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Der Häuptling ist nackt

Der berühmte Radebeuler Indianer aus der Villa Bärenfett kommt zum Restaurator nach Weinböhla. Zuvor gab es ein Expertentreffen im Museum.

© Norbert Millauer

Von Peter Redlich

Radebeul. Der stolze Krieger der Dakota liegt nicht nur am Boden. Er ist auch nackt. Lederrobe, Lederhemd, Leggins, Mokassins und auch der Federschmuck – alles wurde ihm genommen. Nur die Gesichtsbemalung zwischen Nase und Kinn hat er noch.

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Der Dakota-Häuptling angezogen.
Der Dakota-Häuptling angezogen. © Arvid Müller

Montagvormittag in der Villa Bärenfett im Karl-May-Museum wurde der Häuptling von Fachleuten mit aller Vorsicht entkleidet. Der Grund: Die zentrale Figur im Ausstellungsraum der Villa muss dringend saniert werden. Der Gips, aus dem die Statue geformt wurde, bröckelt. Vor fast 90 Jahren ließ Klara May, die Witwe des großen Abenteuerschriftstellers Karl May, die Figuren herstellen.

Restaurator Manfred Biedermann sagt, woher der Schaden bei den Figuren vor allem kommt: Das Gips wurde um Eisenstangen geformt. Die Stangen waren damals nicht so hochwertig legiert, wie das bei Stahl heute ist. Eisen nimmt Luftfeuchte an, rostet. Die Oberfläche vergrößert sich und sprengt die Gipsummantelung.

Die Kleidungsstücke des Häuptlings sind noch wertvoller. Karl May hat sie mit großer Wahrscheinlichkeit bei George Heye erworben, sagt Museumskustos Robin Leipold. Heye ist der große Indianistiksammler der USA. Seine Sammlung ist der Kernbestand des National Museum of American Indian in Washington – dem größten Indianermuseum der Welt.

Leipold: „Wir möchten die kostbaren Lederkleider natürlich wieder ausstellen, aber auf die Figuren sollen Kopien kommen.“ Einer, der sehr seltenen Spezialisten für das Herstellen indianischer Kleidung ist Bernd Büttner. Er hat gestern bereits die Weißhirschrobe, das Hemd, die Leggins und die Mokassins begutachtet. Vor allem für die lederne Robe wird der Aufwand groß. Einen Weißhirsch gibt es hier in der Gegend eher nicht.

Büttner: „Wir müssen einen großen Rothirsch finden und schießen. Dann wird die Haut gegerbt und so wie die Häuptlingsrobe zugeschnitten.

Versehen ist der Umhang mit aufwendiger Perlenstickerei. Jede Perle nicht viel größer als ein bis zwei Millimeter. Die Farben der Perlen sind es, die Büttner beschäftigen. „Die bekommst du heute kaum so farbgetreu wieder hin“, sagt er. Muss auch nicht sein, entgegnen Restaurator Biedermann und Kustos Leipold. Eine Kopie müsse nicht besser sein als das Original.

Der Häuptling liegt inzwischen auf einem Gestell, fixiert und gesichert. Die Unterarme konnten per Gelenk abgetrennt werden. Am Nachmittag wurde die Figur abgeholt. Hans Effenberger mit seiner Werkstatt Form und Abbild brachte sie zu sich in die Werkstatt nach Weinböhla. Dort soll der Dakota-Häuptling in den nächsten Wochen wieder so hergerichtet werden, dass er stabil ist und im Innern der Rost gestoppt wird.

Wenn die Experten mit ihrem Werkzeug einmal im Museum sind, gab es gleich noch mehr zu tun. Denn nicht allein der eine Häuptling macht Probleme. Auch dem Sioux-Häuptling, dem Waldläufer und vielen anderen Figuren geht es nach den Jahrzehnten im Museum nicht mehr so richtig gut. Kustos Leipold: „Wir wollen eine Bestandaufnahme über den Zustand zusammenstellen, um zu wissen, in welcher Reihenfolge weitere Figuren restauriert werden müssen.“

Wie zügig das möglich sein wird, bestimmen die Kosten. Allein der Dakota-Häuptling verursacht einen Aufwand von rund 15 000 Euro. Das Geld ist jetzt beisammen. Auch, weil fast die Hälfte über Fördermittel aus dem Kulturraumetat des Landes dafür fließen wird.

Zum Karl-May-Fest spendete die Freiberger Brauerei Fünf-Liter-Fässer, die mit der Unterschrift von Gojko Mitic verkauft werden konnten. Die Sparkasse Meißen half mit ihrer Lotterie. Viele Indianistikfreunde haben Geld eingezahlt.

Ziel sei es, so Leipold, bis Jahresende die Häuptlingsfigur wieder ausstellungstauglich zu haben. Ob bis dahin auch die Kleiderkopien fertig genäht und bestickt sind, sei eher fraglich. „Wir möchten jedenfalls im nächsten Jahr den Häuptling wieder zeigen“, so Leipold. Bis dahin soll ihn eine etwa zwei Meter große Pappfigur ersetzen.

www.karl-may-museum.de