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Der Junge mit der Taube

Grundschüler machen Zirkus in einer richtigen Manege. Hier gehen Träume in Erfüllung. Einer heißt Schneeweißchen.

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© Dirk Zschiedrich

Von Heike Sabel

Heidenau. Ein bisschen Zirkus ist wohl ab und zu jede Schule. Jetzt haben die Heidenauer Gleißberg-Grundschüler eine ganze Woche Zirkus – richtigen! Und in dem geht es zu wie in der Schule. Man lernt was. Sogar ganz schnell. Man wird in drei Tagen Seiltänzerin, Pirat, Akrobat, Zauberer oder Tauben-Dresseur.

Die Kinder konnten sich die Gruppen selbst aussuchen. Für Paul war klar: Er ist Zauberlehrling. Die ersten Tricks hat er mit dem Zauberkasten schon zu Hause gelernt. Maja wollte einfach mal das Seillaufen probieren, und Eddy wäre gern Zirkusdirektor geworden. Da es den Posten diesmal nicht gibt und Eddy auch Tauben mag, entschied er sich für diese Gruppe. Sie wird von Virginia Sperlich betreut. Ihre Familie ist der 1. Ostdeutsche Projektcircus. Der hat nun zum zweiten Mal innerhalb von vier Jahren sein Zelt und seine Autos am Heidenauer Stadion aufgestellt. Eddy wartet geduldig. Erst sind die anderen Kinder an der Reihe. Bei den Taubendresseuren geht es recht ruhig zu. Einigen Kindern fast zu ruhig. Sie langweilen sich etwas, während die anderen ihre Kunststücke üben. Mit der Leiter zum Beispiel, die so gedreht werden muss, dass die Taube hinauflaufen kann. In der Manege knallt es, da üben die Piraten. Nebenan werden aus einem brennenden Topf Tücher gezaubert, die Seiltänzerinnen proben den Umgang mit dem Fächer.

Jetzt ist Eddy an der Reihe. Er bekommt eine Glitzerkugel, die er erst festhalten und dann drehen soll, damit die Taube laufen kann. Ihm gefällt die braune am besten, aber er bekommt eine weiße. Auge in Auge stehen sie sich gegenüber, die Taube und der Viertklässler. Die Kugel ist etwas schwer. Vor allem, wenn Eddy sie mit einer Hand hält, um die Taube von der Stange zu holen und auf die Kugel zu setzen. Eddy hat sowieso keine Angst, aber auch Fenja schlägt sich wacker, als eine Taube sich an ihrer Hose festhält. Die Kinder trauen sich ganz schön was, egal ob auf dem Seil, in der Manege oder beim Abrakadabra. Eddy hält seine Hand ganz still und genießt den Moment mit der Taube. Auch sie genießt es.

Am Donnerstag haben die Heidenauer Zirkuskinder bereits ihren ersten von insgesamt vier Auftritten. Während Seiltänzerin Susen schon lange vorher Lampenfieber hat, ist Eddy Auftritte fast gewohnt. In der Theater-Arbeitsgemeinschaft hat er einen Moderator und einen Wichtel gespielt. Mit dem Zirkusdirektor hat es zwar noch nicht geklappt, aber das mit den Tauben fasziniert ihn. Der kleine zarte Kopf, die weichen Federn, ihre Geduld. Er nennt sie Schneeweißchen. Der Auftritt in der Manege ist für viele Kinder ein Traum. Was sie scheinbar nebenbei lernen, soll länger anhalten als die Auftritte. Das ist die Intention der Zirkusmacher und Lehrer. Diese Woche ist für die Kinder das, was bei den Erwachsenen „teambildende Maßnahme“ heißt.

Nach der Projektwoche wollen erfahrungsgemäß viele Kinder zum Zirkus gehen. Kaum ein Kind wird den Traum wahr machen, dafür aber andere Träume. Und für die hat vielleicht auch diese Woche einen Grundstein gelegt.

Vorstellungen: 24./25. August, 17 Uhr; 26. August, 10 und 14 Uhr; Karten für zehn Euro Erwachsene und drei Euro für Kinder, jeweils eine halbe Stunde vorher,