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Der Biber gibt nicht auf

Bauten des Nagers mutwillig zu zerstören muss nicht sein, sagt ein Experte – und erklärt, warum die Tiere gut für Gräben sind.

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Von Eric Weser

Röderaue. Bei Raden ist der Biber los. Im Runzengraben, einem kleinen Gewässerlauf vom Runzenmoor in Richtung des Dorfs, hat der Nager einen Damm errichtet. Weil der die Lösch- und Brunnenwasser-Versorgung im Ort quasi gekappt hatte, schritt jemand zur Tat und öffnete den Damm. Laut Gemeindechef Lothar Herklotz (CDU) eine illegale Tat (SZ berichtete). Und dennoch eine, die von vielen begrüßt wird.

Am Runzengraben ist aber genau das geschehen.
Am Runzengraben ist aber genau das geschehen. © Eric Weser

Dabei gebe es durchaus legale Möglichkeiten, dem tierischen Wasserbauer seinen Damm zu lassen – und dennoch für einen Wasserdurchfluss zu sorgen. Sagt jemand, der sich seit drei Jahrzehnten intensiv mit dem Thema Biber beschäftigt. Gottfried Kohlhase, 80, leitet die Fachgruppe für Biberschutz in der Region Torgau beim Naturschutzbund. „Man kann ein Rohr in den Damm bauen, eine Art Drainage, sodass immer ein gewisser Abfluss gewährleistet ist“, sagt Kohlhase. Wichtig sei dabei, dass auch der Biber trotz allem noch genügend „Wasser unterm Bauch“ habe. Eine andere Möglichkeit könnte auch sein, den Staudamm etwas herabzusetzen.

Dass der Biber einen Damm aufgibt, nur weil Menschen ihn zerstören, davon könne man nicht ausgehen, sagt der Experte aus Torgau. Das Tier werde „immer wieder bestrebt sein, den Staudamm möglichst hoch zu bauen“. So gestalte das Tier seinen Lebensraum. „Das ist das Großartige am Biber“, meint Naturschützer Kohlhase.

Laut dem Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie gab es der aktuellsten Übersichts-Erfassung von 2014 in Sachsen etwa 1 500 Biber an mehr als 400 Ansiedlungen.

Auf dem Vormarsch glaubt Gottfried Kohlhase den Nager nicht. „Eine gewisse Ausbreitungstendenz ist schon noch da.“ In seiner Heimatregion gebe es aber kaum noch freie Räume. Wenn junge Tiere aber auf Wanderschaft gehen und geeignete Orte finden, könnten auch vormals biberfreie Stellen plötzlich von dem nachtaktiven Nager in Beschlag genommen werden.

Neu oder nur bisher nur unbemerkt

Anwohner aus der Röderaue hatten den Biber im Bereich des Runzenmoors als eher neues Phänomen bezeichnet. Laut der Unteren Naturschutzbehörde beim Meißner Landratsamt ist der Biber dort aber schon „seit Längerem“ heimisch.

Dass die Biber sich wie in Raden Gräben für ihre Stau-Bauwerke aus Ästen und Zweigen aussuchen, komme häufiger vor, sagt Gottfried Kohlhase. Und das habe sogar Vorteile, denn dadurch würden die Gräben gerade in Trockenzeiten als Feuchtbiotope erhalten. Die Kehrseite ist, dass durch den Wasserstau oft landwirtschaftliche Nutzflächen neben den Gräben unter Wasser gesetzt werden. „Deshalb sind Grabenbiber bei uns die Sorgenbiber“, sagt Gottfried Kohlhase. Für solche Probleme finde man aber immer eine Lösung. Wichtig für Betroffene wie zum Beispiel die Landwirte sei es, Ansprechpartner zu haben. Das können ehrenamtliche Biberberater sein. Aber auch bei den Naturschutzbehörden gebe es Auskünfte zum Umgang mit dem Tier. Oder die Kontaktstelle für Bibermanagement in Bad Düben.

Ohne Rücksprache mit Fachleuten Hand an Biberbauten oder gar die Nager selbst anzulegen, davon rät Gottfried Kohlhase tunlichst ab. Nicht zuletzt, weil bei Zuwiderhandlungen hohe Geld- oder sogar Freiheitsstrafen drohen können. Laut dem Umweltamt sind Zerstörungen an Dämmen und Biberburgen eher selten. Vor einigen Jahren war bei Torgau allerdings eine Burg angezündet und so zerstört worden.

Gottfried Kohlhase kann sich auch an einen Fall erinnern, in dem ein Landwirt mehrere Hundert Euro zahlen musste, weil er eines der geschützten Tiere erschossen hatte. „So weit sollte es aber gar nicht erst kommen“, mahnt der Biber-Experte aus Nordsachsen. Dass Menschen und Biber in Frieden zusammenleben, sei möglich.