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Der die Biwak-Pläne in der Hand hat

Zum Partnerschaftsfest in Hohnstein ertönen auch Kanonenschüsse. Die Veranstalter wollen aber nicht Krieg spielen.

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© Steffen Unger

Von Anja Weber

Hohnstein. Der Neustädter Bernd Schaller ist mit seinen Skizzen derzeit oft auf dem Hohnsteiner Sportplatz unterwegs. Er plant das Biwak, das vom 10 bis 12. Juni in Hohnstein stattfindet. Anlass ist das Fest 25 Jahre Städtepartnerschaft. Und als ein Besuchermagnet wird das Biwak organisiert, das mit einer historischen Gefechtsdarstellung um 1830 auf der Napoleonschanze am 11. Juni, 16 Uhr, seinen Höhepunkt findet. Bereits ab Donnerstag beginnt der Aufbau auf dem Sportplatz. Die Truppen selbst rücken dann am Freitag an.

Bernd Schaller ist der Cheforganisator des Spektakels, das zum Partnerschaftsfest vom 10. bis 12. Juni stattfindet. Etwa 300 Personen wollen auf der Napoleonschanze ein Gefecht nachstellen.
Bernd Schaller ist der Cheforganisator des Spektakels, das zum Partnerschaftsfest vom 10. bis 12. Juni stattfindet. Etwa 300 Personen wollen auf der Napoleonschanze ein Gefecht nachstellen. © Dirk Zschiedrich

Das Biwak der Soldaten wird auf dem Sportplatz eingerichtet. Bereits festgelegt ist, wo ihre Zelte stehen und die offenen Kochstellen eingerichtet werden. Abends sitzen hier die Soldaten und beratschlagen ihre Strategien für das Gefecht. Bernd Schaller ist der Experte für das Jahr 1813, in dem die napoleonischen Truppen durch die Region und eben auch durch Hohnstein zogen. 40 000 Mann sollen es gewesen sein. So viele sind es bei Bernd Schaller nicht. Immerhin haben sich aber 300 Teilnehmer angekündigt. Die Einladungen hat er an verschiedene Gruppen verschickt. Und wer möchte, nimmt eben an dem Hohnsteiner Biwak teilt. Meist sind es Truppenteile, die sich von anderen Treffen her kennen.

Doch wie kam Bernd Schaller dazu? Angefangen hatte alles mit den Kinderexpeditionen, eine Ferienfreizeit, bei denen die Kinder auf Entdeckungsreise gehen und die Zeit um 1813 in der Region nacherleben konnten. Schaller hat diese organisiert. In seinen Unterlagen von damals finden sich Zeichnungen, die zeigen, wo die Truppen entlangmarschiert sind, wo es Gefechte gab. Und eben diese Zeichnungen zum Beispiel von der Napoleonschanze bilden nun die Grundlage für das Biwak, welches er in Hohnstein organisiert. „Uns geht es nicht darum, Krieg zu spielen. Wir wollen die Geschichte nacherleben und sie eben auch lebendig zu halten“, sagt er.

Wie das Biwak in Hohnstein aussehen soll, steht bereits fest. Die Plätze sind genau eingeteilt. Schließlich baue man hier ein militärisches Lager auf und keinen Campingplatz. Im Unterschied zu früher schlafen in den Zelten heute allerdings nur zwei und nicht mehr acht Personen. Etwas komfortabler wolle man es da schon haben. Ansonsten ist alles stilecht, sogar die Uniformen. Dafür greifen manche ziemlich tief in die Tasche.

Der Neustädter hat sich da einige Tricks einfallen lassen. Die Posamenten für die Uniform stellt er zum Beispiel selbst her und hat auch schon einige andere damit versorgt. Seine Frau, die auch immer mit auf Tour ist, hat ihr Brautkleid umgearbeitet. Und wer sich in der Truppe auszeichnet, dem werden auch Orden zu teil. Eine bunte Uniform könne sich jeder anziehen. Doch er müsse seine Aufgaben eben auch erfüllen. Bernd Schaller ist schon mehrmals aufgestiegen und kann sich jetzt als Premier Leutnant im Ingenieurwesen im Dienste seiner Majestät des Königs von Sachsen nennen.

Zum Biwak in Hohnstein ist es ihm gelungen, rund 100 Mann sächsischer Regimenter vor Ort zu haben. Auch die kaiserlich-russisch-deutsche Legion hat sich angemeldet, russische Jäger, das 42. Linien Regiment aus Österreich, die preußische Garde, preußische und sächsische Artillerie werden bei der Gefechtsdarstellung auf der Napoleonschanze aufeinandertreffen. Auch eine Gruppe aus Tschechien hat sich angekündigt. Auf der Napoleonschanze geht es dann richtig zu Sache. Während 1813 dort nicht gekämpft wurde, schallen 2016 die Kanonendonner. Wegen des Lärmpegels empfehlen die Veranstalter den Besuchern, dass sie weder Hunde noch kleine Kinder mitbringen sollen.

Und die Hohnsteiner müssen sich darauf einstellen, dass Freitagabend die Soldaten durch die Stadt ziehen und an den Türen nach Proviant klingeln. Deshalb wäre es nicht schlecht, wenn die Einwohner etwas mehr einkaufen. Denn an etwa 300 Personen wollen zusätzlich verpflegt werden.

Anders als 1813 werden die Soldaten nicht als Räuber über die Nahrungsvorräte herfallen. Sie haben sogar Spendenbescheinigungen dabei. Das Biwak ist aber nur ein Teil des Partnerschaftsfestes. Ein Familiennachmittag, bunte Bühnenprogramme und vieles mehr werden geboten. Außerdem stellen sich die Partnerstädte vor.

Festprogramm unter