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Kunsthof Gohlis nur noch Geschichte

Dresden ist um eine Institution ärmer: Der Gerichtsvollzieher begleitete die Zwangsräumung.

Von Juliane Richter
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Der letzte Tag der einst viel besuchten Kulturstätte.
Der letzte Tag der einst viel besuchten Kulturstätte. © René Meinig

Die Galgenfrist war immer wieder verlängert worden. Aber am Ende hat für Sigrid Körner und Uwe Piller alles Hoffen nichts genützt. Am Donnerstagmorgen hat ein Gerichtsvollzieher den Veranstaltungsraum in der ehemaligen Scheune des Kunsthofs Gohlis räumen lassen. 

Die eigenen Gemälde, die den hohen Raum geziert haben, hat das Künstlerpaar vorher noch selbst abgenommen. Verschwunden ist nun auch alles andere: Die Möbel, die Kücheneinrichtung, das Lager. „Der Kunsthof wurde eliminiert“, sagt Uwe Piller wenige Stunden später. Er klingt nicht mehr so verbittert wie im Sommer, als sich die Zwangsräumung immer deutlicher abgezeichnet hat.

Im Sommer fiel die Zwangsräumung aus und die Laster fuhren wieder leer davon. 
Im Sommer fiel die Zwangsräumung aus und die Laster fuhren wieder leer davon.  © René Meinig

Vielleicht, weil nun endlich Klarheit herrscht. Klarheit, dass sein Traum nach mehr als zehn Jahren nun doch definitiv zu Ende ist. Zumindest an dieser Stelle. Das Künstlerpaar hat viel versucht, um den Eigentümer, den Dresdner Unternehmer Klaus Wortmann, doch noch umzustimmen. Vor allem mit langen Briefen und einem Kaufangebot über 300 000 Euro, wie Piller sagt. Künstler und Unterstützer aus ganz Deutschland haben dafür Geld gegeben. „Natürlich geben wir das jetzt zurück“, sagt Piller.

Der Eingang zum Wohnhaus. 
Der Eingang zum Wohnhaus.  © René Meinig

Mit einem Hang zur Selbstaufgabe haben er und seine Partnerin Sigrid Körner den Kunsthof zu einer Musik-Oase ausgebaut, die weit über die Dresdner Stadtgrenzen bekannt und beliebt war. Auch Dirk Zöllner hat hier mehrmals gespielt und sich medial für den Kunsthof starkgemacht. Immer wieder war in den vergangenen Monaten zu hören, wie einzigartig dieser Ort denn ist.

Das Künstlerpaar Sigrid Körner und Uwe Piller im Sommer 2018. 
Das Künstlerpaar Sigrid Körner und Uwe Piller im Sommer 2018.  © René Meinig

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Betreiber Körner und Piller, denen der Kunsthof früher einmal selbst gehört hatte, Mietrückstände angesammelt hatten. Sie wollten an den jetzigen Eigentümer nicht zahlen, weil sie in den vergangenen zehn Jahren in Größenordnung privat in den Kunsthof investiert hätten – sowohl finanziell, als auch in Hunderten Arbeitsstunden, die nach der verheerenden Flut 2013 angefallen waren. Doch weder der Eigentümer noch das Landgericht folgten dieser Argumentation.

Das Künstlerpaar und die Katzen wohnen noch weiter auf dem Gelände - zumindest bis zum nächsten Gerichtstermin. 
Das Künstlerpaar und die Katzen wohnen noch weiter auf dem Gelände - zumindest bis zum nächsten Gerichtstermin.  © René Meinig

Als die Berufung zum Oberlandesgericht abgelehnt wurde, war die Zwangsräumung besiegelt. Eigentümer Klaus Wortmann befindet sich am Tag der Räumung im Urlaub und will sich deshalb nicht zur Sache äußern. Sigrid Körner und Uwe Piller, die auf dem Gelände auch eine Wohnung gemietet haben, dürfen nach eigenen Angaben noch bleiben. „Es soll eine Gerichtsverhandlung geben, aber ich weiß nicht, wann“, sagt Piller. Einen Neustart für den Kunsthof an anderer Stelle schließt er nun, anders als noch vor einigen Monaten, nicht mehr aus. „Wir können ja nichts anderes“, sagt er.