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Der Kiwi-König kommt

Werner Merkel hat Exoten gezüchtet, die auch in unseren Breiten wachsen. Jetzt gibt er exklusiv Tipps zum Gartenfest in Schellerhau.

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© Foto: privat

Von Mandy Schaks

Schellerhau. Werner Merkel sind seine 79 Jahre nicht anzusehen: silbernes, kurz geschnittenes Haar, wache Augen und unermüdlich. Seine Leidenschaft gilt den Mini-Kiwis, die ihm schon den Namen Kiwi-König von Chemnitz eingebracht haben. „Das Züchten hält ihn jung“, verrät seine Tochter Rita Brauns und sagt voller Hochachtung: „Was er macht, ist einzigartig in Deutschland.“

Werner Merkel, der von Beruf Ingenieur ist und im Automobilbau gearbeitet hat, entdeckte für sich schon vor über 30 Jahren ein ausgefallenes Hobby: die Actinidia deliciosa, wie die Kiwi-Frucht in der Fachsprache heißt. Sie stammt aus China. Die behaarten Früchte, die in den Regalen der Einkaufsmärkte liegen und in der Regel aus Italien und Neuseeland geliefert werden, wachsen in unseren Breiten leider schlecht. Das weckte den Ehrgeiz von Werner Merkel. Er wollte Kiwis züchten, die besser für das mitteleuropäische Klima geeignet sind und denen auch minus 30 Grad im Winter nichts ausmachen. Das hat er geschafft. Er züchtete eigene Gewächse.

Allein von ihm stammen neun Sorten, die über die Landesanstalt für Weinbau Veitshöchheim bei Würzburg über Jahre auf ihre Leistungsfähigkeit geprüft und zur Marktreife gebracht wurden. Die Sorten tragen so klangvolle Namen wie „Cinderella“, „Red Jumbo“ oder „Jassai“. Die männlichen Sorten heißen zum Beispiel „Blütenwolke“ und „Honigmann“ und sind sehr potent, wie Rita Brauns schmunzelnd erzählt. „Ein Mann bestäubt bei den Kiwis acht Frauen, egal welche Sorte, ob grüne oder rote Kiwis.“ Die Kiwi-Beeren, die Ende September bis Oktober reif sind, wiegen zwischen sechs und zwanzig Gramm, haben eine glatte, dünne Schale und können im Ganzen verzehrt werden. Die Mini-Kiwis, auch Kiwais genannt, haben zudem einen hohen Vitamin-C-Gehalt, der weit über dem einer Zitrone liegt. Davon und wie sie auch in erzgebirgischen Gärten wachsen, will Werner Merkel an diesem Sonntag in Schellerhau erzählen. Dann ist er neben knapp 60 Händlern zu Gast beim Gartenfest und Naturmarkt mit Enkel Richard Hamann vom gleichnamigen Gartenbedarf und Pflanzenvertrieb aus Niederwiesa. Vor einem Jahr waren sie erstmals in Schellerhau und begeistert. „Die Osterzgebirgler sind ein liebes und interessiertes Publikum“, sagt Rita Brauns und weiß: Da wächst in manchem Garten inzwischen eine neue Obstart heran.

Natur und Musik

Im Botanischen Garten Schellerhau finden an diesem Sonntag von 10 bis 17 Uhr das 21. Gartenfest und der Osterzgebirgische Naturmarkt statt.

Zum zehnjährigen Bestehen des Klangpfades stehen die Klanginstrumente im Fokus und werden professionell bespielt. 10.30 Uhr tritt der Dresdner Cellist Peter Illavsky auf der Bühne auf; 11.30 Uhr musiziert er mit weiteren Musikern im Garten.

Das Puppenspiel „Dornröschen“ mit Josefine Schönbrodt und Jan Maria Meissner wird 11.45 Uhr aufgeführt.

Am Nachmittag spielt das Großerkmannsdorfer Blasorchester.

Spezielle Rundgänge werden angeboten: 10.30 Uhr Klang- und Führung über die Weißeritz-Wiesen, 14.30 Uhr Kräuter- und 15 Uhr Gartenführung.

Der Eintritt kostet vier Euro, für Kinder ab sechs Jahre einen Euro; das Parken ist frei.

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