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Der grausame Alltag im Lager

Am 23. April 1945 befreite die Rote Armee das Kriegsgefangenenlager in Zeithain. Zwischen 1941 und 1945 starben bis zu 30 000 sowjetische Gefangene. Das Sterben wurde von der Wehrmacht in Kauf genommen.

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Ganz vorsichtig und mit Baumwollhandschuhen fasst Jens Nagel, Historiker der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain, das Fotoalbum an. Vorne ist noch der Abdruck von Reichsadler und Hakenkreuz zu erkennen – die NS-Symbole sind nach dem Krieg wohl schnell beseitigt worden. Gleich darunter steht der Schriftzug „Meine Kriegserinnerungen“. „Solche Alben sind zu Tausenden an Wehrmachtssoldaten verkauft worden“, weiß Nagel. „Die Nazis haben aus Propaganda-Zwecken die Soldaten ja sogar ermuntert, ihre Erlebnisse in solchen Büchern festzuhalten.“

Baracken aus Holz und Stein Ausblick von einem Wachturm am Eingang zur südlichen Lagerstraße im Winter 1941/42: Neben Holzbaracken, die ursprünglich als mobile Unterkunft für Bauarbeiter konstruiert worden waren, sind im Hintergrund Steinbaracken zu sehen
Baracken aus Holz und Stein Ausblick von einem Wachturm am Eingang zur südlichen Lagerstraße im Winter 1941/42: Neben Holzbaracken, die ursprünglich als mobile Unterkunft für Bauarbeiter konstruiert worden waren, sind im Hintergrund Steinbaracken zu sehen
Leben unter freiem Himmel Die hygienischen Zustände unter den für August 1941 gemeldeten rund 32000 Gefangenen waren katastrophal. Provisorische Latrinen und keine Möglichkeiten zur Körperhygiene führten zur Verbreitung von Krankheiten. Die Gefangenen suc
Leben unter freiem Himmel Die hygienischen Zustände unter den für August 1941 gemeldeten rund 32000 Gefangenen waren katastrophal. Provisorische Latrinen und keine Möglichkeiten zur Körperhygiene führten zur Verbreitung von Krankheiten. Die Gefangenen suc
Feiern im Elend Während das Kriegsgefangenenlager wegen einer Fleckfieberepidemie unter Quarantäne stand und tausende Gefangene starben, fand für dienstfreie Angehörige des zur Bewachung eingesetzten Landesschützenbataillons 986 in der Kantine ihrer Unter
Feiern im Elend Während das Kriegsgefangenenlager wegen einer Fleckfieberepidemie unter Quarantäne stand und tausende Gefangene starben, fand für dienstfreie Angehörige des zur Bewachung eingesetzten Landesschützenbataillons 986 in der Kantine ihrer Unter
Hunderte Fleckfieber-Tote Infolge einer Fleckfieberepidemie wurde das Lager am 16. Dezember 1941 unter Quarantäne gestellt. Mit diesem Tag endeten die Bestattungen auf dem heutigen Ehrenhain Zeithain. In unmittelbarer Nähe zum Lager und Bahnhof wurde der
Hunderte Fleckfieber-Tote Infolge einer Fleckfieberepidemie wurde das Lager am 16. Dezember 1941 unter Quarantäne gestellt. Mit diesem Tag endeten die Bestattungen auf dem heutigen Ehrenhain Zeithain. In unmittelbarer Nähe zum Lager und Bahnhof wurde der
Ankunft im Lager Bei Eintreffen der ersten Transporte am Bahnhof Jacobsthal im Juli 1941 war das Gelände des Kriegsgefangenenlagers für die Unterbringung zehntausender Gefangener nicht vorbereitet. Es fehlten Unterkunftsbaracken, Entlausungsanlagen, Brunn
Ankunft im Lager Bei Eintreffen der ersten Transporte am Bahnhof Jacobsthal im Juli 1941 war das Gelände des Kriegsgefangenenlagers für die Unterbringung zehntausender Gefangener nicht vorbereitet. Es fehlten Unterkunftsbaracken, Entlausungsanlagen, Brunn
Gräber als Fotomotiv Ein deutscher Wachsoldat posierte Ende 1941 vor den Grabtafeln verstorbener sowjetischer Kriegsgefangener auf dem heutigen Gelände des Ehrenhain Zeithain. Bis Ende September wurden die Toten in namentlich gekennzeichneten Einzelgräber
Gräber als Fotomotiv Ein deutscher Wachsoldat posierte Ende 1941 vor den Grabtafeln verstorbener sowjetischer Kriegsgefangener auf dem heutigen Gelände des Ehrenhain Zeithain. Bis Ende September wurden die Toten in namentlich gekennzeichneten Einzelgräber
Kampf ums Essen Vier Wachsoldaten beobachteten amüsiert, wie sich hungernde Gefangene auf am Boden liegende Essensreste stürzten, während ein weiterer Soldat diese Szene fotografierte. Durch vorsätzlich herbeigeführte Mangelernährung sowohl hinsichtlich Q
Kampf ums Essen Vier Wachsoldaten beobachteten amüsiert, wie sich hungernde Gefangene auf am Boden liegende Essensreste stürzten, während ein weiterer Soldat diese Szene fotografierte. Durch vorsätzlich herbeigeführte Mangelernährung sowohl hinsichtlich Q

Für Nagel ist das Album ein echter Glücksfund. Ende letzten Jahres hatte es der Enkel des Wachmanns Karl H. der Gedenkstätte übergeben. H. gehörte dem Landesschützenbataillon 986 an, patrouillierte am Außenzaun des Kriegsgefangenenlagers, besetzte Wachtürme und die Zugangstore. „Es gibt keine Hinweise darauf, dass sich K. auch an Verbrechen beteiligt hat“, sagt Nagel. Von den Gräueltaten, die sich im Lager abgespielt haben, muss er aber gewusst haben – und werden auf den Fotos auch dokumentiert. Ob er sie alle selbst geschossen hat, ist unbekannt. Einige Bilder zeigen Hinrichtungen, Gefangene, die am Galgen hängen. Auch Fotos von Hunderten Toten, die an Krankheiten oder Hunger gestorben sind, zeigt das Album. Zwar wurden anders als in den Konzentrationslagern im Kriegsgefangenenlager Zeithain keine Massenvernichtungen vorgenommen. Und doch sterben die Menschen reihenweise. Die von SS-Chef Heinrich Himmler betitelten „Untermenschen“ werden nicht nach den Bestimmungen der Genfer Konvention für Kriegsgefangene behandelt. Ihre Ernährung ist auf ein Minimum reduziert, die hygienischen Umstände sind katastrophal. „Die Wehrmacht nahm ihren Tod in Kauf“, sagt Jens Nagel. Allein zwischen Dezember 1941 und März 1942 sterben 7000 Gefangene an Ruhr-, Typhus- und Fleckfieberepidemien. Auch das zeigen die Fotos. Bis Kriegsende sterben in Zeithain bis zu 30 000 Gefangene.

Besonders befremdlich erscheinen deshalb Fotos, die die feiernden Wachsoldaten zeigen. „Sie lebten in zwei Welten. Auf der einen Seite erlebten sie das Elend und Massensterben im Lager. Auf der anderen Seite gab es einen engen kameradschaftlichen Alltag. Das ist heute nur noch schwer nachvollziehbar.“

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