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Der Häusermacher

Walter Hannot saniert bereits das dritte Gebäude in der Altstadt – aus Ruinen werden dabei Schmuckstücke.

© Udo Lemke

Von Udo Lemke

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Meißen. Im Hauptberuf betreibt Walter Hannot ja eigentlich eine Werbeagentur. Nebenberuf könnte man ihn als Sanierer alter Häuser – salopp gesagt von Bruchbuden – bezeichnen. Aber es ist eben nur der erste Blick, der in den zerfallenen Häusern der Altstadt, die er anpackt, allenfalls noch eine Art schäbiger Eleganz sieht. Der zweite geht tiefer und sieht die oft wunderbare Substanz, die in den geschundenen Gebäuden steckt.

So war es 2007 bei der Freiheit 5 – ein Gebäudekomplex, der nach Einschätzung von Fachleuten aus drei zu unterschiedlichen Zeiten gebauten Häusern besteht, dessen ältestes bis ins 12. Jahrhundert zurückgeht. „Damit habe ich angefangen, das ist ein alter Domherrenhof.“ Dessen Dach hatte 2006 der Sturm Kyrill auseinandergefaltet. Es wurde auf Veranlassung der Stadt mit Seilwinden wieder auseinandergezogen. Aber damit war es natürlich nicht getan. Das Gebäude, das allein acht Holzdecken hat, die heute über Sichtfenster teilweise noch zu betrachten sind, musste von Grund auf saniert werden. Hatte es doch viele Jahre leer gestanden. Zum Wunsch der Denkmalpflege, möglichst viel an alter Substanz zu erhalten, kam der Wunsch, eine statische Sicherung des Komplexes vorzunehmen, die 80 bis 100 Jahre hält.

In Ruinen Potenzial gesehen

Heute beherbergt die Freiheit 5 zwei Wohnungen, in einer davon wohnt Walter Hannot, dessen Arbeitsmittelpunkt jedoch Dresden ist. Hinzu kommen noch zwei Ferienwohnungen. Solche sind mittlerweile auch im zweiten Haus, das Walter Hannot in der Altstadt angepackt hat, entstanden. Gemeint ist die Rosengasse 7. Als kurz nach der Wende die historische Bausubstanz der Altstadt aufgenommen wurde, war das Gebäude eines der am besten erhaltenen. Als Walter Hannot es im Dezember 2014 kaufte, konnte man vom Erdgeschoss über zwei Etagen und den Dachstuhl in den Himmel schauen.

„Am Ende haben wir alles Holz, von den Balken bis hin zu den Dübeln in den Wänden ziehen müssen, weil es vom Hausschwamm verseucht war.“ Aber auch hier hatte Walter Hannot das Potenzial gesehen. „Ich bin jahrelang an dem Haus vorbeigegangen. Es hat auf drei Etagen 50 Fenster, es ist sehr hell.“ Und in der Tat, schaut man sich die beiden 130 und 100 Quadratmeter großen Wohnungen im ersten und zweiten Stock an, dann spürt man sehr wohl das Altstadtflair kleinteiliger Bebauung, aber das hat hier nichts Dämmeriges.

Das Erdgeschoss soll später einmal gewerblich genutzt werden, bis dahin stellt es Walter Hannot dem Kulturverein Meißen, in dem er selbst Mitglied ist, als Versammlungs- und Veranstaltungsraum zur Nutzung zur Verfügung. Auf 95 Quadratmeter gibt es neben dem Hauptraum eine Teeküche und Toiletten.

Dass in alten Häusern Überraschungen warten, ist klar. Dass solche Überraschungen bei der beauftragten Baufirma warten, dagegen nicht. Diese musste jedenfalls Insolvenz anmelden – mitten in der angefangenen Baustelle. Als guter Rat teuer war, entschloss sich Walter Hannot die vier Bauarbeiter zu übernehmen. Nicht als Baufirma, sondern als privat Angestellte. Damit war gesichert, dass die Rosengasse 7 Ende Oktober im wesentlich fertig saniert sein wird.

Eigentumswohnungen gesucht

Das dritte Haus, das Walter Hannot in der Altstadt saniert, ist die Görnische Gasse 33. In der Liste der Kulturdenkmale in der Altstadt ist zum Haus zu lesen: „1. Hälfte 19. Jhdt., dreigeschossiges Wohnhaus in geschlossener Bebauung, im Stil des Klassizismus erbaut; leerstehend und ruinös.“ Daran ist nichts gelogen.

Allerdings ist die Ruine nun eingerüstet. Walter Hannot hat sie im Frühjahr in einer Zwangsversteigerung erworben. Hier können die Deckenbalken drinbleiben, weil es keinen Schwamm gibt. Dafür sieht das Treppenhaus aus, als hätte es einen Bombenvolltreffer erhalten. Hier will der Häusermacher 2018 fertig sein. Unter anderem sollen zwei behindertengerechte Wohnungen ins Erdgeschoss. Und: „Ich hätte alle Wohnungen innerhalb weniger Wochen als Eigentumswohnungen verkaufen können, der Bedarf ist riesig.“

Eigentlich ist Walter Hannot ja studierter Historiker. Nicht nur daher rührt die Affinität zu alter Bausubstanz: „Man fasst Dinge an, die viel älter als man selbst sind, und man schafft Dinge, die einen lange überleben werden.“ Nun will der Werbefachmann sein Hobby weiter vertiefen, nicht nur auf der Baustelle, sondern auch auf der Schulbank: „Ich fange diese Woche an, in Cottbus Denkmalschutz zu studieren.“