Partner im RedaktionsNetzwerk Deutschland
Merken

Der erste Schritt für 289 Kilometer

Als unscheinbar wurde der Kammweg-Einstieg im Osterzgebirge kritisiert. Das wollte ein Geisinger nicht hinnehmen.

Teilen
Folgen
NEU!
© Frank Baldauf

Von Maik Brückner

Geising. Geising hat ein Fotomotiv mehr. Entstanden ist es am Geisinger Bahnhof, wo der Kamm-Wanderweg des Erzgebirges beginnt. Vor wenigen Tagen hat Frank Legler hier einen Strich auf den Asphalt gezogen. Darüber steht das Wort Kamm in Großbuchstaben als Abkürzung für Kammweg. Zu sehen ist auch ein Pfeil, der zeigt, in welche Richtung die Wanderer gehen müssen, wenn sie weiter in Richtung Blankenstein im Vogtland wandern wollen.

Kürzlich hat der Geisinger sein kleines Fotomotiv um die dreistellige Zahl 289 und das Kürzel km ergänzt. Denn so lang ist der Wanderweg, der in Geising startet. Dass sich Legler an seinen freien Sonntagen hier hinkniet und Farbe auf den Asphalt malt, überrascht nicht. Der Geisinger, der im Hauptberuf Architekt ist, ist Mitglied im Erzgebirgszweigverein. Wo es geht, bringt er sich ein, um den Tourismus im Ort zu fördern und zu stärken. Und dazu gehört auch der Kammweg, der vor fünf Jahren als Qualitätswanderweg eröffnet wurde und für den der Tourismusverband Erzgebirge deutschlandweit wirbt.

Startlinie kaum noch zu sehen

Damit der Wanderweg sein Qualitätssigel behalten darf, muss er drei Jahre neu bewertet werden. Dafür zuständig ist Birgit Knöbel. Sie ist in Auftrag des Tourismusverbandes den Weg in den letzten Wochen abgewandert. In Geising fiel ihr auf, dass der Einstieg noch Reserven hat. Zwar stehen hier zwei Infotafeln. Und auch die weißen Wanderhinweisschilder mit dem blauen Querbalken und den vier Großbuchstaben KAMM sind gut zu sehen. Doch ein schönes Fotomotiv, dass viele zu Beginn ihrer Wanderung vom Startpunkt erwarten, konnte sie am Startpunkt nicht ausmachen. Zwar sah sie auf dem Boden einen weißen Strich, der mal die Startlinie gewesen sein könnte. Doch der war verblast. Birgit Knöbel sah Handlungsbedarf. Und das war auch Frank Legler nicht entgangen. Denn er war es, der zur Eröffnung des Wanderweges vor fünf Jahren eben jenen Strich auf dem Asphalt gepinselt hatte. Allerdings erwies sich die Farbe nicht also robust wie angenommen. Deshalb griff er nun erneut zum Pinsel.

Den Wanderern dürfte es gefallen. „Die Ersten habe ich schon fotografiert“, berichtet Legler von seinen Begegnungen beim Malen. Aus seiner Sicht genügt der Startpunkt den Anforderungen. Viel mehr geht nicht, sagt auch Ortsvorsteher Silvio Nitschke (Wählervereinigung). Denn der Startpunkt befindet sich auf Privatgrund. Eine Verlegung zu einem kleinen Park in Richtung Stadtmitte hin hält weder er noch Frank Legler für sinnvoll. Birgit Knöbel kann sich indes vorstellen, dass noch ein Dachswegweiser an der Tafel aufgestellt werden könnte. Der Dachs ist das Maskottchen des Kammwanderweges, sagt sie. Und das soll er auch bleiben. Daran arbeitet der Tourismusverband, für den der Kammweg ein Magnet ist.

Um den 183 Kilometer langen Kammweg im Bereich des Erzgebirges abzuwandern, hat Frau Knöbel 13 Tage gebraucht. Die lief sie nicht hintereinander, sondern mit kurzen und längeren Pausen zwischen Ende April und Juni, ab. Pro Tag schaffte sie zwölf bis 17 Kilometer. Dabei wurde sie von Hoteliers, Wegewarten, dem Landrat des Erzgebirgskreises und Tourismus-Büro-Mitarbeitern begleitet. „Sie haben mir bestätigt, dass der Kammweg einen abwechslungsreichen Wegverlauf, tolle Aussichten, viel Natur mit Wald, Bergwiesen und Felslandschaften hat“, sagt sie. Überrascht hat sie, dass einige Anliegerkommunen die Zeit seit der Eröffnung genutzt haben, um den Weg aufzuwerten. So wurden am Aussichtspunkt Steinkuppe bei Holzhau eine neue Bank und ein Gipfelkreuz aufgestellt. Und am Lehmheider Teich bei Olbernhau, am Wanderparkplatz bei Satzung und am Teich unweit der Preißhausbuche bei Breitenbrunn haben Heimatfreunde überdachte Sitzgruppen errichtet.

Über diese Neuigkeiten hat sich Birgit Knöbel gefreut. Notiert hat sie sich aber auch die Schwachstellen. Im Altenberger Gebiet gab es nicht viele, sagt die Projektverantwortliche. Nur diese drei größeren fallen ihr ein: So lag im Kahleberggebiet ein Baum auf dem Weg, am Geisingberg war ein Holzgeländer beschädigt und oberhalb von Geising ist ihr eine kaputte Bank aufgefallen. „Diese Schäden habe ich der Stadt gemeldet“, sagt sie. Zumindest vom Baum weiß sie, dass er beseitigt wurde. Sie hofft, dass auch die anderen Mängel behoben sind. Denn Mitarbeiter des Deutschen Wanderverbandes werden demnächst einen Teil der Strecke ablaufen. „25 Prozent der Wegstrecke werden geprüft“, sagt Frau Knöbel. Das werde im Oktober und November passieren. Dann heißt es abwarten, ob die Tester zu einem ähnlichen Ergebnis kommen und das Qualitätssiegel erneuern.

Denn für die Zertifizierung von Wanderwegen ist im Bundesgebiet der Deutsche Wanderverband zuständig. Sollten dessen Tester auch nach Geising kommen, werden sie den neuen „Nullpunkt“ nicht übersehen. Denn Frank Legler hat ihn mit robuster Leuchtfarbe aufgetragen. „Die sollte mindestens zehn Jahren halten“, sagt Legler und schmunzelt.