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Demnächst mit großer Besetzung

Der Kreischaer Filmemacher Jeremias Erbe hat einen Nachwuchspreis gewonnen. Jetzt plant er eine Heldengeschichte.

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© Andreas Weihs

Von Dorit Oehme

Kreischa. Die einen verlassen beim Abspann den Saal. Die anderen kosten den Kinostreifen bis zum Schluss aus. Sie merken sich noch schnell ein, zwei Songtitel, bevor der Film auf der Leinwand entschwindet. „Meine Mutter hat auf einem Abspann meinen Vornamen gefunden, als sie mit mir schwanger war“, sagt Jeremias Erbe. Ihr gefiel der französische Name Jeremy, den sie von Freunden im Elsass gehört hatte. Doch sie suchte noch die deutsche Entsprechung. „Im Kino wurde meiner Mutter klar, dass es ‚Jeremias‘ war. Deshalb habe ich eine besondere Beziehung zu Abspännen“, so der Nachwuchs-Filmemacher.

Der 22-Jährige ist in Berlin geboren. Als er vier war, zog die Familie in den Kreischaer Ortsteil Kautzsch. Seine Leidenschaft zum Film an sich entfachte die Weltraum-Saga Star Wars. Als er 14 war, wollte er am Rechner den Laserschwerteffekt nachmachen. „Mit einem Freund suchte ich dafür im Dorf nach Stöcken. Wir setzten sie in Szene. Das war der Auslöser. Star Wars liebe ich bis heute“, verrät Jeremias Erbe schmunzelnd.

Schon als Schüler nahm der Kreischaer Kurzfilme mit Freunden vom Freitaler Weißeritzgymnasium auf. 2009 gründete er seine eigene Schülerfirma, die er – nach seinem Spitznamen – zunächst „Mias“ und schließlich „Mias Production“ nannte. „Wir haben schon immer groß gedacht und uns daran orientiert, wie es die Profis machen. Unsere Filme wurden aber auch von Anfang an angenommen.“ Überwältigend war der Ansturm, als Erbe mit anderen Gymnasiasten 2012 das 80-minütige Psycho-Drama „Last Tomorrow“ – in dessen Mittelpunkt ein Teenager stand – im Rundkino zeigte. 300 Fans bekamen für die Premiere im großen Saal keine Plätze mehr. „Das war das bisher größte Projekt.“

Drehbuch mit 90 Seiten

Hauptberuflich arbeitet Jeremias Erbe inzwischen als Mediengestalter für Bild und Ton. Er hat bei der Firma Avanga Filmproduktion in der Dresdner Rähnitzgasse gelernt und wurde nach dem Abschluss in diesem Jahr dort auch angestellt. Für seinen Prüfungsfilm „S I E“ gewann er Ende November im MDR-Sendezentrum Leipzig den Nachwuchspreis FineX. Damit werden jährlich die drei besten Prüfungsfilme junger Mediengestalter für Bild und Ton ausgezeichnet. 21 Teilnehmer aus ganz Mitteldeutschland hatten ihre Filme eingereicht.

In der Laudatio zu Erbes Beitrag „S I E“ zog die Jury das Fazit: „Das ist Film.“ Sie empfahl ihm auch, sich mit dem Streifen für größere Festivals zu bewerben. Von dem auf 700 Euro dotierten Preisgeld lud er zuerst die Hauptdarsteller und die Crew hinter der Kamera zum Essen ein. Mit dabei: Tom Pfeiffer, der auch den Hauptprotagonisten in „Last Tomorrow“ verkörpert hat. „Er lässt sich schon seit einem Jahr die Haare wachsen. Außerdem trainiert er im Fitnessstudio für den Film ‚Ray of hope‘, weil Tom dort auch oberkörperfrei auftritt“, verrät Jeremias Erbe. Der Action- und Abenteuerstreifen mit Fantasyanteilen ist der erste Spielfilm der Mias Production, die Jeremias Erbe mit Robert Scharf und Maximilian Elske gegründet hat. Zum Team gehören auch Lucas Gruhl und Moritz Gruhl. Alle kennen sich vom Gymnasium, meist vom Filmen.

„Robert habe ich noch am letzten Schultag kennengelernt.“ Alle gehen ihrem Studium oder Beruf nach, bringen aber ihre Erfahrungen ein. Anfang Januar sollen die Dreharbeiten zu „Ray of hope“ beginnen. „Es ist eine Heldengeschichte, die die zeitlichen Grenzen des Mittelalters überschreitet.“ Die Story hat Erbe mit Robert Scharf und Maximilian Elske verfasst. Das 90-seitige Drehbuch hat er dann „an vielen Orten der Welt“ geschrieben.

Gedreht wird in Kreischa und Umgebung sowie auf der Burg Frauenstein. Erstmals spielen Theaterdarsteller mit. „Insgesamt sind sehr viele Akteure dabei. Auch die Crew hinter der Kamera wird größer sein als bisher.“ Erbe konzentriert sich auf die Regiearbeit.

Freundin ist Inspiration

In der nächsten Zeit arbeitet er auch weiter an der Filmmusik. Seit seinem vierten Lebensjahr hat er Klavier gelernt. „Bei Musik stelle ich mir Geschichten oder Stimmungen vor. Dieses starke Vorstellungsvermögen haben wohl meine Eltern, die Musiker sind, in mir hervorgehoben.“

Vater Jens-Peter Erbe ist als Solo-Tubaist bei der Sächsischen Staatskapelle engagiert. Mutter Birgit Erbe ist studierte Akkordeonistin und Musikpädagogin. Sie arbeitet als Musikschullehrerin in Radebeul und tritt auch auf. „Mein Vater wollte eigentlich Rocker werden. Sein Traum wäre es, einmal in der Band von Bruce Springsteen den E-Bass zu spielen.“ Seine Mutter hat in der DDR zweimal den Pokal als beste Akkordeonistin des Landes erspielt und 1989 die Goldmedaille im „Grand Prix de la accordion“ in Straßburg gewonnen.

Der Küchentisch in Kautzsch ist ein kreativer Platz. „Hier arbeiten meine Eltern bis morgens 5 Uhr inhaltlich mit, wenn das Team von Mias Production plant.“ Es gibt zwar ein Stammlokal am Rundkino, in dem sich die Filmemacher zweimal pro Woche treffen. „Doch in den heißen Phasen geht es hier dann noch weiter.“ Im nächsten Winter will Jeremias Erbe mit „Ray of hope“, zu Deutsch: Lichtblick oder Hoffnungsschimmer, im Rundkino Premiere feiern. Im Abspann wird auch wieder der Name seiner Freundin stehen. „Sie ist eine große Inspiration und gute Kritikerin für mich. Sie unterstützt mich aber auch in den Drehphasen, in denen der Druck groß ist.“

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