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Der kostspielige Weg ans Trinkwassernetz

Der Wasserversorger sitzt bereits an der Planung, um Brunnendörfer anzuschließen. Wie das gelingen kann.

Das Wasserwerk in Klingenberg versorgt circa 89 000 Einwohner mit Trinkwasser, unter anderem in den Städten Freital und Dippoldiswalde. Auch die Gemeinde Klingenberg bekommt ihr Wasser von hier, wobei nicht alle Ortsteile ans Trinkwassernetz angeschlossen
Das Wasserwerk in Klingenberg versorgt circa 89 000 Einwohner mit Trinkwasser, unter anderem in den Städten Freital und Dippoldiswalde. Auch die Gemeinde Klingenberg bekommt ihr Wasser von hier, wobei nicht alle Ortsteile ans Trinkwassernetz angeschlossen © Egbert Kamprath

Auch wenn sich die Lage mittlerweile geändert hat – vielen Hausbrunnenbesitzern dürfte die angespannte Situation vergangenes Jahr noch deutlich vor Augen stehen: Hitze und Trockenheit hatten ihre Brunnen versiegen lassen. Wochenlang saßen die Menschen auf dem Trockenen und waren auf Wasser aus öffentlichen Entnahmestellen oder Unterstützung von Freunden und Bekannten angewiesen. Im Dezember kamen die lang ersehnten Niederschläge und die Brunnen haben sich wieder gefüllt. Doch grundlegend hat sich damit an der Situation der sogenannten Brunnendörfer nichts geändert. Um nicht wieder in so eine Situation zu kommen, wollen viele Hausbrunnenbesitzer ans Trinkwassernetz angeschlossen werden. Doch der Weg dahin ist nicht einfach. Eine Übersicht der SZ erklärt wichtige Eckpunkte.

Welche Schritte wurden bereits unternommen?

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In den Altkreisen Freital und Dippoldiswalde, die ihr Wasser größtenteils von der Wasserversorgung Weißeritzgruppe GmbH bekommen, gibt es etwa 1300 Grundstücke, die nicht ans öffentliche Trinkwassernetz angeschlossen sind. In drei Verbandsgemeinden des Trinkwasserzweckverbands – Altenberg, Glashütte und Klingenberg – gibt es Betroffene, außerdem in Hermsdorf/Erzgebirge. Um für die Brunnenbesitzer eine Lösung zu finden, haben sich im Januar die zuständigen Wasserbehörden mit Vertretern der Wasserversorgung Weißeritzgruppe GmbH im Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) getroffen. Wie Frank Kukuczka, Geschäftsführer der Wasserversorgung Weißeritzgruppe GmbH, im Nachgang erklärte, wurden die Rahmenbedingungen konkreter besprochen. Denn der Wasserversorger sitzt bereits an der groben Vorplanung für den Anschluss der sogenannten Brunnendörfer. Der Trinkwasserzweckverband Weißeritzgruppe will eine nachhaltige Lösung für die betroffenen Orte, sagt Frank Kukuczka. Deshalb sei der Wasserversorger vom Verband damit beauftragt worden, eine technische Voruntersuchung zu erstellen samt den geschätzten Investitionskosten, die nötig sind, um die Hausbrunnen abzulösen.

Wie sehen diese Voruntersuchungen aus?

Mitarbeiter der Wasserversorgung Weißeritzgruppe GmbH schauen sich anhand der Pläne an, wie die betroffenen Ortsteile am besten an Trinkwasserspeicher angeschlossen werden können. Dazu sind lange Zuführungsleitungen notwendig, die das Wasser aus den beiden Wasserwerken Altenberg und Klingenberg in die Brunnendörfer bringen. Außerdem seien oftmals Sonderbauwerke, wie beispielsweise Hochbehälter und Anlagen zur Druckerhöhung beziehungsweise -minderung erforderlich, so Frank Kukuczka. Auch müssen die Leitungen teilweise im Felsgestein verlegt werden.

Wie wirkt sich das auf die Kosten aus?

Die konkreteren Voruntersuchungen hätten nun ergeben, dass die durchschnittlichen Erschließungskosten für die Gesellschaft noch höher liegen, als bisher angenommen, nämlich bei circa 30 000 Euro pro Grundstück. Laut Frank Kukuczka sind darin aber noch nicht die Kosten enthalten, die etwa für den Hausanschluss anfallen. Je nachdem, wie weit ein Haus von der Wasserleitung in der Straße entfernt ist, könnten nochmals mehrere Tausend Euro für den privaten Anschluss hinzukommen.

© Grafik: SZ

Wie steht es um Fördergelder?

Um die Menschen an das öffentliche Trinkwassernetz anschließen zu können, ist viel Geld nötig. Weder der Wasserversorger noch die Hausbrunnenbesitzer können die Kosten dafür alleine stemmen. Deshalb ist auch die Politik gefragt. Er habe im Ministerium nochmals auf die schwierigen finanziellen Bedingungen verwiesen, sagt Frank Kukuczka nach dem Treffen. Die Voruntersuchung des Wasserversorgers wurde den Behördenvertretern übergeben. Darin enthalten ist auch eine notwendige Förderquote, die bei 85 Prozent liegen müsste, um das Vorhaben überhaupt finanzieren zu können.

Vor diesem Hintergrund prüft das SMUL derzeit, wie die hauptbetroffenen Trinkwasserverbände in Sachsen bei einer nachhaltigen Lösung unterstützt werden können. Im ganzen Bundesland gibt es etwa 27 000 Haushalte, die nicht ans öffentliche Trinkwassernetz angeschlossen sind. Das Ministerium bereitet momentan eine Förderrichtlinie vor. Wie es aus dem Ministerium heißt, entscheidet das Sächsische Kabinett über diese Förderrichtlinie. Zuvor muss die Richtlinie mit mehreren Gremien abgestimmt werden. So lange könne über den konkreten Inhalt noch nichts gesagt werden. Nach derzeitigen Planungen soll die Förderrichtlinie aber im 2. Quartal diesen Jahres in Kraft treten. Dann sollen auch finanzielle Mittel bereitstehen.

Sie wollen noch besser informiert sein? Schauen Sie doch mal auf www.sächsische.de/freital und www.sächsische.de/dippoldiswalde vorbei.

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