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Der Direktor ist zu Hause

Für die Residenz am Zwinger kehrte der Weltenbummler Thomas Raupach nach Dresden zurück – inklusive Schnauzer.

© Sven Ellger

Von Henry Berndt

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Er wollte immer so gern einen Vollbart haben, so wie sein Papa in Radeberg früher. „Leider bin ich aber nicht mit Vollbartgenen gesegnet“, sagt Thomas Raupach und lacht über das ganze Gesicht, sodass ein Schnauzer ganz schmal wird. Er lässt ihn sich erst seit ein paar Monaten stehen, seit er zurück in Dresden ist. Vorher hatte er in Leipzig beruflich mit Reinräumen zu tun, da waren Haare im Gesicht nicht so angebracht. Doch der Schnauzer passt zu seinem leicht extravaganten Dandy-Look, seine Frau findet ihn okay, und er ist eine neue visuelle Herausforderung vor dem Badezimmerspiegel.

Herausforderungen hat Raupach mit seinen fast noch jugendlichen 41 Jahren schon so einige in Angriff genommen. Nach seiner Lehre zum Restaurantfachmann im Hilton zog es ihn beispielsweise direkt in die Vereinigten Arabischen Emirate, wo er im damals kleinsten Hilton der Welt arbeitete. Als Food and Beverage Operations Supervisor. Also quasi als Mädchen für alles. Nach anderthalb Jahren maximaler Fernbeziehung mit seiner damaligen Freundin zog er mit ihr nach Stuttgart, und studierte einfach mal Geschichte und Politik, um dabei festzustellen, dass wohl kein Wissenschaftler mehr aus ihm werden sollte. Also zurück ins Hotel – und warum nicht mal nach Wien. Eine berufliche und private Zäsur. Im größten Konferenzhotel Österreichs kümmerte er sich zehn Jahre lang um die Konferenzen, äh, es heißt natürlich, er war Conventions and Events Operations Manager. Später übernahm er in Wien noch die Leitung eines Hotels, das zu einem katholischen Schwesternorden gehörte – mit eigener Kirche.

„Lange konnte ich mir nicht vorstellen, einmal zurück nach Hause zu kommen“, sagt er. Einen richtig guten Grund fand er dann aber doch. Er lernte in Wien seine Frau Helene kennen, die aus Radebeul stammt. 2014 heirateten sie und bekamen eine Tochter. Und die sollte Oma und Opa in der Nähe haben. Inzwischen wohnt die Familie idyllisch am Waldrand in Bühlau. Ganz in der Nähe leitet Helene das kleine Apartment Hotel Little Suites.

Ein Sachse mit Wiener Schmäh

Thomas Raupach ist zurück zu Hause, ein Sachse in Sachsen mit einem kleinen Hang zum Wiener Schmäh. Eigentlich wollte er gar nicht so viel über sich selbst lesen, sondern viel lieber über seine neueste Herausforderung. Seit wenigen Monaten ist er Direktor der Residenz am Zwinger, eines luxuriösen Apartmentkomplexes, der noch gar nicht offiziell eröffnet ist. Dazu gehören insgesamt 189 Wohnungen, wobei 86 verkauft sind und 103 möbliert vermietet werden – ein in Dresden bislang einmaliges Konzept. „Wir sind kein Hotel, haben kein Restaurant und keinen Wellnessbereich, aber wir bieten voll ausgestattete Apartments mit allen Annehmlichkeiten“, sagt er. Quasi Fünf-Sterne-Ferienwohnungen, vor allem für Geschäftsleute, aber auch für Familienurlauber und Touristen, die zumindest drei Tage in der Stadt bleiben wollen. „Gern auch länger“, sagt Raupach. Ein Apartment mit Glaskeramik-Kochfeld, Wein-Kühlschrank und Fußbodenheizung gibt es ab 990 Euro im Monat. Die meisten bieten ein zweites Schlafzimmer, viele einen unbezahlbaren Blick auf den Zwinger und jedes biologisch abbaubare Pads für den Kaffeeautomaten.

„Ein großartiges, geiles Projekt, auf das ich jetzt schon stolz bin, bevor es überhaupt richtig begonnen hat“, schwärmt Raupach. „So eine Ausstattung gibt es doch im Hotel höchstens in der Präsidentensuite.“ Schon seit Dezember werden die ersten 25 Wohnungen im Haus E vermietet. Kommende Woche steht die Abnahme der Wohnungen in Haus C an. Haus D ist noch in Vorbereitung. Wenn alles klappt, wird Raupach Mitte März den endgültigen Startschuss geben können. Bis dahin leitet er hier quasi eine Baustelle, koordiniert Handwerker, lässt Wohnungen abnehmen, führt aber parallel dazu bereits sein Team von zehn Mitarbeitern, die sich um das Wohl der Gäste kümmern.

Schloss Moritzburg für die Wand

„Diese Gestaltungsfreiheit hat für mich einen großen Teil des Reizes ausgemacht“, sagt er. Nicht zufällig habe er sich gerade hier beworben. Teil von etwas Neuem zu sein, das ist sein Ding. Natürlich muss er sich auch nach den Wünschen des Eigentümers richten, der tschechischen Investorengruppe CTR, die in Prag seit 2008 einen ganz ähnlichen Apartmentkomplex betreibt. Aber Thomas Raupach ist nicht als Frühstücksdirektor gekommen. In seinem hellen, aber noch etwas kargen Büro neben der Rezeption stehen noch eingepackte Bilddrucke von Schloss Moritzburg und dem Blauen Wunder. Die sind allerdings nicht etwa für seine Wände gedacht, sondern sollen die Apartments noch wohnlicher machen.

Über Raupachs Schreibtisch hängt ein Grundriss der Tiefgarage. Die Stellplätze müssen noch verteilt werden. Der Herr Direktor macht das schon.