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Der doppelte Kampf des Mike Mohring

Thüringens CDU-Chef kämpft gegen den Krebs. Und er will Ministerpräsident werden. Kann er beides schaffen?

Mike Mohring, Fraktionschef und Landesvorsitzende der CDU in Thüringen, ist an Krebs erkrankt. In Apolda sprach er beim politischen Aschermittwoch seiner Partei. © dpa/Bodo Schackow

Von Eike Kellermann, Erfurt

Er geht offen mit seiner Erkrankung um, die Folgen der Chemotherapie sind ja auch augenfällig. Mike Mohring war immer schlank, nun ist er schmal. Weil durch die Behandlung gegen den Krebs die Haare ausgefallen sind, trägt der Chef der Thüringer CDU eine Mütze. „Mützen für Mike“ hieß eine Aktion in den sozialen Netzwerken. Die Anteilnahme für ihn ist groß, über Parteigrenzen hinweg. „Danke, danke, danke“, sagt Mohring bei seiner Rede zum politischen Aschermittwoch in Apolda. Danke für die vielen Briefe, die er bekommen habe, für Wünsche, Gebete, Engel, Bücher und Mützen. „Noch nie habe ich so viel Zuspruch gespürt. Das hat mir Kraft und Zuversicht gegeben“, hatte er Tage zuvor in einem Gespräch mit der SZ gesagt.

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1.300 Leute waren in den Saal der örtlichen Brauerei gekommen. Für 15 Euro Eintritt gab es Hering mit Salzkartoffeln, Bier, so viel man mag, Blasmusik und Reden. Wenn es den Leuten nicht gefiele, würden sie nicht jedes Jahr wiederkommen, sagt Mohring.

In diesem Jahr ist es für ihn ein außergewöhnliches Heimspiel. Denn der 47-jährige Politiker ist an Krebs erkrankt. Vorigen Herbst bekam er die Diagnose. Zu Jahresbeginn machte er sie öffentlich. Daher hat das, was er zu Beginn seiner Aschermittwoch-Rede sagt, ein besonderes Gewicht. „Ich freue mich, dass ihr hier seid“, ruft er den Besuchern zu. „Und ich freue mich, dass ich da sein kann.“ Der Saal jubelt, klatscht, jemand schlägt eine Kuhglocke.

In dem Video, mit dem er seine Erkrankung selbst öffentlich machte, sprach er von einer Heilungschance von 95 Prozent. Inzwischen sei die Chemotherapie abgeschlossen. Ob sie angeschlagen hat, soll in einiger Zeit untersucht werden. Er habe sie „vergleichsweise gut vertragen“, sagt Mohring. So sei er – nach Absprache mit seinen Ärzten – schon während der Behandlung Skifahren gewesen. Diesen Monat ist ein weiterer Skiurlaub geplant.

Natürlich musste er seine Arbeit erheblich einschränken. Aber sein Ziel, bei der Landtagswahl im Herbst Rot-Rot-Grün abzulösen und selbst Ministerpräsident in Thüringen zu werden, sieht er durch die Erkrankung nicht gefährdet. „Ich fühle mich belastbar“, sagt er. Folgen für den Wahlkampf gebe es nicht. Der beginne ohnehin erst nach der Sommerpause.

Demnach hätte er genug Zeit für Genesung und Regeneration, um dann auch seine Anzüge wieder auszufüllen. Beim politischen Aschermittwoch in Apolda redet er schnell und gestikuliert viel, als wolle er jeden Verdacht im Keim ersticken, ihm könne die Kraft fehlen. Manchmal wird seine Stimme brüchig, kippt über. Nach seiner Rede geht er aufgekratzt zu den Freiwilligen, die die Heringsteller füllen und austragen. Immer wieder kommen Leute auf ihn zu, drücken ihm die Hand, umarmen ihn, wünschen alles Gute.

Für die Thüringer CDU ist das keine einfache Situation. Schließlich ist die Erinnerung wieder da an 2009 und den Skiunfall des damaligen Ministerpräsidenten und Spitzenkandidaten Dieter Althaus. „Völlig deplatziert“ sei es, den Unfall mit der Erkrankung Mohrings zu vergleichen, schimpfen zwei Parteimitglieder in Apolda. Mohrings Rede habe gezeigt, wie er trotz der gesundheitlichen Einschränkung kämpfe. So eine Krankheit gehöre zum Leben dazu, auch bei Politikern. Er habe genug Kraft, sie zu besiegen. Sorgen wegen des Wahlkampfs machten sie sich nicht.

Auch die anderen Parteien müssen einen Umgang finden mit Mohrings Krankheit. 2017 hatte Rot-Rot-Grün ihn hart angegriffen, weil die CDU durch eine Klage vor dem Verfassungsgericht die Gebietsreform zu Fall brachte, ein Kernprojekt der Koalition. Grünen-Fraktionschef Dirk Adams sagt, was dessen Gesundheit betreffe, wünsche seine Fraktion alles Gute zur Genesung. „Wenn er aber in den politischen Ring tritt, dann setzen wir uns nach den politischen Regeln damit auseinander.“

Derzeit scheint es so, als trete Mohring sogar häufiger in den Ring. So war er am Sonntag erstmals zum TV-Talk von Anne Will eingeladen. Beim politischen Aschermittwoch meinen Mitglieder der Jungen Union, Mohring wirke nicht angeschlagen. Den offiziellen Ton setzt an diesem Abend der frühere Thüringer CDU-Ministerpräsident Bernhard Vogel. Er bewundere Mohring für seinen mutigen Kampf mit der Krankheit, sagt er. Und fügt hinzu: „Lieber Mike, wir brauchen Dich. Wir stehen geschlossen hinter Dir.“

Mehr als hoffen, dass die Genesung vorankommt, können die rund 10.000 Thüringer CDU-Mitglieder eigentlich nicht tun – und eben ihren Zuspruch ausdrücken. Wie in Apolda. Die Besucher klatschen nach Mohrings Rede rhythmisch Beifall. Der CDU-Vormann winkt und klopft sich aufs Herz. Auch er scheint sich verändert zu haben.