terrasse vor. Die Gebäude sollten mit überdachten Freiluftgängen verbunden werden. Die Investorin beschrieb sie als „elegant gestaltete und klassizistisch anmutende großstädtische Baukörper“. Im Sinn hatte Töberich zunächst 320 Wohnungen, später noch 244 und am Ende 180. Die Bebauung sollte dichter an die Elbe reichen.

Warum scheiterte das Projekt „Marina Garden“ überhaupt?

Knackpunkt war der Hochwasserschutz. 2002 und 2013 überflutete die Elbe das Areal. Die Stadt beharrte auf einen Gebietsflutschutz für die Leipziger Vorstadt. Auch eine Mauer war im Gespräch. Töberich wollte ihre Anlage dagegen individuell schützen. Im Mai 2014 ist laut Rathaus ein Antrag auf einen Bauvorbescheid für die Errichtung von sechs Wohn- und Geschäftshäusern und einer Tiefgarage eingereicht worden, die im Notfall geflutet werden kann. Der Stadt reichte dies nicht als Schutz. Schließlich erwirkte der Stadtrat im Mai 2015 eine Veränderungssperre für das Gebiet und beschloss die Aufstellung eines neuen Bebauungsplanes.

Welche Chancen hat das Projekt „Elbviertel“, umgesetzt zu werden?

Regine Töberich besitzt immer noch einen Großteil des „Elbviertel“-Areals. Zwar sollte sie nach dem Willen der Stadt an dem neuen Bebauungsplan mitarbeiten, das lehnte sie allerdings ab. Schließlich gewann ein Architektenbüro aus Rotterdam mit seinem Entwurf. Nun gibt es drei Möglichkeiten: Töberich könnte den neuen Plan akzeptieren und danach bauen. Sie könnte ihr Grundstück aber auch zum Verkauf anbieten. Möglich wäre ebenfalls, dass sie die Immobilie behält und brach liegen lässt, womit das „Elbviertel“ Geschichte sein dürfte. Töberich ließ eine Anfrage zu ihren Zukunftsplänen am Donnerstag unbeantwortet. Der Bebauungsplan ist bislang nicht endgültig.

Was halten Dresdens Politiker

von dem neuen Plan?

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Zufrieden zeigte sich der Bauexperte der Linken im Stadtrat, Tilo Wirtz, damit, dass ein breiter Grünstreifen für den Hochwasserschutz unbebaut bleiben soll. Außerdem empfinde er die vorgeschlagene Architektur als wertiger. Nicht ganz abgeneigt ist der baupolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Gunter Thiele, von dem Entwurf. Er empfindet die Architektur als mutig und an dieser Stelle vorstellbar. Das ändere allerdings nicht, dass ein Investor vergrault worden wäre. Seiner Meinung nach hätte Töberichs Hochwasserschutz auch funktionieren können. Jedoch seien in diesem Streit alle Seiten auf Konfrontationskurs gegangen.