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Datenpanne und verlorene Anmeldungen

Eltern und Verbände kritisieren das neue E-Kita-System. Manche Anfragen landen gar nicht erst bei den Kitas.

© Steffen Füssel

Von Christiane Raatz

Im Krabbelkurs, den Katrin Klemm mit ihrem acht Monate alten Sohn Jonathan besucht, wird vor allem über ein Thema diskutiert: Wie bekommt man am besten einen Kitaplatz? „Viele Mütter klagen darüber, dass es mit dem neuen Online-Portal schwer ist“, erzählt Katrin Klemm. Vor allem bei den Kitas in freier Trägerschaft scheinen einige Anmeldungen nicht anzukommen, sagt Klemm. So war es zumindest bei ihr: Die 35-Jährige hatte unter anderem die Kita Mundwerk in der Kipsdorfer Straße auf ihrer Wunschliste angegeben – und von der Stadt eine Absage bekommen. „Ich habe dann bei der Leiterin angerufen, die hatte gar keine Anfrage von uns bekommen“, sagt die dreifache Mama, die mit ihrer Familie in Striesen wohnt. Dabei habe es zu dem Zeitpunkt im vorigen Herbst noch freie Plätze gegeben.

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Katrin Klemm ist verunsichert und weiß nicht, ob sie sich selbst bei den Kitas melden sollte. „Eigentlich heißt es ja, dass man sich zentral anmelden soll.“ Mitarbeiter der Stadt hätten eingeräumt, dass das System noch nicht komplett funktioniere, immer wieder mal Anfragen rausfallen. „Das ist frustrierend und ärgerlich“, sagt Klemm, die bis heute noch keinen Kitaplatz für Jonathan hat.

Frustrierend und ärgerlich

Zum 1. September 2013 hat Dresden die elektronische Kitaplatz-Vergabe E-Kita eingeführt. Seitdem können Eltern ihre Kinder per Mausklick in einer Kita anmelden – zentral für alle Einrichtungen in städtischer und freier Trägerschaft. Mehr als 4.000 Dresdner haben bisher davon Gebrauch gemacht. „Das Elternportal ist voll funktionsfähig und sollte auch genutzt werden“, sagt ein Sprecher der Stadt. Nur so lassen sich Doppelanmeldungen vermeiden, heißt es. Zwar stehen einige Funktionen wie die interne Platzvermittlung oder das Abrechnungsverfahren noch nicht zur Verfügung – auf die Anmeldungen der Eltern habe dies aber keinerlei Auswirkung, betont die Stadt. Bis Ende März will die Herstellerfirma nun die vereinbarten Funktionen nachliefern. Dem Rathaus hat das neue E-Kita-System bisher allerdings kaum Erleichterung gebracht. Viele Anträge müssen immer noch per Hand bearbeitet und an die Kitas geschickt werden.

Gerade diesen Punkt hält Carsten Schöne für kritisch. „Hier liegt eine erhebliche Fehlerquelle“, sagt der Leiter der Dresdner Geschäftsstelle des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Schöne ist zudem Mitglied im Jugendhilfeausschuss der Stadt. Auch ihm sind Fälle bekannt, in denen die Anmeldungen der Eltern nicht bei den Kitas landeten – vor allem bei Einrichtungen in freier Trägerschaft. „Dieser Zustand ist unerträglich für Eltern und Kitas“, sagt Schöne. Kitas haben organisatorischen Aufwand, Eltern wissen nicht, ob ihr Antrag auch ankommt. Schöne rät den Eltern deshalb, in ihrer Wunschkita nachzufragen. Prinzipiell sei ein zentrales Vergabesystem gut und richtig, betont er. Nur sollte die Stadt nicht mit einem unfertigen System ans Netz gehen. Schließlich werden auch persönliche Informationen wie Name, Anschrift und Geburtsdatum zwischen Stadt und Kitas übermittelt. Erst im vergangenen November hat es eine Datenpanne gegeben, wie die Stadt auf SZ-Anfrage bestätigte. Dabei sind sämtliche 2.700 aktuelle Anmeldungen nicht nur an die betreffenden Kitas, sondern an alle Einrichtungen der Stadt gegangen. Schöne spricht von einem „groben Verstoß“. Bereits vor dem Start von E-Kita hatte der sächsische Datenschutzbeauftragte Fragen beim Umfang der Datenerhebung angemeldet. Daraufhin besserte die Stadt nach.

Heute kommt der Jugendhilfeausschuss wieder zusammen, dann soll auch über die E-Kita diskutiert werden. Tut sich nichts, will Schöne möglicherweise einen Antrag stellen, das System vorübergehend vom Netz zu nehmen.

Beschwerden von Eltern hat es laut Stadt noch nicht gegeben, einige Träger dagegen haben Probleme signalisiert, heißt es. Manche Eltern sind zudem verunsichert, weil ihr persönliches Log-in bei E-Kita bisher nach zwei Monaten gelöscht wurde – unabhängig von einer erfolgreichen Vermittlung. Das soll sich jetzt ändern, verspricht die Stadt.

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Im Juni möchte Katrin Klemm gern wieder ihr Fernstudium in Vollzeit aufnehmen. Zwar gibt es Aussicht auf einen Kitaplatz in Klotzsche. „Das ist aber organisatorisch nicht machbar.“ Ihr Mann arbeitet im Schichtsystem, morgens muss sie die beiden größeren Söhne zur Kita in der Nähe schaffen. Auch dort gibt es bisher keinen Platz für Jonathan.