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Der Prinz muss zahlen

Auch ein Adeliger muss sich an das Gesetz halten: Franz Georg Christian Prinz zur Lippe-Weißenfeld raste vor dem Schloss Pillnitz und legte Widerspruch gegen seinen Strafzettel ein.

© Peter Hilbert

Von Julia Vollmer

Auch ein Prinz muss sich an das Gesetz halten. Franz Georg Christian Prinz zur Lippe-Weißenfeld, ein Bruder des bekannten Proschwitz-Prinzen, musste am Donnerstag auf der Anklagebank im Amtsgericht Platz nehmen. Er war nicht nur mit 24 Kilometern pro Stunde zu viel geblitzt worden, bisher weigerte er sich auch, das Bußgeld zu bezahlen. Aber der Reihe nach.

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Am 2. Oktober im letzten Jahr, einem Freitag, kam der Adelige aus Richtung Pirna und passierte in seinem Volvo das Pillnitzer Schloss. Dort jedoch hatte Falco K. vom Dresdner Ordnungsamt seinen Blitzer aufgestellt. 54 Kilometer pro Stunde zeigte das Messgerät an, erlaubt ist dort jedoch nur Tempo 30. Seit Jahren schon. Der Bußgeldkatalog sieht für diese eher kleine Unachtsamkeit 80 Euro vor und einen Punkt im Flensburger Zentralregister für Verkehrssünder. Doch der Prinz akzeptierte sein Knöllchen nicht, er zog vors Amtsgericht Dresden.

Gemeinsam mit seinem Anwalt Jochim Thietz-Bartram nahm der 70-jährige Arzt aus der Oberlausitz den Kampf auf. Das 30er-Schild habe er nicht gesehen, beteuerte Prinz zur Lippe-Weißenfeld. Seiner Begleitung, die neben ihm auf dem Beifahrersitz gesessen habe, sei auch nichts aufgefallen. Außerdem habe er Zweifel an der Zuverlässigkeit des Messgerätes. Er habe Gas geben müssen, um die Kurve und „den Berg“ zu nehmen – „doch zu schnell bin ich nicht gefahren“, gab er an. Richterin Sibylle Vollmers musste daher nun auch Falko K. in den Zeugenstand rufen.

Der 29-Jährige, der im Auftrag des Ordnungsamtes arbeitet, beschrieb seine übliche Routine. Die Blitzanlage habe er überprüft und wie üblich abgemessen, dass sein Messgerät auch die vorgeschriebenen 15 Meter vom Verkehrsschild entfernt stand. Alles sei korrekt gewesen. Ob und wie oft die Bußgeldstelle die Technik wartet, könne er nicht sagen, so K. Das liege nicht in seiner Zuständigkeit.

Als Nächster war der Sachverständige der Dekra dran. Nach seiner Untersuchung und einem Besuch vor Ort konnte auch er nichts Ungewöhnliches feststellen. Alle Messergebnisse des Tages, auch die der anderen Autos, waren richtig, urteilte der Experte vor Gericht. Langsam dämmerte es dem Adeligen und seinem Verteidiger, dass sie diesen Prozess wohl nicht gewinnen würden. Nach einer kurzen Beratung, zogen sie den Einspruch zurück. Nun wird der Prinz doch zahlen.

Ähnlich wie dem Prinzen zur Lippe-Weißenfeld ging es im ersten Quartal dieses Jahres schon vielen: 686 000 Euro spülten Raser in die Kasse der Bußgeldstelle. Erwischt wurden sie von stationären und mobilen Blitzern. In rund 25 600 Fällen leitete die Behörde ein Verfahren ein. Auch 2015 sprudelten die Bußgelder dank der Blitzer in der Stadtkasse. Fast 1,8 Millionen Euro spielten die Raser ein.

24 stationäre Blitzer standen im vergangenen Jahr im Dienst des Rathauses. 12 300-mal blitzte es auf der Altstädter Seite der Waldschlößchenbrücke, das ist mit Abstand der erfolgreichste Blitzer. Allein diese Anlage nahm rund 437 000 Euro ein. Auf Platz 2 und 3 landeten die stationären Messanlagen auf der Radeburger Straße Ecke Meinholdstraße und der Bautzner Straße in Höhe der Elbschlösser – auf Brücken und vor Schlössern treten Autofahrer gerne aufs Pedal. Es gibt aber tatsächlich auch „Starenkästen“, die das ganze Jahr überhaupt keinen Temposünder überführt haben. In der Statistik tauchen die Blitzer in der Marienberger/ Höhe Hellendorfer Straße und der Güntzstraße in Höhe des Seniorenwohnheims mit null Verstößen auf. Genauso wenig „erfolgreich“ waren die Messgeräte an der Schule am Leutewitzer Park in Richtung Cotta und auf der Würzburger Straße gen Münchner Straße. Eigentlich eine gute Nachricht – einmal davon abgesehen, dass sonst insgesamt 50 300 Tempoverstöße registriert wurden.