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Das neue Storchenpaar

In Paulsdorf haben sich Weißstörche niedergelassen. Das hat auch Folgen fürs Fest „Malter in Flammen“.

© Egbert Kamprath

Von Franz Herz

Dippoldiswalde. Paulsdorf hat eine neue Attraktion. Auf einem Nest neben dem Ausbildungs- und Trainingszentrum der Wasserwacht nistet seit diesem Jahr ein Storchenpaar. Es sieht zwar noch nicht danach aus, dass es brütet. Aber das ist kein Grund zu Besorgnis, sondern bei einem Jungstorch im ersten Jahr normal, wie Andreas Kunzmann sagt. Er ist ehrenamtlicher Regionalbeauftragter beim Naturschutzdienst und kümmert sich um die Weißstörche im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Im ersten Jahr geht es für das Männchen vorrangig darum, sich seinen Horst zu sichern. Brüten steht dann erst im Folgejahr an.

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Es ist auch nicht sicher, ob es den Störchen in Paulsdorf auf Dauer gefällt. Doch damit sie nicht verunsichert werden, nehmen auch die Macher des jährlichen Festivals „Malter in Flammen“ Rücksicht. „Wir hatten eine Runde mit den Naturschutzbehörden und dabei eine Lösung gefunden, wie wir unser Feuerwerk umstellen, sodass es die Störche möglichst wenig stört“, sagt Klaus Kaiser, Geschäftsführer der Weißeritztal-Erlebnisgesellschaft, die das jährliche Fest im Juli rings um die Talsperre organisiert. Der Kompromiss sieht so aus, dass der Ponton, von dem aus das Wasserfeuerwerk startet, ein wenig in Richtung Staumauer verschoben wird, also weg vom Storchennest. Und die Teile des Spektakels, die von Land aus in den Himmel steigen, werden nicht in Paulsdorf abgefeuert, sondern von der gegenüberliegenden Seite der Talsperre. „Das kann sogar ein schöneres Bild als bisher geben“, erwartet Kaiser.

In der Umgebung der Talsperre Malter könnte ein Storchenpaar durchaus seine Lebensgrundlage finden. Aus diesem Grund wurde beim Bau des Wasserwachtzentrums eine Nisthilfe mit errichtet. „Wenn so ein Angebot besteht, nimmt der Storch das dankbar an“, sagt Kunzmann. Dass der an den Uferflächen der Talsperre, die jetzt trocken liegen, eventuell besser Nahrung findet, ist dann ein Extra, das obendrauf kommt. Aber der Fachmann geht davon aus, dass die Störche rings um die Talsperre auch noch genug Futter finden, wenn der Wasserspiegel wieder höher steigt.

Eines der Paulsdorfer Tiere hat einen Ring. Damit ist es möglich, Auskunft zu bekommen, woher er stammt. Die Naturschutzbehörde im Landratsamt hat dazu auch eine Anfrage an die Vogelwarte gestellt, aber bisher noch keine Antwort erhalten. Denkbar wäre, dass es sich um einen Jungstorch handelt, der im vergangenen Jahr von dem Storchenpaar in Reinholdshain aufgezogen wurde.

Das dortige Paar hatte letztes Jahr fünf Junge, von denen aber die drei Kleinsten aus dem Nest genommen werden mussten, weil einer der Altvögel gesundheitliche Probleme bekommen hat. Er konnte sich nicht mehr ausreichend um den zahlreichen Nachwuchs mit kümmern. Die drei kleinen Störche kamen in den Storchenhof Lohburg in Sachsen-Anhalt und sind dort groß geworden, wie Kunzmann erfahren hat. Weitere Nachrichten bekam er dann nicht mehr.

In Reinholdshain ist das Storchenpaar treu wieder zurückgekommen. Über Ostern hat es seinen Horst wieder in Besitz genommen, wie die Schüler der benachbarten Förderschule erfreut beobachtet haben. Derzeit sieht es aus, als ob es brütet.

Damit sind die beiden Storchenpaare in Reinholdshain und Paulsdorf diejenigen Weißstörche, die sich am weitesten ins Osterzgebirge vorgewagt haben. Die nächsten Storchennester sind in Possendorf und Wilsdruff zu finden.

Die Bedingungen für die Großvögel sind hier nicht optimal. Das Klima ist rauer und das Nahrungsangebot an Fröschen, Mäusen oder Blindschleichen nicht so gut wie beispielsweise im Raum Riesa-Großenhain oder in der Lausitz, wo deutlich mehr Störche leben als in unserer Region.