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Das Schneidern im Blut

Sie studierte Gesundheits-Management. Nun lebt Mandy Corßen-Rentsch aus Königsbrück für ihr eigenes Sachen-Label.

© René Plaul

Von Ina Förster

Königsbrück. Wenn die Nähmaschine surrt, dann ist Mandy Corßen-Rentsch zufrieden. Das Bauchgefühl sagt ihr, dass sie angekommen ist. In ihrer Welt. Wo Arbeit Spaß machen darf und soll. Seit dem 10. März ist es offiziell und sie ist ihre eigene Chefin. Für ihr Mode-Label „Von Engelshand“ hat sie sogar den ursprünglichen Beruf der Gesundheits-Managerin aufgegeben. „Ehrlich? Mein Mann Daniel hat mich ganz schön in diese Richtung geschubst. Und dafür bin ich ihm dankbar“, sagt die 28-Jährige. „Er meinte immer: Wenn du nähst, siehst du richtig glücklich aus. Und was gibt es Besseres, als bei der Arbeit glücklich zu sein?“Irgendwie fühlt sich das Ganze mittlerweile nicht mehr nach Arbeit an. Die Königsbrückerin genießt das Gefühl.

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Dabei hat sie erst 2011 mit der Näherei angefangen. „Da wollte ich meinem Patenkind eine individuelle Babydecke schenken. Ich habe ewig gesucht und mir dann gedacht: Mensch, der Opa ist doch Schneidermeister. Was tue ich hier eigentlich? Der kann mir das eigentlich mal zeigen“, erinnert sie sich schmunzelnd.

Vom Opa geerbt

Und los ging es. Während ihre Mutter das Schneidern nicht zu ihren Hobbys zählt, wird die Enkeltochter in den Bann gezogen. „Manchmal überspringt das eine Generation“, sagt Mandy Corßen-Rentsch. Seitdem kommt sie nicht mehr weg vom Stoff. In den letzten Jahren entwickelte sich die Neugierde zum Nebenerwerb. Freundinnen, Familie, Bekannte – alle wollten plötzlich genau das Röckchen, die Strampelhose oder die Mütze für ihren Nachwuchs, die sie als Geschenk bei einem Geburtstag gesehen hatten. Ihren Opa Horst Rietig kennt noch heute jeder in der Stadt. Seine Maßschneider-Werkstatt war über die Grenzen bekannt. Mit 83 Jahren ist er noch fit und freut sich über die Pläne seiner Mandy. „Mittlerweile bestellt er sogar bei mir etwas, wie kürzlich eine Tasche aus Kork, die er verschenken wollte“, lacht die junge Frau. Ihr liegt das Schneidern ganz offensichtlich im Blut. In ihrem Arbeitszimmer gibt es neben Nähmaschinen, Zuschneidetisch, geschmackvollen Stoffen und Utensilien ein klitzekleines Fotostudio. Die in Handarbeit gefertigten Sachen – zu 80 Prozent für Kinder – werden von hier aus abgelichtet und über ihren Web-Shop vermarktet. Ihr Studium zur Gesundheits-Managerin hilft in vielen marketing- und betriebswirtschaftlichen Dingen. Sie selber hat den Beisatz „Kleines Nähfeines mit Liebe genäht“ gewählt. „Meine Kundschaft mag das Individuelle, ich schneidere viele Sonderwünsche – deutschlandweit. Aber auch nach Österreich, in die Schweiz, Luxemburg oder Südafrika habe ich schon Päckchen abgeschickt“, freut sich Mandy Corßen-Rentsch. Allein die Verpackung, handschriftlich adressiert und mit Logo-Aufkleber verziert, bezaubert die Kunden. Dass sie ein großes Herz hat, zeigt sich in ihrem Engagement für die kleine Marie. Die wohnt an der Ostsee, ist körperbehindert und ein besonderes Patenkind. Über die Facebook-Gruppe „Näh-Paten by Angies Elfenknöpfchen“ hat sie deren Mama kennengelernt und schneidert seitdem für das einjährige Mädchen allerliebste Kleidung – maßgerecht für ihre Bedürfnisse. Und kostenlos. Der Kleinen fehlen die Unterarme. Eine Herausforderung für die Schneiderin, die selbst irgendwann gern Mama werden möchte. Die Zeichen für „Von Engelshand“ stehen in jeder Form auf Zukunft …

www.vonengelshand.com